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Vieitoljahi's-Wettei'-Riiüdaciiau der Deutschen Seewarte, Sommer 1885.
auf deren resp. Westseiten in Amerika wie in Europa eine starke Temperatur
steigerung, dort vom 9. zum 12. Juni um ca 10°, hier vom 11. zum 15. um
etwa 14° C. Die hinter der Anticyklone heranziehende schwache Cyklone,
deren südliche Winde diese Erwärmung bewirkten, hatte in beiden Fällen
geringe Lebensdauer; die amerikanische verschwand am 15. bei Neufundland,
die europäische am 17. in Russland. Ein so paralleler Witterungsgang auf
beiden Seiten des Oceans gehört zu den seltenen Ausnahmen.
Im dritten, vom 16. bis 26. Juni reichenden Zeitabschnitt dieses
Vierteljahrs war wieder, wie im ersten und wie so oft, die zwischen Island und
Schweden nordostwärts führende sogenannte Zugstrafse I von Depressionen
frequentirt, zugleich aber wanderten mehrfach schwächere Minima aus SW-
Europa theils über Deutschland, theils über Italien nach Osten. Das stationäre
Hochdruckgebiet der Rossbreiten auf dem Ocean war viel stärker entwickelt,
als im ersten, und weiter südwärts ausgedehnt, als im zweiten Zeitabschnitt.
Dasselbe gab einerseits durch Abschnürung ein kleineres bewegliches Gebiet
hohen Druckes nach Europa ah, andererseits empfing es ein solches als Zu
wachs von der amerikanischen Seite (vgl. Karte III); am 23. lagen die Centren
dieser beiden Gebiete etwa bei Chicago und Nürnberg, am 24. in Indiana und
Kurland. Die Abkühlung, welche diesen Druckmaxima vorherging, unterschied
sich in Deutschland dadurch von den beiden vorhergehenden in diesem Monat,
dafs sie mit häufigen Niederschlägen und auch Gewittern verbunden war, also
den Charakter der Juni-Kälterückfälle aufwies, während die Kälterückfälle des
Mai ja bekanntlich in der Regel trocken und heiter sind. Bei der darauf
folgenden Erwärmung traten Gewitter und Wolkenbrüche am 26. Juni und an
den folgenden Tagen in verschiedenen Gegenden Deutschlands auf, worüber
man in der „Monatlichen Uebersieht“ der Seewarte, S. 7—8, nachleseu möge.
Öeber die Davisstraise bewegten sich iu diesen Tagen zwei mäfsig tiefe
Depressionen. An der Ostseite der ersten derselben nahm der erste von den
oben erwähnten Wirbeln der Zugstr&fse I seinen Anfang; die folgenden ent
wickelten sich an den Rändern ihrer Vorgänger, auf verschiedenen Seiten
derselben.
Im folgenden, vom 27. Juni bis zum 6. Juli reichenden Zeit
abschnitt dehnte sieh das atlantische Hochdruckgebiet mächtig nach Norden
ans, ohne im Süden an Ausdehnung zu verlieren, so dafs es nunmehr einen
sehr grofsen Raum einnahm und in seinem Centrum den für den Ocean ganz
ungewöhnlichen Barometerstand über 780 nun am 30. Juni erreichte. Am
3. Juli wurde dieses Hochdruckgebiet durch eine von Westen darauf ein
dringende, an sich unbedeutende Depression tief eingeschuürt, worauf sein
südwestliches Ende mehr Selbstständigkeit gewann und eine rückläufige Be
wegung nach NW antrat, lieber den angrenzenden Festländern bewegten sich
in diesen Tagen drei minder entwickelte Maxima siidostwärte, eines vom
Grofsen Sklavensee, zwei von Petersburg aus.
Die Niederdruekgebiete im Gebiete der Karte waren in diesem Zeitraum
nur schwach ausgebildet und bewegten sich in umegelmäfsig geschlungenen
Bahnen. Nur vorübergehend erhielt am 1, eines auf der Dänemark-Strafso und
am 2. eines in SW-Sibirien bedeutende Intensität.
Wie bekannt, und wie auch aus den Karten dieser Rundschau zur Genüge
hervorgeht, findet sich auf dem Ocean in der Nähe der Azoren, in den so
genannten „Rossbreiten“, fast stets ein Gebiet hohen Luftdrucks, welches den
Passat im Süden von den vorwiegend westlichen Winden im Norden scheidet.
Dieser hohe Luftdruck wird bald durch eine ruhende oder nur unregelmäisig
pendelnde Anticyklone, bald durch eine Reihenfolge von aus Westen (NW oder
SW) heranziehenden Anticyklonen unterhalten, die oft unter einander oder mit
einer vorhergehenden stationären hier verschmelzen. Dann wieder wird er an
seiner Nordgrenze durch andrängende kräftige Oyklonen stark eingeschränkt
und südwärts gedrängt, oder er schrumpft auch ohne solche in eigentümlicher
Weise ein, um sich zu anderen Zeiten wiederum weit über seine gewöhnlichen
Grenzen, namentlich nach Norden hin, auszndehnen. Die wandelbare Ausbildung
dieses. Hochdruckgebietes hat jedenfalls sehr grofsen Einflufs auf die Witterung
von Europa, und das Studium dieser Aenderungen ist daher von grofser, auch
direkt praktischer Wichtigkeit für uns.