Verhalten von Marine-Ctironoßietern bei verschiedenen Fcnditigkeitsgraden,
107
3*
und dickes Wetter die Navigirung erschweren. Die vorliegenden Untersuchungen
erstrecken sich deshalb nur auf diese Zeit, und vier Kärtchen geben für die
Monate Juni, Juli, August und September ein Bild von der isothermischen
Yertheiluug des Oberflächenwassers, von Strömungen, Wind und Wetter.
Auf die Möglichkeit, Temperaturaessungen des Wassers mit Yortheil
für die Navigirung in dieser Gegend zu verwenden, ist bereits in diesen Annalen
bingewiesen worden (Annalen 1887 S. 245, 1886 S. 395).
Die Temperatur des Oberflächenwassers ist bei Kap Guardafui
meistens viel höher als bei Ras Hafun; im Juni, Juli und August beträgt die
selbe bei Kap Guardafui 26,7° C. (80° P.) und mehr, während sie bei Ras
Hafun unter 21,1° 0° (70° P.) bleibt.
Der Streifen kalten Wassers längs der afrikanischen Küste zwischen
Kap Guardafui nnd Ras Hafun tritt besonders hervor, obgleich der Mangel an
Beobachtungen es schwierig macht, seine Grenzen festzulegen. Im Juni liegt
die Isotherme von 23,8° C. (75° F.) nur 3 bis 4 Sm südlich vom Kap Guar
dafui, im August ist die Isotherme von 21,1° C, (70° F.) nicht über 20 Sm
entfernt.
Im September, wo der Südwest-Monsun allerdings noch weht, werden
die Verhältnisse etwas unsicherer, wenngleich auch dann südlich kaltes Wasser
vorhanden ist nnd die mittlere Temperatur bei Ras Hafun viel niedriger als
bei Kap Guardafui äst; andererseits kommen in der Nähe von ersterem auch
Stellen mit hoher, hei letzterem solche mit niedriger Temperatur vor. Ebenso
ist im Monat Mai, in welchem zum Theil der Nordost-Monsun noch weht, und
der Südwest-Monsun noch nicht seine volle Stärke erreicht hat, das Wasser in
dem ganzen Gebiete ziemlich warm.
Der Wind scheint in der Nähe des Kap Guardafui eine etwas süd
lichere Richtung anzunehmen, als südlich und westlich von demselben. Im
Juli und August weht er südlich vom Kap stets sehr frisch, im Juni und Sep
tember seltener. Es steht hier häufig eine sehr hohe See resp. Dünung, die
jedoch stets in Richtung des Windes läuft.
Der Strom setzt, soweit die wenigen Beobachtungen einen Schlufs ge
statten, nach Nordost, mit einer Geschwindigkeit von 20 bis 80 Sm per Tag;
letztere ist dem Winde entsprechend im Juli und August gröfser als im Juni
und September.
Das Wetter zeichnet sich in den vier Monaten Juni bis September
durch anhaltenden Nebel aus.
Bericht über die im Lichthofe der Deutschen Seewarte in der Zeit
vom 26. Januar bis 4. Juni 1888 ausgeführten Untersuchungen
zur Ermittelung des Verhaltens von lYlarine - Chronometern bei
verschiedenen Feuchtigkeitsgraden der atmosphärischen Luft.
Durch hohe Verfügung Seiner Excellenz des Herrn Chefs der Admiralität
vom 24. August 1887 wurde die Ausführung einer fundamentalen Beobaehtungs-
reähe zur Ermittelung des Verhaltens von Marine-Chronometern bei verschiedenen
Feuchtigkeitsgraden der atmosphärischen Luft angeordnet und die Direktion
der Deutschen Seewarte mit der Leitung der ganzen Untersuchung beauftragt.
Die für die Zwecke dieser Prüfungen von Seiten des Hydrographischen
Amtes zur Verfügung gestellten sechs Marine-Chronometer:
1. Knoblich und Dencker 1836,
2. Eppner 149,
3. Eppner 147,
4. Bröekiug 884,
5. Tiede 2§0,
6. Tiede 306,