Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte,
5925
dann jedoch durch orkanartige Weststürme, bei denen der Luftdruck am 15, De-
zember bis auf 717mm sank, nach 63,5° N-Br in 0° Länge zurückgedrängt
worden. Nach dieser Zeit nahm „Doras“ Reise zwar einen weniger stürmischen
Verlauf, aber infolge der in hohen Breiten fortwährend auftretenden Depressionen
plieb die Windrichtung doch meistens eine ungünstige. „Bertha“ wurde da-
gegen vom 23. bis zum 27. Dezember von kräftigen NE-Winden, die durch eine
westlich von und nahe bei Portugal gelagerte Depression verursacht wurden,
begünstigt (siehe Karte IV). Dieselben Verhältnisse begünstigten auch die
drei anderen Mitsegler, welche einige Tage nach „Bertha“ den Kanal verlassen
hatten. Die Schiffsorte veränderten sich dann während der folgenden Tage in
der Weise, dafs am 3. Januar Mittags sich „Dora“ in 60,3° N-Br und 24,5° W-Lg,
„Bertha“ in 28° N-Br und 24,7° W-Lg, „George Washington“ in 32,7° N-Br und
22,4° W-Lg, „Maryland“ in 35,6° N-Br und 22,1° W-Lg und „Diamant“ in 36,8°
N-Br und 22,5° W-Lg befanden. Die Wetterlage war damals für die letzteren
vier Schiffe recht günstig. Sie befanden sich, wie Karte III zeigt, an der Ost-
seite eines sich weit westwärts ausdehnenden Gebietes hohen Luftdrucks, dessen
nördliche, die Schiffe rasch südwärts führenden Winde später ohne vorhergehende
Störung zum Passat wurden, „Dora“ dagegen war im Bereiche eines grofsen
Depressionsgebietes, in dessen zwischen Grönland und Island gelegenem Centrum
der Luftdruck bis auf 720mm sank. Da diese Verhältnisse längere Zeit an-
hielten, wurde dieses schliefslich auch nach Süden strebende Schiff derartig
nach Osten hin zurückgedrängt, dafs der Schiffsort am 11. Januar 54° N-Br in
17,8° W-Lg geworden war. „Bertha“ befand sich gleichzeitig schon in
23,2° N-Br und 46,7° W-Lg, „George Washington“ in 20,8° N-Br und 43,2° W-Lg,
„Maryland“ in 33,5° N-Br und 45,6° W-Lg und „Diamant“ in 24,1° N-Br und
41° W-Lg. Zwischen den Schiffsorten von „Dora“ und „Bertha“, den beiden
Schiffen, die gleichen Abgangs- wie Bestimmungshafen hatten, lag num eine
Entfernung von etwa 2300 Sm. Bei fast allen südlich stehenden Schiffen war
der Passat am 11. Januar infolge einer flachen, sich im westlichen Theile des
Atlantik vom Tropengebiete nach Norden bewegenden Depression gestört (siehe
Karte V). Begleitet von den in solchen Fällen gewöhnlichen Erscheinungen,
wie Gewitter und regnerisches Wetter, beobachtete man an zwei Tagen leichte
westliche Winde und Mallung. Bei „Dora“. hatte dagegen der Wind, da das
Schiff sich an diesem Tage westlich von einer tiefen Depression und östlich
von einem sich bildenden, mehrere Tage anhaltenden Gebiete hohen Luftdrucks
befand, die günstige Nordrichtung angenommen, so dafs sich zum ersten Male
seit langer Zeit von diesem Schiffe wieder ein einigermaßen befriedigender
Fortgang erzielen lief. Da sich jedoch später aufs Neue anhaltende West-
winde einstellten, blieb das Gutmachen von Länge doch äufserst schwierig, und
selbst nachdem man bis zum 1. Februar nach 32° N.Br in 44° W-Lg gekommen
war, hielt sich der Wind anhaltend im westlichen Halbkreise. Die allgemeine
Wetterlage hatte sich damals dahin verändert, dafs das Gebiet hohen Luftdrucks
sich mehr im westlichen und südlichen Theile des Atlantik hielt, während in
der Nähe der nordamerikanischen Küste wiederholt Depressionsgebiete auftraten.
Die Folgen dieser Verhältnisse waren eben jene erwähnten ungünstigen Winde.
Am 1. März, nicht weniger als 77 Tage später, nachdem man sich bei Fair
Island befunden hatte, ankerte „Dora“ im Hafen von New-York, „Bertha“
wie „George Washington“ und „Diamant“ hatten dasselbe am 28. Januar ge-
than, während „Maryland“ die Chesapeake-Bai am 30. Januar erreichte. Die
Reisen der vier letzteren Schiffe waren für Winterreisen recht günstige gewesen.
Dagegen giebt die Reise der „Dora“ durch ihre lange Dauer, wie durch die sie
begleitenden Beschwerden aufs Neue einen Beweis gegen die im Spätherbst und
Winter so wenig empfehlenswerthe Route in den hohen Breiten des Nordatlantik,
Der Verlauf der Reisen der folgenden vier Schiffe der Liste, welche im
Januar den Kanal verließen, war kein solch befriedigender, wie der der vorher-
gehenden. Und zwar war dieses zum Theil eine Folge der schon gleich anfangs
im offenen Ocean angetroffenen ungünstigen Verhältnisse. Es waren deshalb
für sie im Mittel 24 Tage erforderlich, um von 10° nach 30° W-Lg zu gelangen,
während jene Gruppe nur 12 Tage für dieselbe Strecke benöthigt hatte. Es
traten damals, wie Karte V zeigt, in den mittleren Breiten des östlichen Atlantik
mehrere sich langsam und in unregelmäfsiger Bahn bewegende Depressionen auf,