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Die Ke- (Kei-) Inseln.
Dio Inseln sind in verschiedene Distrikte eingetheilt, an deren Spitze
je ein Rajak steht; solcher Rajahs befinden sich auf Grofs-Ke sowie auf Klein-Ke
mit den anliegenden Inseln je 9. In den Hauptortschaften seines Distrikts hat
der Rajäh bestimmte Unterbeamte, wie Orang Kaia, Major, Capitan, Orang Tua,
Maringo, welche in dieser Reihenfolge im Range aufeinander folgen.
Die Gröfse der Bevölkerung beläuft sich nach der letzten Schätzung im
Jahre 1881 auf 19 456 Köpfe. Ein Drittel der Bewohner sind Muhamedaner,
die von Jahr zu Jahr unter dem Einflufs der Araber und Eingeborenen, welche
als Hadjis von Mekka zurüokkehren, sehr zunehmen. Die Muhamedaner der
Äe-Inaeln sind nicht alle Eingeborene, sondern zum gröfsten Theil Abkömmlinge
von Flüchtlingen aus Ceram, Banda und Amboina.
Beiträge zur Küstenbeschreibung der Inseln Buka und Bougainville.
Salomons-Archipel.
Der c. Landeshauptmann von Kaiser Wilhelms-Land und dem Bismarck-
Archipel, Geheimrath Kraetke, hat im November v. J. eine Rekognosciiungs-
fahrt nach den, dem deutschen Schutzgebiete angehörenden Inseln des Salomons-
Archipels unternommen; einem über diese Fährt in den „Nachrichten über
Kaiser Wilhelms-Land und den Bismarck-Archipel“, Heft I, 1889, veröffent
lichten Berichte desselben entnehmen wir die folgenden, die Schiffahrt an jenen
Küsten zumeist interessirenden Mittheilüngen.
Die Expedition traf mit den Schiffen „ Ysabel“ und „Ваша“ am 10. No
vember in dem an der Südwestseite der Insel Вика gelegenen Caro/a-Hafen')
ein. Der Hafen 2 ) ist eine grofse Bucht, welche durch zahlreiche, mittels
eines breiten Riffes verbundene Inseln gegen Seegang geschützt ist. Aufser
einigen kleinen Riffen bietet er keine Gefahr; insbesondere ist die Einfahrt gut.
Die Lage des Hafens und der Inseln entspricht der britischen Karte No. 209
(XII: 124, Tafel 8 dieser Annalen 1883). Die meisten der zum Theil recht
grofsen Inseln sind bewohnt und recht stark bevölkert; dieselben tragen einen
sehr reichlichen Bestand an Kokosnufsbäumen, während das Festland von einem
dichten Mangrovegürtel eingeschlossen ist und weder Kokosnufsbäume noch
Ansiedelungen zeigt.
Von den Inseln wurden Betau (North-I.) und Povorann (Middle-1.) be
sucht. Die erstere ist nicht sehr grofs, aber reich bevölkert. Die Bewohner
sind kräftige Menschen; sie besitzen einen reichlichen Bestand von Kokosnüssen
und Bananen, sowie viele Schweine; ihre Kanoes haben keine Auslieger. Die
Hütten bestehen aus Bambus und Matten, haben eine lange rechteckige Form
mit gewölbtem Dach, stehen unmittelbar auf dem Erdboden und sind durch
eine schmale, vom Dach überdeckte Oeffnung zugänglich.
Die Insel Povorann (MiddU-I.) ist von kleinen Riffen umgeben und bietet
nur wenige Landungsstellen.
Auf dem Festlande befand sich, ungefähr ‘/г Stunde von der Küste, ein
Dorf, Biruat genannt, mit Bananeu-Plantagon, dessen Bewohner, ebenfalls ein
kräftiger Menschenschlag, sich freundlich und zutraulich zeigten.
Die Fahrt wurde in südlicher Richtung innerhalb des die G«rofa-Bucht
nbsohliefsenden und sieh längs der ganzen Küste von Вика hinziehenden Riffes
fortgesetzt. Nach Zurücklegung von ungefähr 14 Sm wurde der Eingang einer
grofsen Lagune passirt, der gegenüber zwei kleine Inseln lägen.
Ungefähr В Sm südlicher, in ca 5° 27' S-Br und 154° 84' O-Lg, liegt
die Einfahrt der Strafse, welche Вика und Bougainville trennt (in der britischen
О „Pacific Islands“ Voi. I, 1885, S. 93
S) Yergl, diese Annalen 1883, S. 284 und 514.