Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Brazileira“.
515
Tiefe von 31 m (17 Fad.). Die Lagune hat eine Breite von 2 bis 4 Sm und
ist ziemlich frei von Korallenbänken. Am 3. August um 9 Uhr Vormittags
gingen wir wieder weiter, mufsten wegen der fiauen nördlichen Briese einige
Male wenden und kamen erst um 12 Uhr durch die Passage an der Südseite
der Lagune. Vom 7. bis 12, August lag das Schiff in der Lagune von Uleat,
welche wir wieder durch die Raur-Passage verliefsen. Die Karten dieses
Atolls habe ich ziemlich richtig befunden.
Am Morgen des 23, August steuerten wir bei flauer südlicher Briese
nach der Einfahrt von Yap, welche um 8 Uhr mw. WNW peilte. Um 11 Uhr
kam der Vorsteher der Station, Herr Consenn, an Bord, unter dessen Leitung
wir um 1 Uhr Nachmittags den Ankerplatz bei der Station auf einer Tiefe von
34m (19 Fad.) erreichten. Der Kurs hierher verändert sich allmählich von
WNW nach NzO. Während unserer Anwesenheit hierselbst, vom 24. August
bis zum 5. September, war der Wind meistens flan und still, vorwiegend aus
südlicher Richtung, mit heftigen Regenböen, ausgenommen vom 30, August bis
2, September, in welcher Zeit lebhafter bis steifer SSW- bis SSE-Wind wehte,
Am Nachmittage des 5. September sprang der Wind um 2'/a Uhr in einer Böe
von SW auf NW, die Luft war böig und dick. Wir machten das Schiff ver-
mittelst einer Leine an einem Kokosbaum fest, lichteten Anker — welche beide
fertig zum Fallenlassen gemacht wurden —, setzten Segel und steuerten bei
steifer Briese von NW und unter Leitung des eben genannten Herrn, der uns
bis aufserhalb der Passage begleitete, aus dem Hafen von Yap.
Am Morgen des 8. Oktober 1886, als wir uns auf der Rückreise nach
Jaluit befanden, beobachteten wir an der Ostseite der Insel Ponape bei Wind-
stille einen starken Oststrom. Am Nachmittage segelten wir bei Tebhafter öst-
licher Briese, unter Führung eines Eingeborenen, nach der Insel Nukora und um
1!/2 Uhr durch die Mants-Passage, steuerten darauf zwischen den vielen Korallen-
bänken der Lagune hindurch und ankerten um 3!/2 Uhr auf einer Wassertiefe von
65m (36 Fad.). Am 14, Oktober wurde der Hafen von Ponape mit der Be-
stimmung nach Jaluit wieder verlassen. Um 11 Uhr lichteten wir Anker, ließsen
das Schiff vor einer Leine, die wir schon früh am Morgen am Lande befestigt
hatten, herumschlagen, setzten Segel und passirten um 1. Uhr Nachmittags
durch die Passage. Während unserer Anwesenheit in Ponape war der Wind
sehr unbeständig, von NE durch SE und S bis W, und die Luft dick von
feinem Regen. Auf der Weiterreise beobachteten wir am Nachmittage des
21. Oktober in der Nähe der Insel Pingelap, unter welcher das Schiff, zwecks
Landung einer Anzahl dort beheimatheter Leute, ab- und anlag, bei südöst-
lichem Winde einen starken Weststrom, der uns von der Insel absetzte. Am
80. Oktober erreichten wir Jaluit wieder, woselbst das Schiff um 8% Uhr
Morgens auf 29m (16 Fad.) zu Anker ging.
Unser Aufenthalt in Jaluit erstreckte sich diesmal bis zum 25. Dezember,
In dieser Zeit wurden verschiedene Reparaturen ausgeführt, die Besatzung des
Schiffes gewechselt und das Kommando desselben von Kapt. Schlüter auf
Kapt. Robeck übertragen. Vom 30. Oktober bis zum 19. November fanden
häufig Böen mit Regen von SE und ESE statt. Der Schiffsverkehr war während
anseres Aufenthalts ein recht reger; aufßser verschiedenen kleinen Kuttern liefen
ein: der Dreimastschoner „Anna“, Kapt. Meinschien, aus Blankenese, die
eiserne Bark „Sophie“, Kapt. Schönwand, aus Hamburg, der Dreimastschoner
„Amoy“, Kapt. Kröger, aus Blankenese, und die Schoner „Estelle“, Kapt.
Schneider, und „Milly“, Kapt. Lesemann, aus Jalutt.
Nachdem das Schiff mit Proviant für die Karolinen beladen war, lichteten
wir am 24, Dezember den Anker, trieben bis südwestlich von den Schiffen und
gingen dort wieder vor Anker. Am folgenden Morgen gingen wir um 5% Uhr
unter Segel, steuerten durch die Lagune und passirten um 12 Uhr Mittags durch
die Südwest-Passage, bei lebhaftem ENE-Winde die Reise nach den Karolinen
antretend. Als wir am 23, Januar 1887 unter Führung des. schon genannten
Herrn Consenn in die Lagune.von Yap einlaufen wollten, trieb das Schiff,
infolge davon, dafs es bei der flauen Briese nicht Fahrt genug hatte, um beim
Aufluven hinreichend weit gegen den Wind in die Lagune hineinzuschiefsen, mit
der Seite an das Dunich-Riff. Es wurde ein Wurfanker mit Leine nach dem
Riff an .der Nordseite der Einfahrt gebracht und das Schiff nach seinem
or