Vierteljahrs-Wetter Rundschau der Deutschen Seewarte, Sommer 1885.
215
Die dieser Rundschau beigegebenen Karten zeigen uns nun deutlich im
Sommer 1885 ein allmähliches Anschwellen dieses Hochdruckgebietes von seiner
gröfsten Einschränkung im Anfänge des Juni (Karte 1) bis zur gröfsten Aus
dehnung Anfangs Juli (Karte IV), worauf eine noch langsamere stetige Ab
nahme seiner Ausdehnung bis zum Schlafs des August (Karte IX) folgt; im
Einzelnen finden sieh dabei freilich sehr mannigfaltige Form- und Lagen
änderungen.
Karte V, welche den Zeitabschnitt vom 7. bis zum 16. Juli dar
stellt, zeigt das Hochdruckgebiet noch in grofser Ausdehnung. Ein Ausläufer
der grofsen Depression, welche die Hudsons-Strafse in diesen Tagen umkreiste,
drang zwar tief in den Nordrand des hohen Druckes ein, allein schon am 10.
finden wir hohon Druck auch an der Nordseite dieses Ausläufers, und vom 11.
an steht das Barometer dort über 770 mm. Schwächere Anticyklonen gingen
gleichzeitig über Nordamerika und Nordeuropa ostwärts, während bei Island
anhaltend Depressionen lagen, am 7.—10. eine solche von für den Sommer
bedeutender Tiefe, welche am 11. zwar abnahm, aber an ihrem Südrande ein
Theilminimum entwickelte, welches darauf das Hauptmimmum verschlungen zu
haben scheint; denn am Abend dieses Tages wiesen nicht nur die schottischen
Stationen auf ein beträchtliches Minimum nahe ihrer NW-Küste, sondern hatten
auch die Färöer NE-Wind bei fallendem Barometer. Ein zweites Theilminimum
bildete sieh am folgenden Tage über der Nordsee und schlug eine ähnlich hoch
nördlich gerichtete Bahn ein. Ein neues flaches Minimum entwickelte sich dann
am 14. in Oentraleuropa selbst. Durch diese Phänomene wurde das trockene
und heitere Wetter, welches in Deutschland und Umgebung vom 7. bis 10.
während des Vorüberganges des Hochdruckgebietes herrschte und am Morgen
des 11. mit sehr hoher Temperatur verbunden war, in dor normalen Reihen
folge, aber in ungewöhnlich langsamem Fortschreiten nach Südosten, durch
zahlreiche Gewitter und darauf folgendes kühles, trübes und regnerisches Wetter
verdrängt.
In den ersten Tagen des auf Karte VI dargestellten folgenden Zeit
abschnitts vom 17. bis 26. Juli dauerte die Bewegung barometrischer Minima
von der Nordsee nach NNE und NE fort, ohne jedoch in Deutschland Gewitter
hervorzurufon, welches vielmehr trockenes mäfsig warmes Wetter hatte. Nach
dem jedoch am 21. über Schottland ein Centrum hohen Druckes sich ausgebildet
hatte, entwickelte sich im Gebiete niederen Druckes über Westrussland ein
cyklonaler Wirbel, und unter dem gemeinsamen Ein Aufs dieser beiden wurde
Oentraleuropa von einer kühlen nördlichen Strömung überüuthet, die näher zur
Cyklone hin mit Regenfäilen, weiter von ihr ab mit heiterem Wetter verbunden
war. Am 23.—25. beschrieb das Minimum mit einem östlichen Theilminimum
die bekannte Doppelstern-Bewegung; am 27. verschwand es in dor starken
von Kleinasien heraufkommenden Depression.
Auf dem Ocean war dieser Zeitabschnitt charakterisirt durch das stationäre
Maximum bei den Azoren, das bewegliche Maximum nordwestlich davon, welches
durch eine schwache, von Cañada nach Spanien fortschreitende Depression davon
getrennt war, und endlich die gröftere, in einem Bogen von Labrador nach
Spitzbergen wandernde Depression.
Das von den Berrauden hergewanderte Hochdruckgebiet blieb während
des nun folgenden Zeitabschnitts vom 27. Juli bis 6. August mit geringen
Schwankungen im Westen von Schottland liegen. Nach SW stand es mit dem
Maximum der Rossbreiten in Verbindung, war jedoch meist noch etwas stärker
entwickelt als dieses, welches zudem an Ausdehnung nach Westen bedeutend
verloren hatte. In Russland herrschte dagegen andauernd niedriger Luftdruck,
zunächst bis zum 1. August in Gestalt einer für diese Gegend und Jahreszeit
ganz aufsergewohnlich tiefen Depression, die von Süden heraufkam, danach in
Gestalt mehrerer flacher Theilbildungen, in welche diese zerfiel. Ueber Central
europa dauerten unter diesen Umständen die nördlichen Winde natürlich fort,
unterstützt durch anhaltend niedrigen Druck am Mitteimeere; erst am 4.-5. Au
gust trat eine Unterbrechung ein in Gestalt einer von S heraufdriDgenden
Furche niedrigen Druckes im Rheingebiet, an deren Ostrande Gewitter, theil-
weise mit furchtbar verheerenden Hagelschlägen, stattfanden, über welche man
in der monatlichen Uebersicht der Seewarte nachlesen möge. Dadurch, dafs