Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark '„Brazileira“.
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bis NE mit heftigen Regenböen, worauf am 26. bei leichter südwestlicher Briese
and am 27. mit umlaufenden Winden anhaltender Regen folgte. Am 28. war
der Wind W steif, mit Böen und Regenschauern. Als derselbe am 29. eine west-
südwestliche Richtung annahm, sahen wir uns genöthigt, den zweiten Buganker
fallen zu lassen. Um dieses mit dem besten Erfolg auszuführen und zu ver-
hindern, dafs die beiden Anker hintereinander zu stehen kamen, brachten wir
einen Wurfanker mit Leine nach einer Korallenbank, holten den Kopf des
Schiffes so weit, als es ging, herum und ließen nun den B-B.-Anker auf einer
Tiefe von 61m (34 Fad.) fallen, Die Leine des Wurfankers liefsen wir eben-
falls mit stehen und brachten außerdem noch einen Wurfanker mit Leine achter-
aus, um bei Aenderung des Windes das Herumschlagen des Schiffes zu ver-
bindern. Gegen Abend wurde der Wind zwar im Ganzen etwas flauer, aber es
iraten dann und wann noch sehr heftige Winde auf, was Kapt. Schlüter und
mich veranlafste, während der Nacht abwechselnd, zusammen mit einem
unserer eingeborenen Matrosen, die Wache zu halten. Am Mittage des 30. No-
vrember wehte nur noch ein schwacher Wind, wir lichteten daher den B-B.-Anker
wieder und hievten das Schiff etwas weiter von Lungur ab. In der Zeit
vom 1. bis zum 4, Dezember wehten flaue westliche Winde. Am letztgenannten
Tage lichteten wir den einen Wurfanker — der andere, der in einer Tiefe von
36 Fad. stand, war nicht wieder zu kriegen — und machten Alles fertig, um
am nächsten Tage in See gehen zu können,
Das Untersegelgehen in Ponape ist insofern mit Schwierigkeiten ver-
knüpft, als es nicht möglich ist, den Anker aus der grofsen Tiefo genügend
hoch zu winden, bevor das Schiff die Passage erreicht, wo an einer Stelle nur
2,7 m (9 Fuß) Wasser stehen. Man mufs deshalb beim Ankerlichten das Schiff
vermittelst einer Leine, die an einem Salzwasserbusch befestigt wird, so lange
festhalten, bis der Anker gänzlich aufgewunden ist und Segel gesetzt Sind,
Um 6 Uhr Morgens den 5, Dezember gingen wir in der eben beschriebenen
Weise unter Segel und steuerten bei lebhafter nordöstlicher Briese durch die
Nordwestpassage. Der in derselben zu steuernde Kurs geht von W allmählich
nach NW über, wobei man mehrere kleine Korallenbänke, die recht im Fahr-
wasser liegen, aber vom Topp aus leicht zu erkennen sind, zu passiren hat.
Nachdem um 12!/2 Uhr die Insel Parkin voraus in W gesichtet war, peilte um
4 Uhr Nachmittags die Station auf. derselben in einer Entfernung von 2 Sm
mw. NNO. Während das Schiff ab und an lag, wurden Tauschwaaren gelandet
und dagegen wieder Kopra an Bord genommen, worauf, nachdem ein für diese
Station bestimmter Händler das Schiff am folgenden Morgen um 6 Uhr ver-
lassen hatte, die Weiterreise nach Ngatik um 11 Uhr Vormittags ange-
treten wurde.
Um 8% Uhr Abends stand das Schiff nicht weit von der nördlichen
Insel der Ngatik-Gruppe, weshalb für die Dauer der Nacht beigedreht wurde.
Um 3! Uhr in der Nacht hatten wir eine schwere Böe aus E. Um 8 Uhr
Morgens den 7. Dezember peilte die nordöstliche Insel des ANgatik-Atoll mw.
SzO etwa 12 Sm entfernt; das Wetter war regnerisch und böig, bei unbestän-
digem Winde von ESE bis ENE. Um 4 Uhr Nachmittags verliefsen zwei
Boote das Schiff, um die nach hier bestimmten Passagiere auf der Westinsel
jes Atolls zu Janden. Nachdem die Boote gegen 6 Uhr zurückgekehrt und an
den Davits festgemacht worden waren, lagen wir mit dem Schifte, bei zu-
aehmender Briese und See aus ESE und Blitzen in N, unter der Insel ab und
an. Von 1!%-bis 2% Uhr trieb das Schiff in Windstille steuerlos und west-
wärts vom Lande ab. Später kam wieder unbeständige Briese mit Regenböen
durch. Die Zeit vom 8. bis 11. Dezember, während welcher steife östliche
Briese, regnerisches Wetter und eine hohe See herrschten, wurde dazu benutzt,
unter Ngatıik Kopra überzunehmen. ;
Um 5% Uhr Nachmittags den 11. Dezember hielten wir ab nach der
Insel Nukuor, unter welcher am folgenden Abend um 6'/a Uhr das Schiff bei-
gedreht wurde. Während des 13. lagen wir bei anhaltend böigem Wetter, wobei
uns am Nachmittage einige Segel verloren gingen, im Südosten der Lagune,
woselbst eine ganz schmale Einfahrt vorhanden ist, ab.und an. Da auch
am Morgen des 14. die Verhältnisse noch immer keine Landung an dieser
Stelle zuliefsen, so segelten wir mit dem Schiffe nach der Südseite der Insel,