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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Bemerkungen über Fahrten an <ler Westküste von Mexiko. 
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Erledigung der Zollangelegenheiten mufste jedoch vorher Las Penas angelaufen 
werden. Hier bekamen wir auch zwei Zollbeamte an Bord, die die Aufgabe 
hatten, das Gewicht des geladenen Holzes festzustellen, sich aber später wenig 
darum kümmerten. 
Um 12 Uhr Mittags den 5. April peilte Kap Corrientes SSW’/aW und 
die Inselgruppe Tres Marietas W 3 /4S. Der Wind lief auf NW und holte beim 
Weitersegeln in die Bai von Banderas hinein allmählich westlicher, bis er in 
der Nähe von Las Penas SW war. Wie mir später die Leute hier erzählten, 
weht der Wind unter gewöhnlichen Verhältnissen längs der Küste, also an der 
Nordseite der Bai, aus einer Richtung etwas nördlich, an der Südseite etwas 
südlich von W. Um 4 h p. m. waren die Hütten von Las Penas in SO VkO, 
etwa 2 Sin entfernt. Bei abflauender Briese machten wir noch einige Schläge 
und ankerten dann um 6 h p. m. 1 Kabilg. vom Lande auf einer Wassertiefe 
von 38 m (21 Fad.), recht vor der Mündung des kleinen Flusses. Der eigent 
liche Ankerplatz ist ungefähr 2 Kabilg. südlicher auf einer Tiefe von 25 m 
(14 Fad.); aber der Wind erlaubte uns nicht, diesen zu erreichen. Der Strom 
setzte auf unserem Ankerplätze in nördlicher und südlicher Richtung mit einer 
Geschwindigkeit von etwa 1 Kn. Um 2 Uhr am folgenden Morgen lichteten 
wir wieder unseren Anker und segelten weiter nach Tabo. Der anfänglich 
leichte östliche Wind holte am Vormittage westlich, war dann aber vom Abend 
dieses Tages bis zum folgenden Vormittage wieder leicht östlich, womit wir 
bis nahe vor unseren Bestimmungsplatz liefen. 
Weil mir in San Blas gesagt worden war, dafs in Tabo-V>&\ ungefähr 
70 m (40 Fad.) Wasser ständen, die Zollbeamten aber und der Mann, den ich 
als Lootseu mitgenommen hatte, die Tiefe auf nur 25 bis 32 m (14 bis 18 Fad.) 
angaben, so fuhr ich mit dem Boot in die Bucht hinein, um selbst zu lothen. 
Hierbei fand ich bei Punta Tabo, Vs Sm vom Lande mit 70 m (40 Fad.) Leine 
keinen Grund, weiter in der Bai 36, 31, 20 und 25 m (20, 17, 11 und 14 Fad.), 
in der Mitte der Bucht 22 m (12 Fad.) und weiter süd westwärts wieder bis 
31 m (17 Fad.). Dieses Ei-gebnifs erweckte in mir die Ueberzeugung, dafs der 
Lootse und die Zollbeamten mit den örtlichen Verhältnissen bekannt sein 
müfsten, und war ieh daher bereit, den Anordnungen des ersterea entsprechend 
das Schiff in der Südwestecke der Bucht vor Anker zu legen, nach seiner An 
gabe auf einer Tiefe von 32 m (18 Fad.). Wir segelten, die Mitte des Fahr 
wassers haltend, in die Bucht hinein; in derselben angelangt, flaute der Wind 
aber plötzlich ab, und das Schiff drehte trotz Marssegel und aller Stagsegel 
gegen das Ruder mit dem Kopf dem Lande zu nach Süden, und wir mufsten, 
um nicht auf die Klippen zu gerathen, auf einer Tiefe von 70 m (40 Fad.) 
ankern. Eben vorher war eine Tiefe von nur 31m (17 Fad.) gelothet worden. 
Nunmehr begab ich mich zum zweiten Male ins Boot, um die Untersuchungen 
der Tiefenverhältnisse in der Bai fortzusetzen. Westlich vom Schiffe konnte 
ich nirgends mit 80 m (45 Fad.) Leine den Grund erreichen, unmittelbar an den 
Felsen in der Südwestecke der Bucht schwankte die Tiefe zwischen 38 und 59 m 
(21 und 33 Fad.), und 1 Kabilg. in NO vom Schiffe betrug dieselbe nur 22 m 
(12 Fad.). Entgegen den Angaben des Lootsen und meinen Annahmen nach 
den ersten Lothungen ergab sich also, dafs man nicht in der Südwestecke, 
sondern in der östlichen Hälfte der Bai zu ankern hat, am besten eben west 
lich von Punta Tabo, von wo aus man auch mit jedem Winde unter Segel 
gehen kann. 
Unser Aufenthalt in Tabo dauerte bis zum 19. April, und zwar lag das 
Schiff die ganze Zeit auf der Stelle, wo wir zuerst den Anker fallen lassen 
mufsten; erst am letzten Tage gestatteten die Verhältnisse, nach dom Anker 
plätze auf 22 m (12 Fad.) Tiefe, wohin wir schon am 9. April einen Warpanker 
mit Leine gebracht hatten, zu verholen. Der Wind war während dieser Zeit 
nördlich, am Tage frisch, Nachts manchmal nordöstlich holend. Den sogenannten 
Terral, Landwind von S, batten wir nur zwei Mal zur Zeit des Mondwechsels. 
Derselbe setzte das erste Mal um 8 Uhr Abends, das zweite Mal jedoch erst 
gegen 3 Uhr Morgens ein und wehte mit der Stärke 2—3. Der Seegang war 
stets ungemein hoch aus nördlicher und westlicher Richtung, so dafs das Ab 
bringen des Holzes den Kauoes sehr erschwert wurde. Wiederholt kenterte 
das eine oder das andere in der Brandung, wobei die Ladung natürlich ver- 
Am. fl. Itp4r, etc., 1889 Heft IV. 3
	        
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