Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Brazileira“,
511
Am 6. Januar um 1 Uhr Nachmittags wurde Uleai wieder verlassen und
die Reise nach Yap angetreten. Am 8, Januar, als die Witterungsverhältnisse
wieder astronomische Beobachtungen gestatteten, fanden wir eine so starke süd-
westliche Versetzung, dafs es uns nicht möglich war, mit dem herrschenden
NE-Winde die Passage von Yap zu erreichen. Da der südwestliche Strom im
Süden der Insel bedeutender als an der Westseite derselben ist, so hielten wir,
am aufkreuzen zu können, dorthin. Am 11, Januar um 10 Uhr Vormittags kam
ein Trader an Bord, unter dessen Anleitung wir durch die Passage von Yap
segelten und um 11!/2 Uhr auf einer Tiefe von 36 m (20 Fad.) zu Anker kamen.
Die Rückreise antretend, segelten wir am 19. Januar um 9! Uhr a. m.
bei frischer nordöstlicher Briese wieder aus der Lagune von Yap. "Trotz
einer- bedeutenden See glückte es uns, an diesem und dem folgenden Tage
54 Sm aufzukreuzen. Vom 20. bis zum 21. war der Wind leichter, so dafs es
nür möglich war 34 Sin zu gewinnen, wobei auch wohl etwas Strom nach SW
mitwirkte. Am Morgen des 24, Januar sichteten wir die Insel Kama in mw.
SzW 8 Sm entfernt. Als wir uns derselben mehr genähert, ging um 9 Uhr der
Kapitän mit dem Boot aus Land, um Arbeiter anzuwerben. Zwei Stunden
apäter kam derselbe wieder an Bord zurück. Im folgenden Etmal wurde die
Reise bei veränderlichen Winden mit Böen und Regen und von Stillen unter-
brochen fortgesetzt. Am Abend des 25. um 7 Uhr wurden die Fischerfeuer
auf dem Riff der Insel Uleai gesichtet, Wir drehten bei, um den Tag abzu-
warten, und setzten dann den Kurs auf Uleai. Um 9! Uhr gelangte das Schiff
in die Einfahrt zur Lagune, und eine Viertelstunde später liefsen wir auf einer
Wassertiefe von 19,8m (11 Fad.),. die Station in der Peilung Ost, den
Anker fallen. ;
Am 28, Januar um 8 Uhr Morgens verliefsen wir diesen Ankerplatz, be-
stimmt nach Ruk, nachdem wir einen Passagier an Bord genommen hatten, der
vorgab, auf der letztgenannten Insel bekannt zu sein. Um 11 Uhr peilte die
Insel Raur mw. NWzN, 8 Sm entfernt. Im Anfange wurde die Weiterreise bei
leichter östlicher bis ostnordöstlicher Briese fortgesetzt, worauf am 31. Januar
uam 6 Uhr Abends die Insel Elato in einem Abstande von 12 Sm passirt und
um 12 Uhr Mittags den 1. Februar die Insel Satawal in mw. Ost, 12 Sm ent-
fernt, in Sicht gelaufen wurde. Bei sehr leichtem Winde steuerten wir auf die
Insel zu, bis es um 6 Uhr Abends, als dieselbe ungefähr 8 Sm entfernt war,
windstill wurde, so dafs das Schiff nicht zu steuern war. Nachdem das Schiff
während der Nacht bei flauer, unbeständiger Briese ab und an gelegen hatte,
fuhr der Kapitän am folgenden Morgen um 9 Uhr mit dem Boot an das Land.
Um 1 Uhr Nachmittags, als das Boot zurückgekehrt, standen wir wieder von
der Insel ab. Um 6'2 Uhr Morgens den 3. Februar segelte das Schiff über
eine Stelle hinweg, an der man deutlich den Meeresboden sehen konnte, die
aber von einer so geringen Ausdehnung war, dafs wir keine Zeit hatten, das
Loth zu werfen. Nachdem 42 Sm nach rw. N zurückgelegt waren, befand
sich das Schif um 12 Uhr Mittags nach astronomischen. Beobachtungen auf
38° 16’ N-Br und 147° 14‘ O-Lg. Wenn die Untiefe, die in der Karte in
8° 8‘ N-Br und 147° 16‘ O-Lg angegebene und als zweifelhaft bezeichnete
Oraitilipu-Bank war, so muß dieselbe etwa 34’ südlicher liegen.
Am 7. Februar um 6 Uhr Morgens kam die Ruk-Inselgruppe (auch Truk-
oder Hogolu-Gruppe genannt) in Sicht, indem die Insel Tol, 25 Sm entfernt,
mw. N'/zW peilte. Um 12 Uhr Mittags war die Insel Onan in die Peilung NO mw.
4 Sm gebracht, worauf es uns nach fortwährendem Kreuzen während des Nach-
mittags um 6 Uhr Abends gelang, dicht unter der Insel Falubequets auf einer
Wassertiefe von 12,5 bis 14,5m (7 bis 8 Fad.) einen Ankerplatz zu finden.
Da die Bewohner dieser Inselgruppe sich Fremden gegenüber feindselig benehmen
sollen, hatten wir während der Nacht stets vier Mann — 1 Europäer und 3 Ka-
naken — auf Wache. Auf diesem Ankerplatz erlitten wir das Mifsgeschick,
einen Anker. mit 30 Fad, Kette zu verlieren. Am nächsten Mittage kam der
Trader einer amerikanischen Firma an Bord und zugleich ein kleiner Schoner,
das Eigenthum zweier Deutschen, in unsere Nähe. Der Amerikaner hatte seine
Station auf der Insel Fefan — so genannt von den hiesigen Bewohnern,
während sie in der Karte Ruk heilßst —; die Deutschen wohnten auf der Insel
Wola oder Möen, in der Nähe der amerikanischen Missionsstation. Da nicht