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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Häfen und Haodelsverhältmsse des Persischen Golfs und des Golfs von Oman. 203 
Zur Vervollständigung dieses Berichts über die vorhandenen Hausthiere 
mufs ich noch erwähnen, dafs ich auf meiner letzten Reise nach Maskat be 
merkte, dafs die Landestelle und die Strafscn dieser Stadt viel reiner waren 
als sonst. Die Ursache zeigte sich am nächsten Morgen. Als ich zu früher 
Stunde aufstand, sah ich zu meinem Erstaunen Trupps Schweine, welche gierig 
darüber aus waren, allen Unrath zu verschlingen, und bei der Reinigung des 
Meeresufers und der Strafsen ebenso planmäfsig und gründlich vergingen wie 
eine Schaar Strafsenlcehrer. Ich war natürlich überrascht, diese unreinen 
Thiere in einer durch und durch moslemitisehen Stadt, der Residenz eines 
Nachkommen des Propheten, vorzufinden, und suchte nach einer Erklärung, die 
mir folgendermafsen gegeben wurde. 
Obsehon die Mohammedaner die Schweine verabscheuen, besteht doch 
in ganz Arabien und Persien der Glaube, dafs der Athem derselben den Pferden 
zuträglich sei; wahrscheinlich, weil sie die Pferdeställe reinigen, was von den 
Orientalen vernachlässigt wird. Seine Hoheit der Sultan, der von zwei geist 
lichen Personen, die sieh als Parasiten bei allen Grofsen einnisten, und die 
letztere, ohschon sie ihnen durch ihre Ansprüche beschwerlich werden, doch 
aus Furcht vor der öffentlichen Meinung nicht wegzuschicken wagen, schon 
längere Zeit belästigt worden war, benutzte jenen Volksglauben und zugleich 
die Anwesenheit eines italienischen Schiffes im Hafen, um sieh von dessen Ka 
pitän zwei kleine Schweine zu erbitten, die er im grofsen Hofe des Schlosses 
aussetzen liefs. Die Mollahs, empört darüber, gingen natürlich von dannen, än 
dern sie erklärten, dafs sie die Gegenwart solcher Gäste nicht ertragen könnten, 
Die Thiere vermehrten sich unter der hohen Protektion sehr rasch, so dafs 
ihrer gegenwärtig mehr als dreihundert vorhanden sind, die in dem nütz 
lichsten Amte der Stadtverwaltung, der öffentlichen Gesundheitspflege, vortreff 
liche Dienste leisten. 
Was die wilden Thiere an betrifft, so kommen grofse Fleischfresser in 
Oman nicht vor. Was man an kleineren findet, sind Wölfe, Hyänen, Leopar 
den, wilde Katzen und Füchse; ferner trifft man liier Gazellen, Steinböcke, 
Steppenkühe, Hasen, Murmelthiere, Dattelratten (eine Art Ichneumon), Igel und 
andere. Die Vogelwelt ist vertreten durch den Bartgeier, den Königsfalken 
(Falco peregrinator), welchen die Perser Ohahin farsi nennen, den Thurmfalken 
(Tinnänculus alaudarius), der während des Winters in greiser Anzahl aus Per 
sien hierherwandert, den Gänsegeier (Gyps fulvescens), den Aasgeier (Pere- 
nopterus stercorarius), viele Möveu, Reiher, Seeschwalbon (Sternae), Cormorane, 
Brachvögel, Elstern, Krähen, Eisvögel, Nachtigallen und Sperlinge. An Rep 
tilien giebt es zwei Arten Nattern. 
Bezüglich der Industrie im Lande ist zunächst zu bemerken, dafs Berg 
bau in Oman zur Zeit nicht mehr betrieben wird. Einige Kupfergruben, die 
sich in der Nähe von Semed befinden, sind schon seit langer Zeit verlassen, und 
eine Silbergrube ist erschöpft. Auch auf der Insel Musireh, wo man früher 
Kupfer und Blei gewann, hat der Betrieb aufgehört. Die Berge in der Umge 
bung Maskats enthalten viel Eisenerz, doch äst dasselbe nicht reich genug, um 
die Ausbeutung zu löhnen. Die übrige Gewerbthätigkeit ist ebenfalls nicht be 
deutend, und befindet sieb, soweit vorhanden, fast ausschliefslich in den Händen 
der Fremden. Die Nachkommen der persischen Eroberer weben aus verschie 
denfarbiger Seide und Leinwand Turbans (Schale) und Sarongs, die nach 
allen Plätzen des Persischen Golfs, Yemen und Zanzibar verschickt werden, 
sowie einen im Lande vielgebrauchten, unter dem Persischen Namen Hudreng 
bekannten naturfarbigen Baumwollenstoff. Sehmuckgegenstände aus edlen Me 
tallen und Steine», die in Maskat wie im ganzen Orient sehr beliebt sind, weil 
ihr Ankauf eine sichere Anlage ersparter Gelder bedeutet, werden im Innern 
des Landes von Arabern gemacht; doch ist deren Kunst nur roh und reicht 
bei Weitem nicht an die der Arbeiter aus Sindh und Kutsch, welche sich in 
Maskat niedergelassen haben. In Nahl stellt man aus einem bläulichen Thon 
poröse Gefäfse her, weiche das Trinkwasser kühl halten. Reiche Leute beziehen 
derartige Sachen indessen aus den berühmten Töpfereien in Bagdad. 
Ein anderer Zweig der heimischen Industrie ist die Herstellung von 
trocknen Datteln (Bissir), die in grofsen Mengen nach Indien ausgeführt werden, 
wo deren Genufs für gewisse Feierlichkeiten der Hindus, welche sie Harek 
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