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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Häfen und Hamlelsverhältaisse des Persischen Golfs und des Golfs von Oman. 
Das Reich Oman hat an auswärtigen Besitzungen zur Zeit noch Gwadur 
an der Küste von Beludschistan, An der Küste von Arabien erstreckt es sich 
angeblich von Ras Mussenäom, in 26° 24' N-Br und 56° 32' O-Lg, bis Ras 
Resut in der Nähe von Dhofar, in 15° 57' N-Br und 54° O-Lg; da jedoch 
der Sultan seine Einkünfte nur so weit bezieht, als er sie mit Gewalt erzwingen 
kann, so ist im fiskalischen Sinne sein Gebiet nicht weiter als von Ras Müssen- 
dom bis Ras el Hedd, in 22° 33' N-Br und 59 0 48' O-Lg, zu rechnen und be 
schränkt sich auch auf das nahe der Küste gelegene Land. 
Die Einkünfte haben infolge des Verlustes von Zanzibar, der inneren 
Unruhen, der Schwäche der Regierung und der mangelhaften Verwaltung sehr 
abgenommen. Sie belaufen sich zur Zeit nur noch auf 450 000 Gulden, von 
denen 275 000 aus den Zöllen, 100 000 aus den durch England vermittelten 
Subsidien Zanzibar’s, 50 000 ans den Krondomäuen und 25 0000 Gulden aus 
verschiedenen anderen Quellen herrühren. Die Haupteinnahmequelle hat seit 
einiger Zeit auch noch sehr darunter gelitten, dafs man begonnen hat, Waaren 
vermittelst einheimischer Fahrzeuge, mit Vermeidung der Hauptstadt, direkt 
über die kleinen Häfen und Buchten der Küste einzuführen und so die Bezah 
lung des Eingangszolls zu umgehen. Letzterer beträgt 5 Procent vom Werth 
der eingeführten Güter. Waaren, die wieder ausgeführt werden, und Produkte 
des eigenen Landes sind frei vom Zoll. 
Das Haupterzeugnifs des Landes sind Datteln; sie bilden nicht nur die 
Hauptnahrung der Eingeborenen, sondern auch deu hervorragendsten Ausfuhr 
artikel. Die Dattelpalme, von den Arabern und Persern Nakl genannt (Phönix 
dactyliferä) ist der gröfste Reicbthum der Bewohner dieser Gegenden. Der 
Baum erreicht im Mittel eine Höhe von 10 bis 12 und in einzelnen Fällen von 
20 m. Sein schlanker Stamm ist von unten bis oben von gleicher Dicke und 
nackt. Die sehr harte Rinde wird durch die Stumpfe der alten Blätter gebildet, 
welch letztere man jedes Jahr, sobald sie welk werden, abschneidet, was der 
Rinde ein höckeriges Ansehen giebt. Das Innere des Stammes besteht aus 
Faserbündeln, die nahe der Rinde sich zusammeudrängen und hier einen festeren 
Ring von dunkelbrauner Farbe bilden. Die Blätter sind gefiedert und steif, 
die Fiederblättehen von linear-lanzeitlicher Form. Die Blüthenstiele spriefsen 
rund um den Wipfel der Palme aus den Achseln der neuen Blätter hervor, 
nicht aus denen der alten, wie man gewöhnlich in Europa glaubt. 
Da bei der Dattelpalme männliche und weibliche Blüthen auf verschie 
denen Bäumen wachsen, ist es nothwendäg oder doch von Nutzen, die weiblichen 
Blüthen künstlich zu befruchten, was in der Weise geschieht, dafs inan die 
Wipfelblätter des weiblichen Baumes in einem Büschel vereinigt und inmitten 
derselben eine bis vier Blüthenscheiden der männlichen Pflanze anbringt. Die 
Scheiden umwindet man mit einem Band, welches bei der Entwickelung der 
Blüthe zerreifst. Die Blüthen eines männlichen Baumes genügen, um die von 
10 bis 20 weiblichen zu befruchten. Die Araber, welche über die Fortpflanzung 
überhaupt eigenthümliche Ideeeu haben, legen dem Besitz eines Baumes, der 
sich den Ruf grofser Befruchtungsfähigkeit erworben, einen grofsen Werth bei. 
Man zieht die Pflanzen entweder aus den Wurzelsehöfslingen, die nach 
dem achten Jahre am Fufse älterer Palmen entstehen, oder, wenn man neue 
Spielarten erzielen will, aus Kernen. Die Aussaat der letzteren ist gewöhnlich 
dem Zufall überlassen. Die Scliöfslinge erhalten sich, nachdem sic von der 
Mutterpflanze abgetrennt sind, ungefähr drei Monate triebfähig, und könnte man 
dieserhalb in denjenigen unserer Kolonien, deren Klima trocken genug ist, um 
das Reifen der Frucht zu ermöglichen, die Dattelpalme wohl einführen; ein 
Versuch, der seitens der Indobritischen Regierung in der Provinz Meissor schon 
mit Erfolg gemacht worden ist. 
Während der ersten Jahre müssen die jungen Pflanzen sorgfältig gepflegt 
und oft begossen werden, und letzteres mufs an Stellen, wo das Grundwasser 
der Bodenoberfläche nicht nahe genug ist, um von den Wurzeln erreicht werden 
zu können, auch später noch fortgesetzt werden. Die Schöfslinge werden stets 
Bäume desselben Geschlechts und derselben Spielart wie die Mutterpflanze. 
Die Dattelpalme treibt überall, wo sie steht, Wildlinge, die mau oft wachsen 
läfst; doch befinden sich darunter viele unnütze männliche Pflanzen, welche 
entfernt worden müssen, damit die weiblichen mehr Raum zur Entwickelung
	        
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