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Aus den Reiseberichten S. M. S. „Hertha“, Kapt. z. See von Kall.')
Ueber die von Ende Juli bis Ende September 1882 von Simonstown
nach der Westküste von Afrika und von dieser nach den Kap Fm/e’scheo Inseln
von S. M. S. „Hertha“ ausgeführten Reisen berichtet der Kommandant Kapt. z. See
von Kall Nachstehendes:
1. Reise von Simonstown nach Lagos. August 1882.
„Am 29. Juli 1882 um 8 h a. m. verliefs ich die Rhede von Simonstown.
Verhältnifsmäfsig niedriger Barometerstand bei nordöstlichem Winde liefe West
wind erwarten, welcher zu dieser Jahreszeit in der Nähe des Kap der guten
Hoffnung meist stürmisch weht. Die von mir eingeschlagene Route schlofs
sieh zunächst bis ca 26° S-ßr und 6° O-Lg der allgemeinen Heimronte an,
welche in ihrem weitern Verlaufe die Insel St. Helena berührt; ich steuerte von
der angegebenen Position bis ca 18° S-Br und 3° O-Lg rw. NNW-Kurs und
dann nahezu rw. Nord bis 2° N-Br und 2° O-Lg. Von hier nahm ich dann
unter Berücksichtigung der Strom Verhältnisse Kurs direkt auf Lagos, woselbst
ich am 17. August Mittags ankerte.
Windverhältnisse. Ungefähr 60 Sm nordwestlich vom Kap der guten
Hoffnung hatte ich südwestlichen Wind erhalten; dieser wehte ziemlich kräftig,
so dafs das Schilf, obwohl der Wind schon am folgenden Tage auf Süd und
dann auf SE ging, in den nächsten vier Tagen durchschnittlich über 202 Sm im
Etrnal machte. Nach dieser Zeit wurde der Wind zwar schwächer, doch ging
derselbe ohne Unterbrechung und ohne Richtungsänderung direkt in den SE-
Passat über. Aus diesem Grunde läfst sich die südliche Grenze des SE-Passat-
windes schwer bestimmen, zumal in den eigentlichen Passatbreiten von ungefähr
21° bis 6° S-Br ständig bezogener Himmel gefunden wurde, welcher nur an
zwei Tagen eine astronomische Ortsbestimmung zuliefs. Auch der Uebergang in
den SW-Monsuü war unmerklich. Zwar wurde der Wind von ca 4° S-Br ab
sehr südlich, doch wehte ausgesprochener SW-Monsun erst von 2° N-Br an.
Die Stromversetzung wurde bis 3° N-Br westlich gefunden, an Stärke
wechselnd zwischen 3,7 und 32,9 Sm in 24 Stunden, und zwar mit Ausnahme
der Strecke von 8° bis 4° S-Br, wo dieselbe sich südlicher als West ergab,
nordwestlich.
Es ist dabei zu bemerken, dafs die Oberflächentemperatur des Seewassers
schon auf 1° N-Br durch Steigen um 2°, von 22,7° auf 24,7° C., den Ueber-
tritt in den Guineastrom anzuzeigen schien, während erst von 3° N-Br ab eino
entsprechende Stromversetzung nach südöstlicher Richtung sich ergab.“
2. Reise von Lagos nach St. Vincent. August und September 1882.
„Am 24. August 1882 um 3 tl 25™ p. m. verliefs ich die Rhede von Lagos,
um zunächst einige westlich derselben gelegene Punkte der Bucht von Guinea
anzulaufen und dann die Heimreise über die Kap Fm/e’schen Inseln fortzusetzen.
Nachdem die Plätze Whydah, Grand und Linie. Popo und Quitta angelaufen waren,
wurde am 29. August südwestlich gesteuert.. Dieser Kurs brachte mich auf
ca 1° N-Br und 4° W-Lg aus dem Bereiche des Gnineastromes in den des süd
lichen Aequatorialstromes Durch letzteren begünstigt, wurde zwischen 0,5° und
2° N-Br die Länge abgelaufen und erst von 22,5° W-Lg ab Nord gesteuert.
Am 13. September auf ca 6,5° N-Br und 22,5° W-Lg hörte der SE-Passat auf
und infolge der dann häufig sehr leichten und auch ungünstigen Winde wurde
erst am 20. September Abends die Insel Tirana erreicht, und am 23. September
Mittags in Porto Grande geankert.
') S. „Add. <1. Hr<lr. etc.-, 1881. pa<.;. 335, 337. 4M, 004: 1*82, pa*. 290, 407, CIO.