Die Fluthwelle des Stillen Oceans im März 1888,
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für alle Fälle zwei Kisten mit Proviant und Getränken unter einem grofsen
gekennzeichneten Baum bei dem Landungsplatze vergraben. Die Fluthwelle hat
an diesem Theile von Neu-Pommern die früher mit dichtem Walde bestandene
Küste in einer Breite von ungefähr 1km vollständig rasirt, auf vielen Strecken
versumpft und mit übereinander gestürzten Bäumen, abgebrochenen Korallen-
felsen, Seesand und einer Menge faulender Fische bedeckt. Die an den Steil-
abhängen gemachten Messungen ergaben hier eine Höhe der Fluthwelle von 12 m.
Wie zu erwarten war, hat sich die Fluthwelle auch an anderen Küsten
des deutschen Schutzgebietes bemerkbar gemacht, ohne jedoch erheblichen
Schaden angerichtet zu haben. In Hatzfeldt-Hafen, an der Küste von Neu-Guinea,
wurde am 13. März kurz nach 6 Uhr Morgens ein schufsartiges Getöse aus
nordnordöstlicher Richtung gehört, um 6 Uhr 40 Minuten kam eine erstaunlich
hohe Fluthwelle aus N an, die 2 m über die höchste Fluthmarke stieg und dann
äufserst rasch wieder zurückwich, so dafs der halbe Hafen trocken fiel. Das
nunmehr beginnende Wechselspiel zwischen Fallen und Steigen, das Intervalle
von 3 bis 4 Minuten umfalste, dauerte wesentlich bis gegen 9 Uhr Morgens.
Um 8 Uhr betrug die Höhe der Fluthwelle 7 bis 8m, so dafs für die
Station ernstliche Gefahr bestand. Im Laufe des Vormittags verlor sich dann
die Bewegung allmählich, wobei aber das Wasser immer noch in stetigen
Zwischenräumen stieg und fiel, bis gegen 6 Uhr Abends der normale Pegel-
stand wieder erreicht war.
In Kelana, der neu gegründeten Pflanzungsstation bei Kap König Wilhelm,
trat die Erscheinung von NO her um 6'/2 Uhr ein; die erste Fluthwelle drang
bis 25 Fufs ins Land, die vierte aber 35 Fuß; diese war die gröfste der beob-
achteten 20 Wellen, welche etwa alle 3 Minuten eintraten. Die ganze Er-
scheinung wurde bier nur während einer Stunde beobachtet. Irgend eine
weitere auffällige Naturerscheinung wurde nicht wahrgenommen; das Wetter
war windstill und trübe. Am Morgen des 14. März war die ganze Küste
weithin mit Bimssteinstückchen bedeckt.
Von Matupi wird berichtet, dafs dort von 8'/4 bis gegen 11 Uhr Vor-
mittags die See von der Insel zeitweise 12 bis 15 Fuls unter den Stand des
niedrigsten Niedrigwassers zurückwich und dann in einzelnen sich erhebenden
Wellen um ebensoviel über die Hochwassermarke stieg. Die Erscheinung zeigte
sich wesentlich an der Südost- und Nordseite der Insel, während die Westseite
unberührt blieb; die Wellen kamen theils aus Süd, theils aus WNW. Das
Wasser schien in seinen Tiefen aufgerührt, es sah trüb aus und trug schmutzigen
Schaum. KErderschütterungen oder ein unterirdisches Rollen wurden nicht be-
merkt. Das Wetter war heiter, und es herrschte eine schwache SO-Briese.
Auch an der Südseite der Gazelle-Halbinsel wurde das Phänomen von einem
dort vor Anker liegenden Schiffe bemerkt.“
Soweit der in den „Nachrichten über Kaiser Wilhelms-Land und den
Bismarck-Archipel“ enthaltene Bericht. Ueber das weitere Fortschreiten der
Fluthwelle ist bisher nichts bekannt geworden, doch ist es nicht unwahr-
scheinlich, dal sie sich weiter fortgepflanzt hat.
In Sydney und Arica wurden vom 14. bis 17. März d. J. außsergewöhn-
liche Bewegungen der Meeresoberfläche beobachtet, welche möglicherweise im
Zusammenhang mit der genannten Fluthwelle standen. In Arica wurde, wie der
in Valparaiso erscheinende „Mercurio“ vom 23. März d, J. berichtet, am
14. März gegen 5 Uhr Nachmittags in der Ferne eine ungeheure Welle bemerkt,
welche beim Näherkommen an Höhe zunahm und sich in der Nähe der Mole
mit grofser Gewalt brach. Derselben folgten rasch nach einander drei grofse
Wellen. Von den mit Einnahme der Ladung beschäftigten Fahrzeugen wurden
mehrere zertrümmert und andere umgeworfen. Das Meer war noch längere Zeit
3o bewegt, dafs das Einschifen von Gütern mit Schwierigkeit verknüpft war.
An der Insel vor dem Hafen brandete das Meer noch längere Zeit äufserst heftig.
Nach der englischen Zeitschrift „Nature“ zeigten am 15., 16. und 17. März
die Fluthkurven des in Sydney befindlichen, selbstregistrirenden Pegels Ab-
weichungen von ihrer gewöhnlichen Form, welche anscheinend durch Erdbeben-
wellen verursacht worden sind.