Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte.
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antraf, Die Gruppe der folgenden vier Schiffe, bestehend aus „Ventilia“,
„Hugo“, „Emma Römer“ und „Patagonia“, gebrauchte eine viel längere Zeit.
Dafs die Reise des letzteren Schiffes in so bedeutend kürzerer Zeit, als es die
Mitsegler thun konnten, ausgeführt wurde, ist anscheinend nur seiner gröfseren
Schnelligkeit zuzuschreiben. „Patagonia“ überschritt den Aequator in 29° W-Lg,
5 Tage später als „Hugo“ es in 24° W-Lg gethan hatte, und doch befanden
sich am 4. Dezember diese beiden Schiffe in 11° N-Br und 29° W-Lg ganz
nahe bei einander. Am Mittag des 13. Dezember war der Schiffsort von
„ Ventilia“ in 30,7° N-Br und 30,6° W-Lg, der von „Hugo“ in 26,9° N-Br und
34,8° W-Lg, der von „Emma Römer“ in 26° N-Br und 33,7° W-Lg und der
von „Patagonia“* in 31° N-Br und 32,5° W-Lg. Wie man sieht, standen „Hugo“
und „Emma Römer“, die beiden Schiffe, welche die Linie am weitesten östlich
geschnitten hatten, jetzt am weitesten westlich. Nördlich von 30° N-Br ge-
riethen die Mitsegler dann in das sich westlich und nördlich weit ausdehnende
Gebiet hohen Luftdrucks, welches Karte Ia zeigt. In demselben wurden mäfsige
östliche und. südöstliche Winde angetroffen, bei denen „Ventilia“ einen Ost von
den Azoren hin führenden Kurs, die anderen drei Schiffe für die westlichsten
Inseln dieser Gruppe steuerten. „Ventilia“ scheint es auf diesem ihrem Wege
nicht günstiger als die Mitsegler getroffen zu haben, denn am 22. Dezember
Mittags befand sie sich in 39,8° N-Br und 24° W-Lg, während „Patagonia“
schon in 46,2° N-Br und 24,2° W-Lg stand. Die Zurücklegung des letzten, nörd-
Jich von 40° N-Br liegenden Reiseabschnitts wurde noch bei allen vier Schiffen
durch anhaltende Nord- und Ostwinde erschwert, die zum Theil verursacht
wurden durch jene, sich während der letzten Woche des Dezember im östlichen
Theile des Atlantik nach Südost bewegenden Depression (siehe Karte II). Bei
„Patagonia“ wehten diese Winde am 23. und 24, Dezember in orkanartiger
Stärke.
Unter den fünf, nördliche Breite im Monat Dezember erreichenden Schiffen,
„Marie Louise“, „Papa“, „Parsifal“, „Ceres“ und „Hercules“, vollendete „Marie
Louise“ mit 48 Tagen die längste Fahrt von allen in der Liste enthaltenen
Schiffen. Es war dies Ergebnifs jedoch sehr wahrscheinlich nur theilweise eine
Folge schlechter Windrerhältnisse und wohl ebensoviel der nicht grofsen Segel-
fähigkeit des Schiffes zuzuschreiben, Auf der zwischen Aequator und 10° N-Br
liegenden Strecke verbrachte „Marie Lowise“, infolge des schwer zu über-
schreitenden Stillengürtels, gleich 4 Tage länger als die Mitsegler. Auch den
Passat traf dieses Schiff, ebenso wie „Papa“, wenig beständig an. Als sich
diese beiden Mitsegler am 25. Dezember in etwa 22° N-Br und 29° W-Lg nahe
bei einander befanden, wurde der Passat dort an 2 Tagen durch Stille‘ und
leichte westliche Mallung unterbrochen. Die Zurücklegung des ganzen übrigen
Theiles der Reise zum Kanal mufste schliefslich bei vorherrschend aus östlicher
Richtung wehenden Winden ausgeführt werden. Günstigere Verhältnisse als
diese eben erwähnten fanden die anderen drei zu dieser Gruppe gehörenden
Schiffe. „Parsifal“ und „Ceres“ hatten zwar nördlich von 30° N-Br auch noch
gegen östliche Winde zu kämpfen, doch war dies nicht in dem Maße, wie bei
„Marie Louise“ und „Papa“ der Fall, Die Ostwinde traten bei jenen beiden
Schiffen, als sie sich am 13. und 14, Januar: der Nordostecke des: grofsen, auf
Karte V verzeichneten Gebietes hohen Luftdrucks näherten, in Gestalt heftiger
Stürme auf, „Hercules“ traf diese Winde nicht an; derselbe wurde vielmehr
auf dem letzten Reisenbschnitt am längsten von Westwinden begünstigt und
war eben aus dem Grunde im Stande, die kürzeste Reise unter don von diesen
Mitseglern ausgeführten zu vollenden. Am 18. Januar hatten die letzteren drei
Schiffe, wie auch „Papa“, einen heftigen Weststurm überstanden, der von einer
von Nordwesten hergekommenen Depression verursacht worden war (siehe
Karte V). Um 8 Uhr Morgens beobachtete man an Bord der in 46° N-Br und
22° W-Lg stehenden „Ceres“ Westnordwestwind (Stärke 10), während gleich-
zeitig bei dem sich in 46° N-Br und 18° W-Lg befindenden „Papa“ der Wind
aus SSE (Stärke 10) wehte.
Unter den Schiffen, welche den Aequator im Januar verließsen, befindet sich
die nur 94 Registertonnen grofse Galliot „Franziska“, die mit ihrer Besatzung
von fünf Mann und trotz ihrer geringen, kaum 7 Sm erreichenden Schnelligkeit
die Fahrt zum Kanal doch in der befriedigend kurzen Zeit von 41 Tagen