Hafen und Handelsverfiähmsse des Persischen Golfs und des Golfs von Oman.
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das Volk zu erquicken, welches nicht wie die europäischen Angesessenen die
Mittel hat, sich seine Getränke vom Auslande kommen zu lassen. Bei der Ab
wesenheit eines trockenen Windes, der nur selten weht, wird das Wasser auch
in porösen Gefäfsen lauwarm und vermehrt den Durst eher, als dafs es ihn stillt.
Während des Sommers lassen sieh in Busekehr keinerlei Lebensmittel auf-
bewabreo. Der Zucker wird von Milliarden Ameisen angegriffen, das Getreide
von Kornwürmern und Larven und alle Sachen von weifsen Ameisen und andern
unzähligen Insekten.
Die Handels- und Schifffahrtsverhältnisse von Basrali.
Unter den Häfen, welche dem General-Konsulat unterstehen, wird in der
Zukunft Basrah die gröfste Bedeutung erlangen. Die Stadt liegt am Schau el
Arab, sechs Stunden Dampferfahrt von Gurnah entfernt, wo die Vereinigung
des Euphrat und des Tigris stattfindet, und ungefähr acht Stunden von Fao an
der Flußmündung, Obgleich für die Instandhaltung des Flufsbettes nichts
gethan wird, hat der Schaft el Arab doch Wasser genug, dafs Schiffe von
20 bis 22 Fufs Tiefgang nach Basrah hinaufgehen können.
Die alte Stadt hat man, um sie gegen die Einfälle der Perser zu schützen,
am Ende eines drei Seemeilen langen Kanals erbaut, der nur zweimal am Tage,
zur Zeit des Hochwassers, von Barken befahren werden kann, während er zu
anderer Zeit trocken ist. In letzter Zeit sind das Zollhaus, die Agenturen
der Dampfsehifffahrts»Gesellschaften, das Quarantäne-Amt und die Wohnhäuser
verschiedener europäischer Kaufleute am Flusse selbst errichtet worden und
bilden hier den Keim einer neuen Stadt.
Unter den Reisenden, welche über die Verhältnisse dieser Gegenden in
früheren Zeiten berichtet haben, zeichnet sich unser Landsmann Huvgen van
Linschoten, der vor zweieinhalb Jahrhunderten schrieb, durch die gewissen
hafteste Genauigkeit aus. Indem er den Handelsverkehr auf der Insel Omius
im Persischen Golf schildert, welche damals der grofse Stapelplatz für den
Handel zwischen Persien und Indien einer- und Europa andererseits war, be
zeichnet er Basrah als den Punkt, wo die von Tripoli am Mittelmeer und Aleppo
zweimal jährlich, im April und September, kommenden Karawanen sieh nach
der Insel Ormus einschiffton. Hier trafen die syrischen Händler mit denen aus
Indien und Persien zusammen, so dafs ihrer oft fünf- bis sechstausend ver
sammelt waren. Nachdem der Austausch der Waaren, Kauf und Verkauf be
endet, kehrten sie wieder zu Schiff nach Basrah zurück, wo dann wieder die
Karawane für die Rückreise nach Syrien gebildet wurde.
Nachdem der Waarentransport über Meer rascher, sicherer und viel
billiger geworden war, kamen, vor etwa zwanzig Jahren, die weniger grofs, aber
häufiger gewordenen Karawanen nur noch bis Bagdad, und Basrah, das auch seines
ungesunden Klimas wegen gemieden wurde, hatte für einige Zeit sehr an Be
deutung verloren. Seit Eröffnung des Swaz-Kanals hat jedoch der Dampfer
verkehr der Stadt neues Leben verliehen, so dafs sie jetzt der Stapelplatz für
Irak geworden ist, auf Kosten von Aleppo und Alexandretic (hkanderun), die
es früher waren. Besonders sind es London, Marseille und Bombay, die Waaren
hierher sehicken. Die Hauptartikel sind: ungebleichtes Baumwollenzeug, ge
färbtes sogenanntes Bombay-Baumwollenzeug, Wollen- und sonstige Baumwollen
stoffe , Hut- und Saud-Zucker, Kupferblech, Eisen, Indigo, Kaffee , Ge
würze, Droguen, Liköre, Stearinkerzen, Steinkohlen, Petroleum, gegerbte Häute,
Blattholz, durchwirkte Seidenzeuge, Kurzwaaren u. s. w.
Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts unterhielten Holland und seine
Kolonien einen bedeutenden Handelsverkehr mit Basrah und hatten hier einen
Residenten, von denen der letzte, der Baron von Knypliausen, den Flufs
zeitweilig mit zwei holländischen Kriegsschiffen blockirt hielt. Nachdem die
Holländer sich von dieser Küste zurückgezogen, sind die Engländer an ihre
Stelle getreten, habeu sich in Basrah niedergelassen und den Handel fast gänzlich
monopolisirt. Unser so sehr betrauerter Prinz Heinrich der Niederlande, der
sich lebhaft für die Entwickelung von Handel und Schifffahrt unseres Landes
interessirte, hatte die Vortheile der Lage Basrahs nach Eröffnung des Suez-
Kanals und dem eventuellen Bau einer Eisenbahn durch das Euphrat-Th'A sehen
Aua, d. Hyflr. et«., 1889, Heft Y. $