Verhalten von Marine-Chronometern hei verschiedenen Feacinigkeifsgraden,
109
durch eine vertikale Scheidewand in zwei ungefähr gleiche Abtheilungen ge-
theilt, und war der linksseitige Raum, welcher speeiell zum Aufenthalte der
Chronometer dienen sollte, mit Zinkblech ausgesehlagcn worden. Die Nietlüeher
und Nägel waren, um auch hier den Eintritt der Aufsenluft zu vermeiden, ver
kittet und laekirt. Der Deckel, welcher mit einem Schlofa, mit Messinghake»,
Scharnieren, Stützstangen und einem seitlichen UeberfaH versoheu war, schlofs
in Verbindung mit den auf der Oberkante der Seiten wände eingelassenen
Kaut Schuheinlagen den Kasten hermetisch ab. Um die Beobachtung der im
Innern aufgestellten Instrumente zu ermöglichen, waren in den Deckel, sowie
in die Vorderwand grofse Glasscheiben eingesetzt, welche — aufser zu den
Zeiten der Beobachtung — zur Vermeidung aller schnellen Temperaturänderuugeu
mit einem dicken weifsen Flanell-Laken überdeckt wurden. — In jeder der
beiden Abtbeilungen des Kastens waren je zwei Koppe’scho Haar-Hygrometer,
anfserdem in dem linksseitigen Raume ein Aneroid-Barometer, sowie ein Mnximum-
und Minimum-Thermometer aufgestellt.
In der rechten Abtheiiung lagen neben einander auf Holzböcken sechs
starke, mit Chlorcalcium (in Brocken) gefüllte Glascylinder, nnd war die Ver
bindung zwischen ihnen und der linken Abtheiiung durch Metallröhren her
gestollt. Die Glascylinder verjüngten sich auf der rechten Seite und konnten
hier mit Hülfe von Glashäbuen abgeschlossen werden.
In der linken vertikalen Seitenwand des Kastens befanden sich noch
zwei mit röhrenförmigen Metallansäfzen versehene Durchbohrungen, deren eine
zum Anschrauben des Schlauches einer Bunsen’schen Säugpumpe und deren
andere zum Einströmen von Wasserdampf bestimmt war. — Die Erzeugung des
Wasserdampfes wurde mit Hülfe eines Kupferkessels vorgenommen, welcher im
Keller der Seewarto, aber in unmittelbarer Nähe des Lichthofes aufgestellt
war. An dem Kessel waren aufser dem Dainpfabzugsrohr noch ein Wasserstands
messer, ein Trichter mit Halm zum Einfüllen von Wasser sowie ein Sicherheits
ventil angebracht, Als Heizmaterial diente Gas, welches aus einem Bunsen’schen
Brenner ausströmte. Kurz vor dem Eintritte des Dampfrohres in den Kasten
befanden sich eine Vorrichtung zum Ablassen von kondensirtem Wasser sowie
ein Hahn, durch welchen dis Dampfeinströmung regulirt werden konnte.
In der linken Abtheiiung des Prüfungskastens waren aufserdem an den
Seitenwänden mehrere Tröge von Eisenblech aufgehängt, welche — ebenso wie
hineingesetzte flache Schalen — mit gereinigtem Chlorcalcium gefüllt wurden,
wenn geringe Feuchtigkeitsgrade erzielt werden sollten. Um zu verhindern,
dafs das Salz direkt mit dem Metall in Berührung kommen uud dasselbe an
greifen konnte, waren die Tröge im Innern mit Glasplatten ausgelegt, welche
durch Wachs in ihren Lägen festgehalten wurden.
Im Vordergründe der linken Abtheiiung befand sich weiter das für die
Bestimmung der absoluten Feuchtigkeit benutzte Rcgnault’sche Kondensations-
Hygrometer, und zwar war eine solche Einrichtung getroffen worden, dafs mit
Hülfe einer Glasröhre, welche aus der Kasteuwand hervorragte, die Füllung
des Goldgefäfses mit Schwefeläther vorgenommen werden konnte, ohne dafs die
Aufsenluft mit der Luft im Innern des Prüfungsraumes kommunicirte. Durch
eine zweite Röhre, welche an der Vorderseite in die Wandung des Kastens
eintrat, und welche durch einen Gummischlauch mit einem Doppelaspirator ver
bunden war, wurde die Verdampfung des Aethers bei den absoluten Feuchtigkeits-
bestimmungeu bewirkt.
Dieser Apparat konnte nun zur Herstellung aller Feuehtigkeitsgrade ver
wendet werden. Um sehr hoho Feuchtigkeiten zu erzeugen, wurden — nach
Entfernung aller Chlor calci umgefäfse — Wasserdämpfe in den Kasten getrieben
und flache mit Wasser gefüllte Gefäfse im Innern des Prüfungsraumes aufgestellt.
Um die Luft auszutroekneu, wurden andererseits die in beiden Abtheilungen
befindlichen, zur Aufnahme von Chlorealcium bestimmten Schalen gefüllt, und
mit Hülfe des Bunsen’schen Pumpwerkes die Luft der linken Abtheiiung durch
die in den Glascyliudern der rechten Abtheiiung vorgetrocknete Luft ersetzt.
—- In dieser Weise ist es gelungen, während der Dauer der Untersuchung die
Luftfeuchtigkeit von 25 % bis 94 % zu variiren.
Die oben genannten, für die Untersuchung bestimmten Chronometer wur
den am 17. Januar 1888 in gehendem Zustande von der Abtheiiung IV zum