108
Verhalten von Marine-Chronometern bei verschiedenen Fenghtigkeitsgraden.
wurden der Seewarte Mitte Oktober 1887 durch die Chronometer-Observatorien
zu Kiel und Wilhelmshaven übersandt, and waren speciell durch den Vorstand
des ersteren Institutes solche Instrumente ausgewählt worden, deren früheres
Verhalten eine starke Beeinflussung des Ganges durch die Feuchtigkeit der
atmosphärischen Luft vemuthen liefs. — Diese Instrumente wurden zum Zweck
einer Vorprüfung zunächst im Chronometer-Prüfungs-Institute, Abtheilung IV
der Seewarte, untergebracht, durch den Uhrmacher der Seswarte geöffnet und
einer gründlichen Untersuchung in Bezug auf den Zustand des Oeles, auf die
Schwingungsverhältnisse der Balance und (so weit Hülfskompensation angewendet
worden war) auf die Beschaffenheit der Kontakte unterzogen. Es zeigte sich
dabei, dafs iin Allgemeinen die Chronometer sich in gereinigtem und brauch
barem Zustande befanden, wenngleich die ungenügend grofse Sehwiugungs-
amplitude der Balance bei den Instrumenten 1 bis 3 die Vermuthung nahe
legte, dafs der Zustand des Oeles kein vollkommen guter sein möge. Es wurde
aufserdem bei dem Chronometer No. 4, Bröcking 884, die Bemerkung gemacht,
dafs die Kontakte der Airy’schen Hülfskompensation schwach klebten, dafs
also, im Falle auch eine Prüfung bei sehr verschiedenen Temperaturen beab
sichtigt würde, eine Reinigung wünschenswerth sei. — Die letzte Reinigung der
Chronometer No. 2, 3, 4 und 6 hatte im Januar resp. Februar 1887 statt
gefunden; in Bezug auf No. 1 und 5 waren keine Angaben gemacht worden. —
Die letzteren beiden Instrumente hatten aufserdem Anfangs einen grofsen, für
die Rechnung unbequemen Gang, dessen Beseitigung durch den Uhrmacher der
Seewarte vorgenommen wurde.
Die Beobachtung der Chronometer bei Zimmertemperatur, 14 Q bis 18° C,,
in Abtheilung IV hatte zunächst den Zweck, festzustellen, dafs diese Instrumente
einen für die beabsichtigten Untersuchungen genügenden Grad der Zuverlässig
keit besäfsen. Ferner zeigt die damals gewonnene Tabelle der mittleren täg
lichen Gänge, dafs bei sämmtlichen Chronometern, wenn man von geringen,
durch Temperatur-Differenzen hervorgerufenen Schwankungen absieht, eine
Acceleration zweifellos vorhanden gewesen ist.
Mittlere tägliche Gänge.
Mittlere
Tempe-
ratnr
QeMas
Knoblick
und
Dencker
1836
iäppjsev
149
147
Bröcking
881
Tiede
280
.1
Tiede ,|
806 ;
1887 Okt. 28 bis Nov. 7
Nov. 7 „ Nov. 17
Q
4-16,3
16,4
-i-2,62
4-2,48
-+-1,90
4- 2,02
&
+ 1,81
+
* i
+ 1,75
+1,86
Nov. 17 Nov. 27
16,7
S
4- 2,58
4- 1,70
4* 1,16
i
+1,71
Nov. 27 „ Dez. 7
- 2,01
4- 2,15
4-1,87
4-0,97
— 2,71
+1,38
Dez. 7 r Dez. 17
16,1
— 1,78
4-2,37
4-0,92
4-0,47
— 2,84
+ 1,42
Dez. 17 * Dez. 27
15,6
-1,97
+ 2,40
4- 0,95
4-0,13
— 2,61
+1,29 \
Dez. 27 „ J#a. 6
14,0
— 2,36
■+ %ÖQ
— 0,07
— 0,01
— 2,79
+ 1-32 j
I 1888 Jan. 6 „ Jan. 16
16.3
— 3,M
4- 2,19
4- 0,66
4- 0,05
—4,17
+ 0/^ i;
jj
Der Liehthof der Seewarte bot einen geeigneten Raum für die Auf
stellung eines Apparates zur Prüfung der Chronometer bei verschiedenen
Feuchtigkeitsgradeu, weil hier die hauptsächlichste Ursache der Gungünderimg,
die Schwankungen der Temperatur, ziemlich beseitigt werden konnte. Wie
frühere Beobachtungen gezeigt hatten, konnten nicht nur die Schwankungen
während eines Tages bei einiger Vorsicht stets innerhalb zweier Grade erhalten
werden, sondern es wichen auch-bei Anwendung einer mäfsigen Heizung während
der Wintermonate die mittleren Tagestemperaturen während der verschiedenen
Jahreszeiten nur um wenige Grade von einander ab.
Der für die Prüfung benutzte, in der Ostecke des Lichthofes aufgcstellte
Apparat bestand im Wesentlichen aus einem Kasten von gut ausgetrocknetem
Tannenholz mit den Abmessungen 1,60 m, 0,95 m und 0,40 m. Derselbe wurde