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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Vierteljahrs-Wetter Rundschau der Deutschen Seewarte, Sommer 1885. 
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Die dieser Rundschau beigegebenen Karten zeigen uns nun deutlich im 
Sommer 1885 ein allmähliches Anschwellen dieses Hochdruckgebietes von seiner 
gröfsten Einschränkung im Anfänge des Juni (Karte 1) bis zur gröfsten Aus 
dehnung Anfangs Juli (Karte IV), worauf eine noch langsamere stetige Ab 
nahme seiner Ausdehnung bis zum Schlafs des August (Karte IX) folgt; im 
Einzelnen finden sieh dabei freilich sehr mannigfaltige Form- und Lagen 
änderungen. 
Karte V, welche den Zeitabschnitt vom 7. bis zum 16. Juli dar 
stellt, zeigt das Hochdruckgebiet noch in grofser Ausdehnung. Ein Ausläufer 
der grofsen Depression, welche die Hudsons-Strafse in diesen Tagen umkreiste, 
drang zwar tief in den Nordrand des hohen Druckes ein, allein schon am 10. 
finden wir hohon Druck auch an der Nordseite dieses Ausläufers, und vom 11. 
an steht das Barometer dort über 770 mm. Schwächere Anticyklonen gingen 
gleichzeitig über Nordamerika und Nordeuropa ostwärts, während bei Island 
anhaltend Depressionen lagen, am 7.—10. eine solche von für den Sommer 
bedeutender Tiefe, welche am 11. zwar abnahm, aber an ihrem Südrande ein 
Theilminimum entwickelte, welches darauf das Hauptmimmum verschlungen zu 
haben scheint; denn am Abend dieses Tages wiesen nicht nur die schottischen 
Stationen auf ein beträchtliches Minimum nahe ihrer NW-Küste, sondern hatten 
auch die Färöer NE-Wind bei fallendem Barometer. Ein zweites Theilminimum 
bildete sieh am folgenden Tage über der Nordsee und schlug eine ähnlich hoch 
nördlich gerichtete Bahn ein. Ein neues flaches Minimum entwickelte sich dann 
am 14. in Oentraleuropa selbst. Durch diese Phänomene wurde das trockene 
und heitere Wetter, welches in Deutschland und Umgebung vom 7. bis 10. 
während des Vorüberganges des Hochdruckgebietes herrschte und am Morgen 
des 11. mit sehr hoher Temperatur verbunden war, in dor normalen Reihen 
folge, aber in ungewöhnlich langsamem Fortschreiten nach Südosten, durch 
zahlreiche Gewitter und darauf folgendes kühles, trübes und regnerisches Wetter 
verdrängt. 
In den ersten Tagen des auf Karte VI dargestellten folgenden Zeit 
abschnitts vom 17. bis 26. Juli dauerte die Bewegung barometrischer Minima 
von der Nordsee nach NNE und NE fort, ohne jedoch in Deutschland Gewitter 
hervorzurufon, welches vielmehr trockenes mäfsig warmes Wetter hatte. Nach 
dem jedoch am 21. über Schottland ein Centrum hohen Druckes sich ausgebildet 
hatte, entwickelte sich im Gebiete niederen Druckes über Westrussland ein 
cyklonaler Wirbel, und unter dem gemeinsamen Ein Aufs dieser beiden wurde 
Oentraleuropa von einer kühlen nördlichen Strömung überüuthet, die näher zur 
Cyklone hin mit Regenfäilen, weiter von ihr ab mit heiterem Wetter verbunden 
war. Am 23.—25. beschrieb das Minimum mit einem östlichen Theilminimum 
die bekannte Doppelstern-Bewegung; am 27. verschwand es in dor starken 
von Kleinasien heraufkommenden Depression. 
Auf dem Ocean war dieser Zeitabschnitt charakterisirt durch das stationäre 
Maximum bei den Azoren, das bewegliche Maximum nordwestlich davon, welches 
durch eine schwache, von Cañada nach Spanien fortschreitende Depression davon 
getrennt war, und endlich die gröftere, in einem Bogen von Labrador nach 
Spitzbergen wandernde Depression. 
Das von den Berrauden hergewanderte Hochdruckgebiet blieb während 
des nun folgenden Zeitabschnitts vom 27. Juli bis 6. August mit geringen 
Schwankungen im Westen von Schottland liegen. Nach SW stand es mit dem 
Maximum der Rossbreiten in Verbindung, war jedoch meist noch etwas stärker 
entwickelt als dieses, welches zudem an Ausdehnung nach Westen bedeutend 
verloren hatte. In Russland herrschte dagegen andauernd niedriger Luftdruck, 
zunächst bis zum 1. August in Gestalt einer für diese Gegend und Jahreszeit 
ganz aufsergewohnlich tiefen Depression, die von Süden heraufkam, danach in 
Gestalt mehrerer flacher Theilbildungen, in welche diese zerfiel. Ueber Central 
europa dauerten unter diesen Umständen die nördlichen Winde natürlich fort, 
unterstützt durch anhaltend niedrigen Druck am Mitteimeere; erst am 4.-5. Au 
gust trat eine Unterbrechung ein in Gestalt einer von S heraufdriDgenden 
Furche niedrigen Druckes im Rheingebiet, an deren Ostrande Gewitter, theil- 
weise mit furchtbar verheerenden Hagelschlägen, stattfanden, über welche man 
in der monatlichen Uebersicht der Seewarte nachlesen möge. Dadurch, dafs
	        
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