Vieridjahrs-Wctter-BuiKisehäu der Deutschen Seewarte. Frühling 1885.
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leichte westliche Winde ar,getroffen, doch traten später, vom 16. bis 20. Mai,
zwischen 27° und 40° N-Br noch wieder starke Nordwinde auf. Dieselben
waren eine Wirkung jenes, sich inmitten des Oceans iu ganz unregelmäfsiger,
meist südlicher Richtung bewegenden Niederdruckgebietes, weiches auf Karte Vli
verzeichnet ist. In der Nähe der Kanalmündung wurden einige der Schiffe
auch noch wieder durch Gegenwinde zuriiekgohalten. „Fax* und „Ellen Rick-
mers“, die beiden letzten der zum Kanal bestimmten Schiffe, konnten die Reisen
dahin in einigen Tagen unter dem Mittel von 40 Tagen vollenden. In Folge
sehr widriger Verhältnisse im Stillengüxtel gebrauchten diese beiden Mitsegler
lange Zeit, um von 0° nach 10° N-Br zu gelangen. Der Anfangs kräftig auf
tretende Passat endete, als die Schiffe bei 25® N - Br in 39° W-Lg zum
südwestlichen Tkeile des Hochdruckgebietes der Karte VIII gelangt waren.
Der dort ganz schwach werdende Wind veränderte sich nach SE, um sich dann
für längere Zeit in diesem Viertel zu halten. Als man schliefslich an die Nord
seite des Hochdruckgebietes gekommen war, frischte der Wind auf und ver
änderte sich langsam durch S nach SW. In der Nähe der Kaualmündung
wurden beide Schiffe später abermals durch östliche Winde zurückgehalten.
Die vier Schiffe der Liste, welche Reisen nach Lissabon ausführteu,
vollendeten dieselben im Mittel in 33 Tagen. „Louise“ traf annähernd dieselben
Verhältnisse an wie „Johanna“, eines der zum Kanal bestimmten Schiffe, sie
gefunden hatte. Nur auf dem letzten Reisoabschnitt, wo die durch jene oft
erwähnten Hochdruckgebiete der Karte II auf dem Wege vom Kanal zur Linie
geschaffenen kräftigen Nordostwinde für „Louise“ hindernd wirkten, fand die
damals der Nordseite jenes Gebietes näher stehende „Johanna“ günstigere
Winde. „Bernhard Carl“ führte seine Reise zum Theil bei denselben Verhält
nissen aus wie »C,. R. Bishop“ und „Parnass“. Es scheint jedoch, dais diese
beiden Schiffe gröfsere Segelfähigkeit hatten. In der Nähe der portugiesischen
Küste fand auch „Bernhard Carl“ nordöstliche Winde. Das nächste Schiff, der
„J. II. Ramienwelcher mit 28 Tagen die kürzeste der Reisen nach Lissabon
avisführte, traf annähernd dieselben, nur infolge des westlicheren Schnitt
punktes des Aequators etwas günstigeren Verhältnisse an, als „Carl Ritter“ sie
beobachtet hatte. Der von 0° Breite an wehende, zwischen 6° und 29° N-Br
seine gröfate Stärke entwickelnde Passat begleitete das Schiff bis nach 31,3® N-Br
in 42,8° W-Lg. Die Zurücklegung des letzten Reiseabschnitts erfolgte ebenfalls
bei fast nur ans günstiger Richtung wehenden Winden. „Emanmfs“ Reise
endlich wurde unter ähnlichen Verhältnissen vollendet, wie der „Fax“ sie fand.
Beide Schiffe gelangten auch an demselben Tage, dem 9. Juni, zum Meridian
von 10° West.
Von „Bertha“ und „Aequator“, den beiden noch übrigen Schiffen, wurden
Reisen zwischen der Linie und New-York ausgeführt. Die erste wurde in
33 Tagen vollendet, und die letztere nahm 38 Tage in Anspruch. „Bertha“,
die von 0® bis nach 24® N-Br in 59,5° W-Lg vom Passat begleitet worden
war, ülerstand am 18. und 19. März, als sie sich bei 34,5° N-Br iu 72° W-Lg
befand, einen heftigen Nord weststurm. Derselbe wurde durch ein Niederdruck
gebiet verursacht, dessen hoch nördliche, von Florida zum nördlichen Theile der
Baffiirs Bai gerichtete Bahn auf Karte II zu verfolgen ist. Nachdem „Bertha“
später noch mehrere andere heftige Stürme Überstauden hatte, gelang es ihr am
29. März, den Hafen von New-York zu erreichen. „Aequator“, welcher eben
falls von der Linie an vom Passate begünstigt worden war, verlor denselben
schon, als man am 3. Mai nach 20° N-Br in 56,5° W-Lg gelangt war. Das
Schiff befand sich dort aufserhalb des nur schwach entwickelten Hochdruck
gebietes mittlerer Breiten, welches Karte VI zeigt. Es mufste sich später für
längere Zeit bei ganz schwachen, veränderlichen Winden abmüben, um nach
Nordwesten hin vorzurüeken. Da für den ganzen übrigen Theil des Monats
Mai die Luftdruckverhältnisse des mittleren Theils des Oceans ungewöhnliche
blieben (siehe Karten VII und VIII), so wollten sich für „Aequator“ auch
keine durchstehenden, günstigen Winde einstellen. Der Verlauf des letzten
Reiseabschnitts war dementsprechend auch nur ein langsamer, doch wurde der
selbe von Stürmen nicht beunruhigt.