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Ueber die Genauigkeit nautisch-astronomischer Beobachtungen auf See.
wirkenden und daher durch Vervielfältigung der Beobachtungen nicht ver
schwindenden Fehler in der Auffassung der Berührung im Auge des Beobachters,
»ach welcher die Ränder entweder nicht nahe genug zusammen gebracht oder
theil weise übereinander gelegt werden. Bei der Ableitung des wahrscheinlichen
Fehlers jedoch, mit welchem die aus einer einzigen Beobachtung folgende wahre
Distanz behaftet ist, sind die Werthe der letzten Spalte als zufällige Fehler zu
behandeln. Führt man diese Rechnung für die Sonne und die Storno getrennt
durch, so ergiebt sich für die
Distanzen Mond—Sonne ein wahrscheinlicher Fehler von + 22" und für die
Distanzen Mond—Stern „ „ „ „ + 61".
Es ist von Interesse, hiermit den wahrscheinlichen Fehler zu vergleiche»,
den Jordan aus einer Reihe von 317 an Land beobachteten Monddistanzen
(Phys. Geographie und Meteorologie der libyschen Wüste) gefunden hat. Der
selbe beträgt für eine einzelne Messung Jh 19" oder für das Mittel aus sechs
Beobachtungen +8", zeigt also gegenüber dem aus den Beobachtungen auf See
folgenden Werthe eine Abweichung, welche zum gröisten Theile auf den störenden
Einßufs der Schiffsbewegungen, besonders des Schlingerns zurückzuführen ist.
Der erste Theil der konstanten Fehler, welcher in den kleinen, numerisch
nicht bestimmten ingferuinenteilen Ungenauigkeiten seine Quelle hat, läfst sich
nun dadurch unschädlich machen, dafs man eine zunehmende und eine abnehmende
Distanz mit zwei Sternen von annähernd gleicher Gröfse bei derselben Mond
phase kombinirt, da dann jene Ungenauigkeit mit entgegengesetzten Vorzeichen
zur Geltung kommen und sich im Mittel aufhebeu. Bei der Anwendung auf
die obige Beobachtungsreihe ist jedoch zu bemerken, dafs die Fehler von 2'
und mehr am 5. und 6. April von dem sehr starken Schlingern des Schiffes
herrühren, und dafs es daher zweckmäfsig sein wird, bei der verhältuifsmäfsig
kleinen Anzahl zur Verfügung stehender Kombinationen diese Beobachtungen
unberücksichtigt zu lassen. Man erhält dann für die Kombination einer öst
lichen und einer westlichen Sterndistauz den wahrscheinlichen Fehler + 9",
während derselbe für zwei an derselben Seite des Mondes gemessene Distanzen
31"
= + 22" betragen würde.
Vili man endlich noch einen Schritt weiter gehen und auch die indi
viduellen Augesfehler in der Auffassung der Berührung fortschaffen, so mufs
man hierzu die ab- und zunehmenden Distanzen mit der Sonne vor und nach
Neumond zu Rathe ziehen. Da die Anzahl meiner eigenen Beobachtungen dieser
Art zu klein war, so habe ich eine Reihe von 82 Monddistanzen benutzt, welche
von Herrn Kapt. Behrens an Bord der angestollt und mir gütigst
zur Verfügung gestellt sind. Ich habe dieselben den oben angegebenen Rech
nungen unterworfen und finde dabei als wahrscheinlichen Fehler folgende Werthe:
bei einer einzelnen Distanz mit einem Stern + 20",
bei einer einzelnen Distanz mit der Sonne + 20",
bei einer Kombination aus einer östlichen und einer westlichen Sterndiatanz
+ 14" und endlich bei einer Kombination aus einer ab- und einer zunehmenden
Sonnendistanz vor und nach Neumond + 10". Da diese Beobachtungen von
Kapt. Behrens jedoch in der Regel nur aus fünf Einzelmessungen bestehen,
so mufs man diese Werthe noch mit
icircn, um sie mit deD meinigen
vergleichen zu können. Dies führt zu folgender Zusammenstellung:
Wahrscheinlicher Fehler des Mittel? aus sechs Distauzraessungen bei
Beobachter
Einer Distanz
* €
Einer Distanz
o c
Einer Kombination aus
einer östlichen Und einer
westlichen Sterndistanz
Einer Kombination aus
einer ab- und einer zu
nehmenden Sonnendistanz
Behrens
dt 18"
dt 18"
± 13"
-fc 9"
Boite
± 31"
± 22"
rfc 9"
_