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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

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Vierteljahrs -W etter-Rundschau der Deutschen Seewarte. 
jer letzten Woche des Dezember den Kanal verliefsen, verliefen in rascher 
Weise. Wenig günstig waren die, welche im Januar und Februar angetreten 
wurden, und ganz unbefriedigend war die Fahrt der „Dora“, welche von Fair 
[sland her den Atlantik betrat. Recht rasche Reisen konnten dagegen die drei 
nach den Golfhäfen bestimmten Schiffe ausführen. Die Tabelle zeigt, dafs der 
erste, zwischen 10° und 30° W-Lg liegende Reiseabschnitt am schwierigsten zu 
überwinden war. Das Mittel der dort von den Schiffen zugebrachten Zeit ist 
18 Tage, schwankend zwischen den gröfsten Abweichungen von 28 und 11 Tagen. 
Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dafs während dieser Zeit neben der Länge 
die gröfste Entfernung in der Nord—Süd-Richtung zurückgelegt werden mulste. 
Immerhin sind hier jedoch die Abweichungen vom Mittelwerthe bemerkenswerth. 
Auf den übrigen Reiseabschnitten fanden solche in dem Mafse kaum mehr statt. 
Entsprechend diesen Verhältnissen zeigt der erste Theil der Reisen fast aller 
Schiffe eine häufßge Beunruhigung durch Stürme, während der letzte Reise- 
abschnitt weniger stürmisch verlief. Aufserordentlich viele und heftige Stürme 
beobachtete man während der in höherer Breite begonnenen Reise der „Dora“. 
Passatwind wurde von fast allen, dessen Gebiet aufsuchenden Schiffen in einiger- 
mafsen befriedigender Stärke und Regelmäfsigkeit angetroffen. 
Die „Magdalene“, das erste der in der Liste angeführten Schiffe, verlie(s 
den Kanal in den letzten Tagen des November. Sie verfolgte bei den im 
offenen Ocean angetroffenen günstigen Nord- und Ostwinden einen südwestlichen 
Kurs, auf dem man bis zum 1. Dezember nach 42,5° N-Br in 23° W-Lg vor- 
rücken konnte. Es lagerte damals, wie Karte I’) zeigt, über dem mittleren Theile 
des Oceans ein, sich in der Ost—West- Richtung weithin ausdehnendes Gebiet 
hohen Luftdrucks, bei dessen umlaufenden, meist ungünstigen Winden sich zu- 
nächst ein befriedigender Fortschritt nicht mehr erzielen liefs. Als „Magdalene“ 
sich am 8. Dezember in der Nähe von 35° N-Br und 27,5° W-Lg befand, er- 
folgte dort bei auf 759,2 mm gesunkenem Luftdruck ein Ausschielsen des Windes 
ron SW8 nach N10. Das Schiff stand damals nahe am Centrum einer kleinen, 
sich nach Ost bewegenden Depression, deren Auftreten sich in den täglichen 
Karten nur am 8. und 9. des Monats verfolgen läfst (siehe Karte II). Als 
„Magdalene“ westwärts von derselben gekommen war, blieb der kräftig wehende 
Wind für lange Zeit östlich, und es entwickelte sich aus demselben später der 
Passat, ohne dafs vorher eine Störung beobachtet wurde. Die erste Verzögerung 
erfolgte erst wieder, als man am 26. Dezember zu der in 28° N-Br und 68° W-Lg 
liegenden polaren Passatgrenze gelangt war. Nördlich von derselben wurde das 
Schiff später noch wieder von kräftigen Ostwinden, die eine Folge eines über 
äem nordöstlichen Theile der Vereinigten Staaten gelagerten Maximums waren, 
begünstigt. Am 3. Januar, 39 Tage später, als der Kanal verlassen worden 
war, erreichte „Magdalene“ den Hafen von New-York. 
„Dora“, „Bertha“, „George Washington“, „Maryland“ und „Diamant“, 
die nächsten fünf Schiffe der Tabelle, begannen ihre Reisen im Dezember. 
„Bertha“, „George Washington“ und „Diamant“ folgten der Passatroute, 
„Maryland“ legte den gröfsten Theil der Länge zwischen 32° und 34° N-Br 
zurück, während „Dora“ den im Winter so wenig empfehlenswerthen Weg 
Nord um Schottland einschlug. Mit Ausnahme der Reise dieses letzteren Schiffes 
nahmen die Reisen der übrigen vier Mitsegler einen recht günstigen Verlauf. 
„Diamant“ gebrauchte nur 34 Tage zur Fahrt über den Ocean gegen 77, welche 
für „Dora“ erforderlich waren. Dies letztere Schiff war am 2. Dezember und 
„Bertha“ am 1. Dezember von der Weser aus in See gegangen. Beide Schiffe 
hatten in der Nordsee zunächst gegen anhaltende Südwestwinde zu kämpfen, 
die meist eine Folge weit ausgedehnter Depressionen, deren Centrum oft in der 
Nähe von Island lag, waren. „Dora“, des freilich höchst beschwerlichen 
Kreuzens gegen diese Winde müde, liels sich dann verleiten, abzuhalten für 
Fair Island, während „Bertha“ vorzog, auszuharren und auf günstigen Wind, 
Jer ein Erreichen des Kanals ermöglichte, zu warten. Sie passirte Dover am 
20. Dezember und kreuzte den Meridian von 10° West am 23. Dezember, zwei 
Tage später, als „Dora“ dasselbe in 60° N-Br gethan hatte. Dies letztere Schiff 
hatte sich schon am 14. Dezember in der Nähe von Fair Island befunden, war 
'y Die zugehörigen Karten befinden sich in Heft X und XI auf Tafel 16, 17, 19, 20.
	        
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