190 Häfen and Handelsverlmltnisse des Persischen Golfs und des Golfs von Oman.
Die mehr oder minder wichtigen, am Golf gelegenen Seeplätze sind:
Bender Dilum, der Stapelplatz von Beibahan, unter dem Gouverneur Abdullah
Khan; Genawa unter dem Kaid Murad, wo man noch die Abkömmlinge der
kleinen holländischen Garnison von Barg sieht, die durch ihr blondes Haar,
ihre blauen Augen und germanischen Gesichtszüge von der übrigen dunkel
farbigen Bevölkerung hervorstechen; Bender Rüg, die Residenz des Kaid Khan
Ali Khan, und Hur Rud Helleh an der Mündung des Flusses dieses Namens.
Derselbe durchfliefst eine Alluviallandsohaft, die reich an Getreide ist und von
den Kaids Ka Mehemod von Rud Helleh, Zohrab Khan von Chaban Kareh
und Hussein Kuli Khan von Engali regiert wird. Diese Oberhäupter und
ihre Untergebenen gehören zu der Völkerschaft Luristan; ihre Staatseinrichtung
ist feudal, und ihre ganze Abhängigkeit von der persischen Regierung besteht
in der Zahlung eines jährlichen Tributs.
Rud Helleh liegt zunächst Busehehr, dem Haupthafen Persiens, der aber
in letzter Zeit seine Bedeutung mehr und mehr, zu Gunsten Basrahs ein-
gebüfst hat.
Auf Buschehr weiter südostwärts folgt die kleine Rhede Dejir, wo
Dsohemal Khan regiert, der Lehnsherr der Dechtis, eines perso-arabischcn
Stammes. Dies ist der mächtigste und geaehtetste Khan in diesem Distrikt.
Der weiterhin folgende Hafen von Lingeh hat einen ziemlich bedeutenden Handel
mit Perlen und besonders mit Perlmutterschalen. Die Stadt und ihre Umgebung
ist einem Scheich unterstellt.
Bender Abbas ist der nächstgelegene Hafen für die Provinzen Kirman
und Jesd. Hier wird noch Zucker von Java eingeführt, aber nicht mehr in dem
Mafse wie früher. So lange das General-Konsulat hier seineu Sitz gehabt hat,
sind noch alle Europäer, welche diese Stadt bewohnt haben, dem bösen Klima
unterlegen. Die holländische Faktorei ist noch in gutem Zustande erhalten und
dient dem Gouverneur zur Residenz. In einigen Meilen Entfernung von der
Stadt findet sich ein gebirgiger Landstrich, der die Früehte der gemäfsigten
Zone in ausgezeichneter Güte hervorbringt, während in unmittelbarer Nähe die
der Tropen wachsen.
Ormui, in der Nähe von Bender Abbas, welches bis zum Ende des vorigen
Jahrhunderts ein so bedeutender Handelsplatz war, ist zur Zeit nahezu ver
lassen. Die Umgegend birgt grofse Mineralschätze, besonders an Rotheisenstein
und Steinsalz, aber kein Mensch denkt daran, sie isn Grofsen auszubeuten.
Jenseits Bender Abbas liegen noch die Eläfen Dsckask und Gwadur an
der Küste von Beludschistan. Sie würden beinahe unbekannt sein, wenn sich
nicht daselbst Stationen der Indo-europäischen unterseeischen Telegraphen-
Linie befänden.
Das Arabische Ufer des Golfs beginnt bei Faa, welches an der Mündung
des Schutt el Arab gelegen ist. Es ist der Landungspunkt des Indo-europäischen
Telegraphen-Kabels, das sich hier an die Ottomaniscbe Linie anschliefst. Die
Umgegend erzeugt Datteln, Henneh — ein Haarfärbemittel — und ein sehr
geschätztes Rosenwasser.
Nach Fao kommt der Hafen von Kwet. Dieser Ort steht unter der Ver
waltung eines Arabischen Scheicb, unter Ottomanischer Oberherrschaft, und
treibt bedeutende Rhederei. Wir besuchten denselben im Jahre 1870 mit dem
Schilfe „Curafao“ und wurden von dem Scheich Mohammed bin Seba sehr
gastlich aufgenommen. Um diese Zeit enthielt das übrige Arabische Küsten
gebiet noch die kleinen Hafenstädte Katif, Katar el Bida, Debeh, Schardscheh
u. a. in., welche unabhängig, aber dem Schutze der indo-britischen Regierung
und der Oberaufsicht des Vertreters der letzteren, des Geueral-Konsuls und
Politischen Residenten in Buschehr, unterstellt waren. Als Midhat Pascha
zum Vali von Bagdad ernannt worden war, dachte die Ottomaniscbe Regierung
daran, ihre Oberhoheit bis hierher auszudehuen, und ergriff nach der Expedition
von Megd von den hauptsächlichsten Küstenplätzen Besitz, während sie die
übrigen in derselben Lage wie vorher liefs.
Zu Bahrein unterhält der Scheich Issa friedliche Beziehungen zu seinen
Nachbarn. Die hier betriebene Perlenfischerei ist in diesom Jahre weniger
ergiebig gewesen wie im vorhergehenden, und ungefähr 250 Araber haben das
Leben verloren, indem sie in eine zu grofse Tiefe hinabtauchten.