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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewurf«, Frühling 1885. 
mit wenigen Tagen Unterschied in der Ankunftszeit, trotz des groföen Zeit 
unterschiedes bei der Abfahrt, den Hafen von New-York oder Philadelphia. 
Hie Reisen der beiden zuerst genannten Schiffe nahmen wohl von allen der in 
Rede stehenden den stürmischsten Verlauf; dagegen hatten „Johanne Marie- 
wie „Kaie“, welche durch die im östlichen Th eile des Atlantic angetroffenen 
Verhältnisse sehr begünstigt wurden, von Stürmen weniger zu leiden. 
„ Victoria“, welche die Wesermündung am 7. Februar, wie „Caroline“, welche 
dieselbe zwei Tage später verlassen hatte, trafen in der Nordsee anhaltende 
Gegenwinde an, durch welche die Schiffe, obgleich die Winde nicht gerade sehr 
stürmisch waren, längere Zeit zurück gehalten wurden. Am Mittage des 14 Februar 
befand sich „Victoria“ in 53° N-Br und 3,2° O-Lg, während der Mitsegler in 
55° N-Br und 2° O-Lg stand. Da der Wind zur Zeit noch immer südwestlich 
war und nichts auf eine Aenderung hindeutete, entschloß sich Kapitän Schlüter, 
der Führer der „Carolinefür Fair Island zu steuern. Er führte diesen Vor 
satz auch au$, obgleich die Reise an mehreren der folgenden Tage durch leichte 
nordwestliche Winde verzögert wurde. „ Victoria“ dagegen harrte aus auf der 
zum Kanäle führenden Route. Sie erreichte den letzteren am 19. Februar und 
wurde hier an diesem und dem folgenden Tage durch theils stürmisch wehende 
Ostwinde, welche die Begleiter eines über Mittelfrankreieh nach Osten ziehenden 
Niederdrucfegebietes waren, begünstigt. Bis zu dor am 20. Februar io Sicht 
von Fair Island stehenden „Caroline“ reichten diese günstigen Winde nicht, 
vielmehr wurde dieses Schiff an diesem Tage durch Windstille zurüekgehalten. 
(Siebe Karte VIII des vorhergehenden Vierteljahres.) Am 21. und 22. Februar 
Überstunde» beide Schiffe einen orkanartigen Sturm ans südwestlicher Richtung, 
der einem sieh während dieser Tage mit grofser Schnelligkeit in der Nähe der 
irländischen und schottischen Küste üaeb Nordosten bewegenden Niederdrnck- 
gebiete angehörte. (Siehe die vorerwähnte Karte.) Entsprechend den so weit 
von einander entfernten Schiffsorten, herrschte dieser Sturm bei der am21. Februar 
in 49° N-Br und 7° W-Lg stehenden „Victoria“ an diesem Tage am heftigsten, 
während er bei der gleichzeitig sich bei 60° N-Br und 5° W-Lg befindenden 
„Caroline* erst am folgenden Tage seine gröfste Stärke erreichte. Dieser von 
Gewitter begleitete Sturm wehte orkanartig ausSE, bei auf 721,3 mm gesunkenem 
Luftdrucke. Es folgten auf ihn noch für längere Zeit stürmische Gegenwinde, 
bei denen beide Schiffe keinen nennenswertheu Fortschritt nach Westen erzielen 
konnten. Erst als das Minimum des sieh (laut Karte VIII des WioterviertßL 
jahrs) nördlich von Schottland nach Nordosten bewegenden Niederdruckgebietes 
südlich von „Caroline“ passirfce, stellten sich bei diesem Schiffe kräftige Ost 
winde eiu. Bei „ Victoria“ krimpte der Wind nur für kurze Zeit nach SSE, 
lief aber bald wieder nach Westen zurück. Als Folge des Auftretens eines 
anderen, nach Karte I sieh vom 1. bis 3. März auf östlicher Bahn nach Irland 
bewegenden N ieder druck gebiete« hielt der fast stürmisch wehende Wind sieh 
bei „Caroline“ dann auch während der nächsten Tage aus östlicher Richtung, 
während die an der Südseite der Bahn bleibende „ Victoria'" sieh mit Gegen 
winden plagen rnufsle. Durch diese verschiedenen Verhältnisse wurde es 
verursacht, dafs, als: »Caroline* 1 sieh am Mittage, des 5, März in 43,3° N-Br und, 
30,5° W - Lg befand, der Mitsegler „ Victoria“ noch nicht weiter als nach 
46,4° N-Br in 17,8° W-Lg hatte vorrüeken können. Nach dieser Zeit traf das 
letztere, einen südlicheren Kurs verfolgende Schiff jedoch auch günstigere 
Winde an, und recht günstig waren demselbon die vom 14. bis zum 18. März 
beobachteten Winde. Sie wehten aus südöstlicher Richtung kräftig und beständig 
als Folge eines ostwärts vom Schiffe gelagerten Hochdruckgebietes. Bei 
„Caroline“ herrschten diese Winde nicht, doch wehten auch bei diesem Schiffe 
damals keine Gegenwinde. Nach dem 18. März wurden die Reisen beider 
Schiffe aufs Neue von Stürmen beunruhigt. Dieselben wurden hervorgerufen 
durch mehrere über den Golfstrom und Neufundland in rascher Folge nach 
Nordosten ziehende Niederdruckgöbiete. (Siehe Karte II.) Diese Stürme 
machten sich bei „Caroline“ besonders auffällig durch die häufige Erscheinung 
des Elmsfeuers. Nach dem 22. März «ahmen die Reise» einen ruhigeren Ver 
lauf, bis schließlich „Caroline“ am 28. März und „ Victoria“ am 7, April ihren 
Bestimmungshafen erreichten.
	        
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