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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Verhalten von Marine-Chronometern bei verschiedenen Fenghtigkeitsgraden. 
wurden der Seewarte Mitte Oktober 1887 durch die Chronometer-Observatorien 
zu Kiel und Wilhelmshaven übersandt, and waren speciell durch den Vorstand 
des ersteren Institutes solche Instrumente ausgewählt worden, deren früheres 
Verhalten eine starke Beeinflussung des Ganges durch die Feuchtigkeit der 
atmosphärischen Luft vemuthen liefs. — Diese Instrumente wurden zum Zweck 
einer Vorprüfung zunächst im Chronometer-Prüfungs-Institute, Abtheilung IV 
der Seewarte, untergebracht, durch den Uhrmacher der Seswarte geöffnet und 
einer gründlichen Untersuchung in Bezug auf den Zustand des Oeles, auf die 
Schwingungsverhältnisse der Balance und (so weit Hülfskompensation angewendet 
worden war) auf die Beschaffenheit der Kontakte unterzogen. Es zeigte sich 
dabei, dafs iin Allgemeinen die Chronometer sich in gereinigtem und brauch 
barem Zustande befanden, wenngleich die ungenügend grofse Sehwiugungs- 
amplitude der Balance bei den Instrumenten 1 bis 3 die Vermuthung nahe 
legte, dafs der Zustand des Oeles kein vollkommen guter sein möge. Es wurde 
aufserdem bei dem Chronometer No. 4, Bröcking 884, die Bemerkung gemacht, 
dafs die Kontakte der Airy’schen Hülfskompensation schwach klebten, dafs 
also, im Falle auch eine Prüfung bei sehr verschiedenen Temperaturen beab 
sichtigt würde, eine Reinigung wünschenswerth sei. — Die letzte Reinigung der 
Chronometer No. 2, 3, 4 und 6 hatte im Januar resp. Februar 1887 statt 
gefunden; in Bezug auf No. 1 und 5 waren keine Angaben gemacht worden. — 
Die letzteren beiden Instrumente hatten aufserdem Anfangs einen grofsen, für 
die Rechnung unbequemen Gang, dessen Beseitigung durch den Uhrmacher der 
Seewarte vorgenommen wurde. 
Die Beobachtung der Chronometer bei Zimmertemperatur, 14 Q bis 18° C,, 
in Abtheilung IV hatte zunächst den Zweck, festzustellen, dafs diese Instrumente 
einen für die beabsichtigten Untersuchungen genügenden Grad der Zuverlässig 
keit besäfsen. Ferner zeigt die damals gewonnene Tabelle der mittleren täg 
lichen Gänge, dafs bei sämmtlichen Chronometern, wenn man von geringen, 
durch Temperatur-Differenzen hervorgerufenen Schwankungen absieht, eine 
Acceleration zweifellos vorhanden gewesen ist. 
Mittlere tägliche Gänge. 
Mittlere 
Tempe- 
ratnr 
QeMas 
Knoblick 
und 
Dencker 
1836 
iäppjsev 
149 
147 
Bröcking 
881 
Tiede 
280 
.1 
Tiede ,| 
806 ; 
1887 Okt. 28 bis Nov. 7 
Nov. 7 „ Nov. 17 
Q 
4-16,3 
16,4 
-i-2,62 
4-2,48 
-+-1,90 
4- 2,02 
& 
+ 1,81 
+ 
* i 
+ 1,75 
+1,86 
Nov. 17 Nov. 27 
16,7 
S 
4- 2,58 
4- 1,70 
4* 1,16 
i 
+1,71 
Nov. 27 „ Dez. 7 
- 2,01 
4- 2,15 
4-1,87 
4-0,97 
— 2,71 
+1,38 
Dez. 7 r Dez. 17 
16,1 
— 1,78 
4-2,37 
4-0,92 
4-0,47 
— 2,84 
+ 1,42 
Dez. 17 * Dez. 27 
15,6 
-1,97 
+ 2,40 
4- 0,95 
4-0,13 
— 2,61 
+1,29 \ 
Dez. 27 „ J#a. 6 
14,0 
— 2,36 
■+ %ÖQ 
— 0,07 
— 0,01 
— 2,79 
+ 1-32 j 
I 1888 Jan. 6 „ Jan. 16 
16.3 
— 3,M 
4- 2,19 
4- 0,66 
4- 0,05 
—4,17 
+ 0/^ i; 
jj 
Der Liehthof der Seewarte bot einen geeigneten Raum für die Auf 
stellung eines Apparates zur Prüfung der Chronometer bei verschiedenen 
Feuchtigkeitsgradeu, weil hier die hauptsächlichste Ursache der Gungünderimg, 
die Schwankungen der Temperatur, ziemlich beseitigt werden konnte. Wie 
frühere Beobachtungen gezeigt hatten, konnten nicht nur die Schwankungen 
während eines Tages bei einiger Vorsicht stets innerhalb zweier Grade erhalten 
werden, sondern es wichen auch-bei Anwendung einer mäfsigen Heizung während 
der Wintermonate die mittleren Tagestemperaturen während der verschiedenen 
Jahreszeiten nur um wenige Grade von einander ab. 
Der für die Prüfung benutzte, in der Ostecke des Lichthofes aufgcstellte 
Apparat bestand im Wesentlichen aus einem Kasten von gut ausgetrocknetem 
Tannenholz mit den Abmessungen 1,60 m, 0,95 m und 0,40 m. Derselbe wurde
	        
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