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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte.
Mallung antrafen. „Nestor“ hatte östlich von den Kap Verden nach Süden
gesegelt, während „Ferdinand“ und „Martha“ der westlicheren Route gefolgt
waren. Am Mittage des 29. Januar hatte sich „Nestor“ in 21° N-Br und
21,3° W-Lg, „Ferdinand“ in 25° N-Br und 23° W-Lg und „Martha“ in 25,5° N-Br
und 21,3° W-Lg befunden. Die beiden letzteren Schiffe segelten damals schon
bei mäßigem Nordost-Passat, während bei „Nestor“ noch immer leichter West-
wind herrschte. Zur äquatorialen Passatgrenze gelangte „Nestor“ in 5,5° N-Br
und 23,7° W-Lg am 4. Februar, „Ferdinand“ in 3° N-Br und 28,5° W-Lg am
6, Februar und „Martha“ in 3° N-Br und 25,3° W-Lgy am 7. Februar. „Nestor“
fand es dann auch am schwierigsten, den Südost-Passat wieder zu erreichen,
während „Ferdinand“ ohne irgend eine Verzögerung vom Gebiete des Nordost-
in das des Südost-Passats überging. Am 9. Februar Mittags war der Schiffsort
von „Nestor“ in 1,2° S-Br und 26,1° W-Lg, der von „Ferdinand“ in 2,8° S-Br
und 30,8° W-Lg und der der „Martha“ in 0,1° N-Br und 26,6° W-Lg. Von
den drei Mitseglern hatte das am weitesten westlich stehende Schiff die besten
Verhältnisse angetroffen.
Aehnlich gleichmäfsig, wie die Reisen der drei eben erwähnten Schiffe,
verliefen auch die Fahrten von „Paul Thormann“ und „Weser“. Der Anfang
ihrer Reisen war von ähnlichen, nur noch ungünstigeren Verhältnissen begleitet,
wie sie schon bei „Nestor“, „Ferdinand“ und „Martha“ hervorgehoben worden
sind. Besonders wurde ', Weser“ durch nördlich von 30° N-Br angetroffene
südwestliche Winde weit nach Osten hin verdrängt. Der Nordost-Passat setzte
bei „Paul Thormann“ in 26,8° N-Br und 19,4° W-Lg am 2. Februar, bei „ Weser“
in 28,1° N-Br und 15,1° W-Lg am 4. Februar ein. Beide Schiffe folgten darauf
der östlich von den Kap Verden liegenden Route. Sie fanden dort aber keinen
sehr günstigen Passat; wenigstens traf denselben gleichzeitig der von New-York
herkommende, also bedeutend westlicher stehende Mitsegler „Carl Both“ frischer
an. Um den Stillengürtel zu überschreiten, war für dieses Schiff dagegen be-
deutend längere Zeit erforderlich, als für die beiden Mitsegler,
Die letzten sechs von den in der Liste enthaltenen Schiffen, welche auf
der Fahrt von nordamerikanischen Häfen zum Aequator begriffen waren, konnten
ihre Reisen in befriedigend rascher Weise vollenden. Auch die Fahrt der sehr
grofsen schnell segelnden „Terpsichore“ nahm trotz nicht sehr günstiger Ver-
hältnisse doch einen guten Verlauf. Nur mufste dieses Schiff später infolge des
reichlich westlich gelegenen Schnittpunktes der Linie in südlicher Breite wieder-
holt gewendet werden. Die drei Schiffe „Deutschland“, „Amor“ und „Carl
Both“ wurden auf dem nördlich von 30° N-Br liegenden Reiseabschnitte wieder-
holt von Stürmen beunruhigt. Begünstigt wurden sie hingegen vom frisch
wehenden Nordost-Passat und dem bei „Deutschland“ und „Amor“ stattfindenden
ungestörten Uebergange zum Gebiete des Südost-Passats. Ungewöhnlich stür-
misches Wetter trafen die beiden Mitsegler „Jda“ und „Agustina“ bald nach
ihrer Abreise von New-York an. Dieselben wurden am 14. und 15. Februar
von einem orkanartigen Sturm überrascht, der, wie aus Karte VII ersichtlich,
von Florida herkommend, sich längs der Küste der Vereinigten Staaten nach
NO bewegte. Der Sturm begann, wie es der Richtung der Bahn entsprach,
bei beiden Schiffen aus NO, worauf dann später eine Veränderung des Windes
nach Westen stattfand. Den Nordost-Passat trafen diese Schiffe erst südlich
von 25° N-Br frisch und beständig an, auch wurden sie in der Nähe des
Aequators längere Zeit durch Mallung zurückgehalten, als es die Gruppe der
letzterwähnten Schiffe geworden war.
4, Reisen von Süd nach Nord.
Bei der Seewarte wurden die Journale von 20 Schiffen eingeliefert, die
während des vorliegenden Winter-Quartals Reisen vom Acquator nordwärts
ausführten. Dieselben nahmen alle keinen sehr raschen Verlauf. Das Mittel
der 18 nach Europa bestimmten Reisen betrug 38 Tage, während die eine
Fahrt nach New-York in 25 Tagen vollendet wurde. Die schnellste von jenen
hatte eine Dauer von 28 Tagen, während die längste 48 Tage in Anspruch
nahm. „Andromeda“, das zuerst angeführte Schiff, erreichte Lizard nach ver-
hältnifsmäfsig kurzer Fahrt von 33 Tagen. Es konnte dies, weil es zwischen
0° und 10° N-Br und später östlich von 30° W-Lg recht günstige Verhältnisse