Hifen mul HaiuleTsverhältnissc <)«•« Persischen Grolls und des Golf* von Oman. 199
seine beiden Söhne Selim und Said zusammen die Regierung führten, bis mit
dem 1821 erfolgten Tode Selims Said zur Alleinherrschaft kam. Said bin
Sultan hat einen guten Namen hinterlassen. Er regierte, nachdem er seine
Residenz nach Zanzibar, welches zu seinem Gebiete gehörte, verlegt hatte, mit
Glanz lange Jahre, und ’während seiner Regierung wurden Verträge mit Eng
land, Frankreich, Portugal und den Vereinigten Staaten abgeschlossen. Br
starb anf der Rückreise von Europa 1856 nnd hinterliefs zwanzig Söhne, die
sich um die Nachfolge stritten, welcher Streit unter Vermittelung des Vice-
königs von Indien dahin geschlichtet wurde, dafs man das Reich theilte und
der dritte Sohn, Seid Suvenieh, Maskat, der sechste, Seid Madjid, Zanzibar
erhielt, letzteres mit der Verpflichtung', dem Imam von Maskat jährlich 40 OCX)
Maria-Theresienthaler zu zahlen.
Im Jahre 1868, bald nach meiner Ankunft hier, wurde Seid Suvenieh
von seinem Sohne Selim ermordet, welch letzterer bis 1871 regierte, wo er
durch seinen Vetter Azan bin Geiz entthront wurde. Dieser wurde im Ja
nuar 1871 wieder von Seid Turki, dem fünften Sohne Saids bin Sultan,
angegriffen und getödtet. Seid Turki, der jetzige Herrscher, ist demnach der
achte Sultan aus der bestehenden Regentenfamilie und der Urenkel des Grün
ders derselben, des Imams Ahmed bin Said. Er ist im Jahre 1834 geboren
und hat drei Söhn©: Mohammed, Feysal und Fehed, welche bei ihm sind und
seine Truppen befehligen, wenn diese Expeditionen ins Innere machen. Man
rühmt ihn als den ersten Kriegsmann in Oman; zugleich ist er ein sehr leut
seliger, unterrichteter und den Europäern gut gesinnter Fürst. Ich besuchte
Seine Hoheit im Jahre 1874, um den Abschlufs eines Vertrags mit den Nieder
landen zu erwirken, welch letzterer 1877 auch zu Stande kam.
Die Etikette am Hofe des Sultans weicht von der bei anderen Fürsten
und Prinzen von Geblüt herrschenden in mancher Hinsicht ab. Als ich vor
einigen Monaten für kurze Zeit in Maskat war, wurde ich jedesmal, wenn ich
zur Audienz kam, von zweien seiner Söhne vor der grofsen Pforte nnd von ihm
selbst vor der Treppe empfangen und später iu derselben Weise hinausgeleitet.
Bei aller Liebenswürdigkeit und Einfachheit im Benehmen entfaltet der Sultan
bei seinen Empfängen jedoch eine grofse Würde, indem er stets mit Gefolge
von Garden auftritt, von denen einige mit Silber, Gold und Edelsteinen aus
gelegte Schilde und Waffen tragen, während andere Löwen an der Koppel oder
Falken auf der Faust führen, Slan fühlt immer die Kralle des Tigers unter
der Sammetpfote. Seine Hoheit stellte mir Pferde zur Verfügung, schickte mir
Süfsigkeiten und Früchte und, was das Wunderbarste für einen moslemitischen
Herrscher und direkten Nachkommen des Propheten ist, machte mir fünf
undzwanzig Schweine zum Geschenk, die ich dem Kapitän meines Schiffes
überm achte.
Das stehende Heer setzt sieh aus 200 Wahabis, welche die Protestanten
oder Puritaner der Moslem sind, einigen BeludscMs, welche die Forts bewacheu,
and einigen persischen Artilleristen zusammen. Die Kriegsflotte war früher für
hiesige Verhältnisse ziemlich bedeutend. Infolge des Verlustes von Zanzibar
und des zerrütteten Zustandes der Finanzen ist sie jedoch zerfallen und seit
dem die Engländer die Polizei in diesen Meeren ausüben, auch ziemlich un-
nöthig geworden. Gegenwärtig besitzt der Sultan aufser einigen einheimischen
Segelfahrzeugen für Transporte nur noch eine kleine Jacht und eine Dampf
schaluppe. Maskat war schon ein- oder zweimal in Gefahr, von Häuptlingen
aus dem Innern überrumpelt m werden, und entging derselben nur durch den
Beistand englischer Kriegsschiffe, welche die Feinde mit Kartätschen und Kon-
greveschen Raketen verjagten.
Die Regierung des Sultans ist despotisch, aber patriarchalisch. Ihm zur
Seite stehen ein Vezir und einige Gouverneure. Mit den Engländern steht er
auf bestem Fufse; er hat den Grolskordon des Sterns von Indien erhalten und
Ihrer Maj. der Königin sechs prachtvolle arabische Pferde zum Geschenk ge
macht. Die in Maskat vertretenen Mächte sind: die Indo britische Regierung,
welche hier einen Politischen Agenten und Konsul, den Oberst Milos, unter
hält, die Niederlande — durch das General-Konsulat des Persischen Golfs —
und die Vereinigten Staaten von Amerika, die hier einen kaufmännischen Vice-
Konsul ernannt haben.