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Häfen und HandelsverhäUnisse des Persischen Golfs und des Golfs von Oman.
Arzt ist es gelungen, in seinem Garten auch andere europäische Gemüse zu
raschem Wachsthum zu bringen.
Da man sich auf den Rogen, der nur selten nnd in ungenügenden Mengen
fällt, nicht verlassen kann, tnufs man beim Landbau seine Zuflucht zur künst
lichen Bewässerung nehmen. In Badineh und an anderen Orten gräbt man zu
diesem Zwecke Brunnen, aus welchen das Wasser vermittelst einer von einem
Ochsen in Bewegung gesetzten Sehöpfvomchtung in ein kleines Becken über-
geführt und daun weiter in die Bewässerungsrinnen geleitet wird; in derselben
Weise, die in der ganzen Umgebung des Persischen Golfs und in der Gegend
von Bagdad zur Anwendung kommt. Stellenweise findet man auch die werth-
vollen unterirdischen Wasserleitungen, die unter dem Namen Kanats auf der
Hochebene von Iran so verbreitet und von so grofsem Nutzen sind und die
in Oman auch durch die Perser, als diese das Land innehatten, eingeführt
wurden. Hier nennt man sie Felidjes. Wo am Pufse eines Berges eine Quelle
oder eine Wasserader entdeckt wird, gräbt man in gewisser Tiefe, die der
Bodengestaltung angepafst wird, einen engen Kanal, der bedeckt, aber von
Strecke zu Strecke mit einem za Tage liegenden Brunnen versehen wird. Die
Kanäle führen das Wasser nach den niedrigeren, zum Anbau bestimmten Lände
reien. Die Felidjes sind Eigenthum des Fürsten oder einer reichen Persön
lichkeit, mitunter auch einer Gesellschaft.
Da es an Weidegrund fehlt, ist der Viehstand in Oman nicht zahlreich.
Die vorhandenen Rinder gehören der mit Höcker versehenen Indischen Rasse
(Bos indicus) an. Sie dienen nur dazu, den Pflug und das Wasser aus den
Brunnen zu ziehen. Die Kühe werden von den Hindus sehr gepflegt und in
der Nähe ihrer Wohnungen gefüttert. Das Fleisch wird von den Arabern nicht
gern gegessen und selbst für ungesund gehalten. Schafe sind selten; ihr Fleisch
ist gut von Geschmack, bleibt aber infolge des Mangels an Grünfutter mager.
Einen vortheilbal'ten Ersatz bieten die Ziegen, die überall hinklettern und das
geringste Kräuterbüschel nicht verschmähen. Das saftige Fleisch derselben
wird auch von Europäern genossen, obschon es denjenigen, die nicht daran
gewöhnt sind, etwas widersteht. In der Nähe von Karijat und im Bezirk von
El Charkijeh giebt es indessen einige Weideländereien, wo Schafe, die auch in
Indien stets einen guten Markt finden würden, leicht gehalten werden könnten,
doch ist Mer bei den im Innern des Landes herrschenden gesetzlosen Zustän
den die Sicherheit des Besitzes zu sehr gefährdet.
Die Beduinenstämme an der Grenze züchten im Grofsen Kameele,
deren Verkauf ihre Haupteinnahmequelle bildet. Die Dromedare oder Renn-
kameele von Oman, Hedjins oder Zeluls genannt, sind die besten Arabiens,
und kostet ein schönes Thier 300 bis 400 Gulden. Man tödtet diese Wieder
käuer, wenn sic ein Bein brechen oder unlenksam werden, oder auch bei fest
lichen Gelegenheiten nnd schlachtet sie aus, da das Fleisch von den Arabern
sehr gern gegessen wird.
Die Pferde von Oman genossen einer Zeit eines grofsen Rufes und
wurden viel nach Bombay verkauft, wo besonders die von ungefähr 1,40 m
Gröfse hohe Preise erzielten, denn da i» Indien die Aufzucht von Pferden
nicht gelingt, mnfs nach diesem Lande jährlich eine grofse Anzahl aus der Um
gegend eingeführt werden. Die Kämpfe im Lande und die Raubzüge der Be
duinen haben jedoch diese Quelle des Wohlstandes zerstört, und sind gegen
wärtig in ganz Oman, oiuschliefslich der Pferde des Sultans, im Ganzen nur
noch ungefähr vierhundert vorhanden. Ein schönes Pferd aus einer der be
rühmten Rassen Saklavi Djedran, Koheileh ul Adjuz, Mehennek, Obejeh Scherrah,
Schueiman oder Hamdani Semri ist für den Araber ein hochgeschätztes und
auch einträgliches Besitzthum.
Die gleichfalls berühmten Esel von Oman sind gewöhnlich von aschgrauer
Farbe, mit schwarzem Kreuz auf dem Widerrist. Sie zeichnen sich vor denen
anderer Länder durch zierlichere Formen, leichteren Lauf und einen sehr
sicheren Gang aus; letzteres ist in einem gebirgigen Lande wie dieses, wo die
Steige sehr abschüssig sind, eine nicht hoch genug zu schätzende Eigenschaft.
Auf den Markt von Mattrah werden Esel an jedem Morgen zum Verkauf ge
bracht; die besten werden jedoch für den Persischen Golf und die Insel Mau
ritius Vorbehalten, wo sie sehr gesucht sind.