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Häfen und Hamlelsverhältaisse des Persischen Golfs und des Golfs von Oman.
Das Reich Oman hat an auswärtigen Besitzungen zur Zeit noch Gwadur
an der Küste von Beludschistan, An der Küste von Arabien erstreckt es sich
angeblich von Ras Mussenäom, in 26° 24' N-Br und 56° 32' O-Lg, bis Ras
Resut in der Nähe von Dhofar, in 15° 57' N-Br und 54° O-Lg; da jedoch
der Sultan seine Einkünfte nur so weit bezieht, als er sie mit Gewalt erzwingen
kann, so ist im fiskalischen Sinne sein Gebiet nicht weiter als von Ras Müssen-
dom bis Ras el Hedd, in 22° 33' N-Br und 59 0 48' O-Lg, zu rechnen und be
schränkt sich auch auf das nahe der Küste gelegene Land.
Die Einkünfte haben infolge des Verlustes von Zanzibar, der inneren
Unruhen, der Schwäche der Regierung und der mangelhaften Verwaltung sehr
abgenommen. Sie belaufen sich zur Zeit nur noch auf 450 000 Gulden, von
denen 275 000 aus den Zöllen, 100 000 aus den durch England vermittelten
Subsidien Zanzibar’s, 50 000 ans den Krondomäuen und 25 0000 Gulden aus
verschiedenen anderen Quellen herrühren. Die Haupteinnahmequelle hat seit
einiger Zeit auch noch sehr darunter gelitten, dafs man begonnen hat, Waaren
vermittelst einheimischer Fahrzeuge, mit Vermeidung der Hauptstadt, direkt
über die kleinen Häfen und Buchten der Küste einzuführen und so die Bezah
lung des Eingangszolls zu umgehen. Letzterer beträgt 5 Procent vom Werth
der eingeführten Güter. Waaren, die wieder ausgeführt werden, und Produkte
des eigenen Landes sind frei vom Zoll.
Das Haupterzeugnifs des Landes sind Datteln; sie bilden nicht nur die
Hauptnahrung der Eingeborenen, sondern auch deu hervorragendsten Ausfuhr
artikel. Die Dattelpalme, von den Arabern und Persern Nakl genannt (Phönix
dactyliferä) ist der gröfste Reicbthum der Bewohner dieser Gegenden. Der
Baum erreicht im Mittel eine Höhe von 10 bis 12 und in einzelnen Fällen von
20 m. Sein schlanker Stamm ist von unten bis oben von gleicher Dicke und
nackt. Die sehr harte Rinde wird durch die Stumpfe der alten Blätter gebildet,
welch letztere man jedes Jahr, sobald sie welk werden, abschneidet, was der
Rinde ein höckeriges Ansehen giebt. Das Innere des Stammes besteht aus
Faserbündeln, die nahe der Rinde sich zusammeudrängen und hier einen festeren
Ring von dunkelbrauner Farbe bilden. Die Blätter sind gefiedert und steif,
die Fiederblättehen von linear-lanzeitlicher Form. Die Blüthenstiele spriefsen
rund um den Wipfel der Palme aus den Achseln der neuen Blätter hervor,
nicht aus denen der alten, wie man gewöhnlich in Europa glaubt.
Da bei der Dattelpalme männliche und weibliche Blüthen auf verschie
denen Bäumen wachsen, ist es nothwendäg oder doch von Nutzen, die weiblichen
Blüthen künstlich zu befruchten, was in der Weise geschieht, dafs inan die
Wipfelblätter des weiblichen Baumes in einem Büschel vereinigt und inmitten
derselben eine bis vier Blüthenscheiden der männlichen Pflanze anbringt. Die
Scheiden umwindet man mit einem Band, welches bei der Entwickelung der
Blüthe zerreifst. Die Blüthen eines männlichen Baumes genügen, um die von
10 bis 20 weiblichen zu befruchten. Die Araber, welche über die Fortpflanzung
überhaupt eigenthümliche Ideeeu haben, legen dem Besitz eines Baumes, der
sich den Ruf grofser Befruchtungsfähigkeit erworben, einen grofsen Werth bei.
Man zieht die Pflanzen entweder aus den Wurzelsehöfslingen, die nach
dem achten Jahre am Fufse älterer Palmen entstehen, oder, wenn man neue
Spielarten erzielen will, aus Kernen. Die Aussaat der letzteren ist gewöhnlich
dem Zufall überlassen. Die Scliöfslinge erhalten sich, nachdem sic von der
Mutterpflanze abgetrennt sind, ungefähr drei Monate triebfähig, und könnte man
dieserhalb in denjenigen unserer Kolonien, deren Klima trocken genug ist, um
das Reifen der Frucht zu ermöglichen, die Dattelpalme wohl einführen; ein
Versuch, der seitens der Indobritischen Regierung in der Provinz Meissor schon
mit Erfolg gemacht worden ist.
Während der ersten Jahre müssen die jungen Pflanzen sorgfältig gepflegt
und oft begossen werden, und letzteres mufs an Stellen, wo das Grundwasser
der Bodenoberfläche nicht nahe genug ist, um von den Wurzeln erreicht werden
zu können, auch später noch fortgesetzt werden. Die Schöfslinge werden stets
Bäume desselben Geschlechts und derselben Spielart wie die Mutterpflanze.
Die Dattelpalme treibt überall, wo sie steht, Wildlinge, die mau oft wachsen
läfst; doch befinden sich darunter viele unnütze männliche Pflanzen, welche
entfernt worden müssen, damit die weiblichen mehr Raum zur Entwickelung