206 Häfen und Handelsverhältnissc des Persischen Golfs und des Golfs von Oman.
dem Joeh grausamer und wilder Feinde, zugeführt werden, wenn nicht die Aus
sicht auf Gewinn die Sieger bestimmte, sie zu verschonen. Die zweite Kategorie,
die aus dem Kaub hervorgeht, ist diejenige, welche am meisten zu Verbrechen
Veranlassung giebt und der man Hülfe bringen sollte, aber so, dafs man da
eiogreift, wo die Verbrechen geschehen, wie dies von den Engländern im Sudan
versucht worden ist. Die Dritte angehend, giebt es überall in der Welt un
natürliche Eltern, und diejenigen, welche in den sogenannten civilisirten Ländern
ihre Kinder der Schande übermachen, verdammen dieselben zu einer gröfseren
Entehrung und zu einem unglücklicheren Schicksale, als diese hier, welche sie
den Mohammedanern verkaufen.
Unter den Mohammedanern sind es nur die reichen oder doch wohl
habenden Leute, welche Bich Sklaven anschaffen können. Die theuersten Sklaven
sind die weifsen, die von Konstantinopel kommen; von diesen werden die Mädchen
geheiratbet und zu Favoritinnen gemacht, während die Knaben Vertrauens
stellungen und selbst die höchsten Aemter erlangen. Die Abyssinier, Männer
wie Frauen, haben, wenn sie auch nicht ganz so hoch steigen, nahezu dasselbe
Loos. Die eigentlichen Negersklaven gehören zwei verschiedenen Volksstämmen
an, den Nubiern und den Bambassis, welch letztere in der Gegend Afrikas
zwischen dem Nyanza- See uud der Mozambique - Küste wohnen. Die Nubier
haben eine schokoladenbraune Hautfarbe; sie sind grofs, kräftig, rnuthig, in
telligent und berühmt wegen ihrer Treue. Man erzählt von ihnen viele Bei
spiele grofser Ergebenheit gegen ihren Herrn und dessen Familie. Die Bam
bassis, welche häufiger hierher gebracht werden und bei Weitem weniger hoch
im Preise stehen als die Nubier, haben eine mehr schwarze Hautfarbe, ab
geplattete Nase und fleischige Lippen. Es fehlen ihnen meistens höhere Geistes
fähigkeiten, sie lieben die lärmenden Vergnügungen und scheinen von der Natur
dazu bestimmt zu sein, in der Abhängigkeit von Anderen zu leben.
Ich bin oft Zeuge gewesen, dafs Sklaven die ihnen von ihren Herren
angebotene Freiheit zurück wiesen und unter Thränen baten, sie zu behalten.
Der grofsen Hungersnot!) von 1870—1872, bei welcher in Persien nahe an zwei
Millionen Mensehen umkamen, habe ich keinen einzigen Sklaven unterliegen
sehen. Mehrere Male habe ich Schwarze nach Afrika zurück zu schicken gehabt,
und alle, an die ich die Frage gerichtet habe, haben mir geantwortet: Da hinten
lebten wir wie die Thiere; hier sind wir Menschen geworden, nnd wir wollen
hier bleiben.
Da die Religion der orientalischen Länder das Sklavenhalten nicht nur
nicht verbietet, sondern selbst gutheifst, wird es nie gelingen, ihre Anhänger zu
überzeugen, dafs ein solcher Zustand verdammenswerth ist. Im Ge gentheil, das
Verbot und die Behinderung erseheinen ihnen als ein Eingriff in ihre Rechte
und erbittern sie; dies um so mehr, als sie aufser durch das Verlangen nach
Gewinn auch noch durch Bekehrungssucht zum Sklavenhandel angereizt werden. 1 )
Das Grausamste beim Sklavenhandel ist die Jagd, die man auf die
Sklavenfahrer anstellt. Der Beweggrund mag lobenswerth sein, aber die Weise,
wie man vorgeht, läfst viel zu wünschen übrig; der hier entwickelte Eifer führt
Folgen herbei, denen die unglücklichen Gefangenen zum Opfer fallen. Aus
Furcht, auf frischer Tbat ertappt zu werden, ergreifen die Sklavenhändler ver
schiedene Mafsregeln, die sie für ihre Sicherheit als nothwendig erachten, die
aber für ihre Gefangenen sehr grausam sind. Lotztero werden, an Ketten
gefesselt, im untersten Schiffsraum unter der Ladung versteckt, wo sie nicht
selten infolge Luftmangels ersticken. Wird der Sklavenhändler von einem Kriegs
schiffe gejagt, so treibt ihn die Flucht oft an eine öde Küste, wobei stets
mehrere den Mühseligkeiten, dem Hunger, dem Durst und dem glühenden Son
nenbrand erliegen; glaubt er das Land nicht mehr erreichen zu können, so
werden selbst die angeketteten Sklaven über Bord geworfen, damit, wenn die
Visite vom Kriegsschiffe kommt, keine Beweise mehr vorgefunden werden.
b Die moliammedauisetie Religion übt auf die Neger eine eigettthümliöhe Anziehungskraft
ans. .Ich weife mich keine« Falles zu erinnern, dafs ein Neger, der einem Armenier gehörte, Christ
geworden wäre; dagegen kommt es in Bagdad, Basrah und anderen Orten, wo die Christen ihre
Negersklaven taufen lassen, sehr oft vor, dafs letztere ihnen entlaufen und zum Islam übertreten.
Aus einem Kloster in Bagdad entfloh vor einiger Zeit eine Negerin, bekannt wegen ihrer Frömmig
keit, ebenfalls, um sich dem Islam in die Arme zu werfen.