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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Häfen und Handels Verhältnisse des Persischen Golfs und des Golfs von Oman. 
bindung von Arabern mit abyssinischen und Negerfrauen hervorgegangenen 
Mischlinge bann man auf 15 000 schätzen. 
Die Araber reiner Hasse sind unter den Bewohnern der Städte nur wenig 
zahlreich. Sie sind intelligenter, aber weniger kräftigen Körpers als ihre Stam 
mesbrüder aus dem Innern, die Beduinen, die sich aufscrdom durch ihr solbst- 
bewufstes Auftreten unterscheiden, Di© aus Beludsckistan in Oman Eingewau- 
dcrten gehören zumeist dem Stamme der Brahuis an. Dieselben beschäftigen 
sich mit Ackerbau oder vermiethen sich als Hausdiener; sie sind kräftig, zeichnen 
sieh aber nicht durch Reinlichkeit aus. Ferner findet man in Mattrak etwa 
1QQÖ Hodjas, •— Anhänger einer mohammedanischen Sekte in Indien, die sich 
hauptsächlich dem Handel widmen und infolge ihres ungesunden Wohnens 
und ihrer sitzenden Lebensweise meistens schwächlich und skrophulös aus sehen; 
desgleichen in Maskat einige Hundert Banians, die sich ebenfalls nur mit dem 
Handel beschäftigen. Dieselben sind Hindus von Religion, leben ganz getrennt 
von den übrigen Einwohnern, nähren sich nur von Vögetabilieü und fallen auf 
durch ihre Tracht und ihre Verehrung der Kühe. Eine andere Bevölkerungs 
klasse indischer Abkunft, die Djots, sind, wenn schon Mohammedaner, doch von 
ihren Glaubensgenossen verachtet. Ihre Anzahl beträgt etwa 200. Aufs ordern 
sind noch ungefähr 100 Perser vorhanden, die sich hier als Handwerker, Krämer 
oder Fischer niedergelassen haben und meistens Leute sind, die durch die Be 
drückungen, welche sie seitens der Regierung erleideu mufsten, aus ihrer Hei- 
math vertrieben wurden. 
Die wohlhabenderen dieser städtischen Bevölkerung wohnen in Häusern 
von Stein und Lehm, deren Mauern mit Gvps übertüneht sind. Die Zimmer 
liegen um einen inneren Hof herum; das Erdgeschofs beherbergt die Diener 
schaft und dient als Magazin, während die Herrschaft das obere Stockwerk be 
wohnt. Auf dem platten Dache desselben schläft man im Sommer, indem man 
sich durch ein leichtes Zelt von Matten gegen den starken Thaufall schützt. 
Die Armen hausen in Hütten aus Zweigen der Dattelpalme, die mit Matten 
bedeckt sind und durch ihre leichte Bauart gegen die Hitze des Sommers und 
die, für die Eingeborenen wenigstens, empfindliche Kälte des Winters nur ge 
ringen Schutz gewähren. 
Die Strafsen sind enge, in Maskat aber ziemlich reinlich, in Mattrah 
dagegen schmutzig von allerlei Unrath, dessen Ausdünstung unerträglich ist. 
Die Nahrung besteht für die Amen aus Reis, Datteln, Brot und Fischen; die 
Wohlhabenden verschaffen sich außerdem fleisch, Geflügel und Früchte. Alle 
diese Sachen sind reichlich vorhanden und nicht theuer, besonders Fische; doch 
seitdem die Einfuhr von Negersklaven unter dem Druck der Engländer sehr 
abgenommen hat, ist mit dem Arbeitslohn auch der Preis der Lebensmittel 
bedeutend gestiegen. Das Trinkwasser ist hier sehr gut und viel besser als 
in Buschehr, 
Die Bevölkerung des Inlandes umfafst nach den zuverlässigsten Quellen, 
die mir zugänglich waren, 190 Arabische Stämme, die zusammen ungefähr 
160 000 Krieger ins Feld stellen können. Sie gliedern sich in zwei Haupt 
stämme: die Hinawis, welche Abkömmlinge früherer Einwanderer aus Yemen 
und die zahlreichsten sind und denen auch die Herrscherfamilie angehört, und 
die Gaffris. Letztere stammen aus Megd, (Nedschd?) gehören der Sekte der 
Ismaeliten an und bewohnen den nordwestlichen Tbeil von Oman. Die ganze 
Einwohnerzahl des Landes beträgt ungefähr 1000 000, von denen drei Viertel 
Araber und der Rest Fremde sind; letztere aber auch zum gröfsten Theile 
Mohammedaner. 
Der Gründer der gegenwärtig in Maskat herrschenden Dynastie der Abu 
Saidis war Ahmed bin Said. Ein Mann vom niedern Stande der Kameel- 
treiber, aber muthig und thatkräftig, gelang es diesem, die Perser, die während 
der Regierung des sehwachen, unfähigen und durch Ausschweifungen entnervten 
letzten Herrschers aus der Familie der Jarubehs sich des Landes bemächtigt, 
aber durch ihre Erpressungen und Gewalttätigkeiten einen Aufstand des Volkes 
hervorgerufen hatten, aus dem Lande zu vertreiben, und wurde er infolge 
dessen um das Jahr 1730 zum Imam erwählt. Ihm folgte 1776 sein Sohn Said, 
der bis 1797 regierte, in welchem Jahre er von seinem Bruder Seid Sultan 
des Thrones entsetzt wurde. Letzterer wurde im Jahre 1804 getödtet, worauf
	        
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