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Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Vierteljahrs-Wetter-Kimdschaa  der  Deutschen  Seewarte,  Sommer  1885.

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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau  der  Deutschen  Seewarte
an  der  Hand  der  täglichen  synoptischen  Wetterkarten  für  den
Nordatlantischen  Ocean.
Sommer  1885.
Hierzu  Tafel  5  bis  9.
I.  Allgemeine  Untersuchungen  über  die  Wetterlage
auf  dem  NordaÜantischen  Ocean.
Die  dieser  Rundschau  beiliegenden  Karten,  welche  einen  Auszug  aus  den
täglichen,  vom  Dänischen  meteorologischen  Institut  und  der  Deutschen  Seewarte ­
  herausgegebenen  Wetterkarten  darstellen,  sind  nach  ganz  denselben
Grundsätzen  entworfen,  wie  die  bereits  erschienenen  49  Karten,  so  dafs  zu
deren  Yerständnifs  auf  das  in  den  früheren  Quartalen  der  Rundschau  Gesagte
verwiesen  werden  kann.  Eine  Erklärung  der  angewandten  Zeichen  findet  man
auf  jeder  Karte.  Möglichste  Klarheit  und  Einfachheit  wurden  durchweg  angestrebt. ­

Während  der  ersten  Woche  des  Vierteljahres  war  das  Maximum  der
Rossbreiten,  das  seit  Mitte  Mai  immer  südlicher  sich  verschoben  hatte,  auf
einen  schmalen  Streifen  längs  des  25.  Parallele  reducirt.  Diesem  stand  gegenüber ­
  ein  schwaches  stationäres  Hochdruckgebiet  über  Grönland  und  ein  besser
ausgeprägtes,  von  West  nach  Ost  wanderndes  über  Europa.  Die  Witterung  in
Deutschland  wurde  durch  dieses  letztere  Phänomen  beherrscht  und  erlitt  durch
seine  Fortbewegung  einen  durchgreifenden  Umschwung  im  Laufe  des  3.  Juni;
denn  das  trübe  kühle  Wetter  in  der  lebhaften  nordwestlichen  Strömung  auf
seiner  Vorderseite  wurde,  von  West  nach  Ost  fortschreitend,  au  diesem  Tage
durch  das  heitere  sehr  warme  Wetter  im  Gebiete  der  schwachen  südlichen
Strömung  auf  seiner  Rückseite  ersetzt.  Am  Sehlufs  des  Zeitabschnittes  begannen
darauf  die  Gewitter,  welche  an  den  ersten  Tagen  des  folgenden  besonders
schwer  im  Oldenburgischen  auflraten  (vgl.  Mob.  Uebers.,  S.  3—4).  In  dem
weiten  Gebiete  niedrigen  Luftdrucks  auf  dem  Ocean  nördlich  von  40°  N-Br
schritten  in  dieser  Zeit,  unter  mehr  oder  weniger  starken  Umbildungen,  mehrere
cyklonalo  Wirbel  aus  der  Gegend  von  Neufundland  theils  nach  Finnmarken,
theils  nach  dem  Kanal  fort.
Als  eine  von  den  letzterwähnten  Depressionen  am  8.  den  Kanal  erreicht
hatte,  trat  im  Rücken  derselben  längs  dem  Meridian  von  20°  West  v.  Gr.  eine
beträchtliche  Di  uckzunähme  ein.  Gleichzeitig  erschien  westlich  vom  Oberen
See  ein  neues  Hochdruckgebiet,  welches  ostwärts  wanderte  und  bald  mit  demjenigen ­
  westlich  der  Azoren  verschmolz.  So  war  denn  der  Zeitabschnitt
vom  8.  —15.  Juni  durch  eine  bedeutend  gröfsere  Ausdehnung  des  hohen
Druckes  vor  dem  vorhergehenden  ausgezeichnet.  In  demselben  Verhältnifs,  wie
dieses  amerikanische  Hochdruckgebiet  zu  der  tiefen  Depression  stand,  welche
in  diesen  Tagen  von  Neu-Braimschweig  nach  der  Bären-Insel  wandorte,  stand
auch  das  südöstlich  von  den  Azoren  entstandene  Maximum  zu  der  eben  erwähnten ­
  Depression  in  Europa,  die  unter  starker  Intensitätszunahme  an  den
folgenden  Tagen  nach  Finnland  fortsehritt  und  darauf  sieh  nach  Sibirien  entfernte. ­
  Diese  beiden  Paare  von  Phänomenen  beherrschen  die  Wetterlage  in
diesem  Zeitabschnitt  und  zeigen  grofse  Analogie,  mit  Ausnahme  des  Umstandes,
dafs  die  amerikanische  Depression  eine  Art  von  Verschmelzung  mit  einer  älteren
Depression  nordöstlich  von  Neufundland  einging.  In  beiden  Fällen  fand  die
weitere  Fortpflanzung  der  Depression  etwa  nach  NE,  jene  des  Maximums  nach
ESE  statt,  so  dafs  letzteres  zuerst  im  W,  später  im  SW  bis  S  von  ersterem
gelegen  war  —  ein  Vorgang,  der  das  gewöhnliche  Verhalten  dieser  Gebilde,
besonders  in  Nordamerika,  in  geringerem  Grade  auch  in  Europa,  darstellt.
Auf  ihrer  Vorderseite  waren  beide  Hochdruckgebiete  von  intensiven  Kälterückfällen ­
  begleitet,  welche  einerseits  am  8.  und  9.  bis  Nebraska,  Iowa,  Illinois,
Indiana,  Ohio  herab,  andererseits  am  10.  und  11.  in  verschiedenen  Gegenden
Deutschlands  (z.  B.  bei  Bremen)  Nachtfrost  resp.  Reif  brachten.  Nach  dem
Vorübergange  der  Maxima  folgte  wiederum  im  Gebiete  der  südlichen  Winde
            
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