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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen deewarte.
Vierteljahrs - Wetter - Rundschau der Deutschen Seewarte
an der Hand der täglichen synoptischen Wetterkarten für den
Nordatlantischen Ocean.
Winter 1884—85.
(Fortsetzung.)
Hierzu Tafel 19 und 20.
In einem auffallenden Gegensatz zu dem eben betrachteten Zeitraum
steht der nun folgende Zeitabschnitt vom 16.—25, Januar (vgl. Karte V).
Ueber Europa und dem östlichen Theile des Oceans war die mittlere Druck-
vertheilung beider nahezu entgegengesetzt. Dort, wo noch am 12. Januar die
grofßse Depression über Centraleuropa und Skandinavien lag, welche am folgen-
den Tage so plötzlich sich ausfüllte, befand sich im jetzt betrachteten Zeit-
abschnitt der westliche Theil eines ausgedehnten, ostwärts mit jenem von
Dentralasien zusammenhängenden Hochdruckgebietes, während umgekehrt bei
den Azoren und vor dem Kanal das Maximum durch ein Gebiet niederen
Druckes mit einer Reihe von Minima ersetzt war, Das Wie und Warum dieses
gewaltigen Umschwunges vom 12. bis zum 17. Januar ist grofsentheils noch
räthselhaft; dem gewöhnlich eingehaltenen Schema der gegenseitigen Verdrängung
und Wanderung der Cyklonen und Anticyklonen entsprach der Vorgang nicht.
Wie es aber nicht selten der Fall ist, trat in dem Gebiete, wo diese radikale
Umlagerung sich vollzogen hatte, nach derselben für eine Woche ein sehr
stationärer ruhiger Zustand ein, mit heiterem Himmel und starkem Frost,
namentlich in den Tiefebenen und Thälern, während auf den freien Berggipfeln
theilweise viel milderes Wetter herrschte; so hatten am Morgen des 20. Erfurt
—22,2°, der Inselsberg —3,1°. Im Glatzer Gebirgslande betrug die Wärme-
zunahme nach oben in den Tagen vom 20.—25. Januar 5—9,5° pro 640m, durch-
schnittlich fast 1° pro 100m. Der Boden war dabei mit Schnee bedeckt, die
Luft oben sehr klar, unten nebelig.
Auf der amerikanischen Seite des Oceans dagegen finden wir in diesem
Zeitraum intensive und rasch sich fortpflanzende Wirbel: erstens zwei Cyklonen,
welche, von SW kommend, über dem Meere zwischen Labrador und Island auf
kurze Zeit unter Verschmelzung mit je einer praeexistirenden Cyklone bedeutende
Tiefe gewannen, jedoch dort auch sich ausfüllten; sodann ein intensives baro-
metrisches Maximum, welches von Dakota nach Virginien und nach dem Golf-
etrom fortwanderte; auf seinem Wege sank die Temperatur um 6—12°C.
Auf dem Ocean wurden diese Tage durch einige kleine, aber intensive
Wirbel, meist in der Nähe der Azoren, gekennzeichnet, auf welche sich die
folgenden Notizen aus Schiffsjournalen beziehen.
Am 16. Januar. S. 36. Um 7a Wind plötzlich umspringend von SSE6 nach NNW 6.
— $. 19. Morgens um 5a war nun am dritten Tage das Elmsfeuer sichtbar.
Am 17. Januar. D. 35. Um 8p Wind SSW 8 und Luftdr. = 743,9 mm. — D. 9. Wind
um 0a ENE2, um 4a ENE6, um 10a NNE8, um 4p N5 und um 12p SSES. — S. 66. Wind
um 0a ESE5, um 10a E9, um 12a N10 und um 12p N6. — D. 51. Niedrigster Luftdruck
= 746,0mm um 2p. Wind um 11a W8, um 12a WNW2, um 1p N2, um 5p ENE 10 und
um 8p ENES.
Am 18. Januar. S. 65. Um 7a niedrigster Luftdr. == 754,8 mm. — D. 9. Um 4p Wind
WNW 11. — 8.64. Um 8p Wind plötzlich umspringend von SSW 5 nach WNW 7. Niedrigster
Luftdruck dann = 754,0mm. -— D. 41. Um 8p Luftdr. = 753,0 mm und Wind NNW 11. —
S. 72. Um 4p niedrigster Luftdr. == 747,5 mm und Wind NW 10. — S. 18, Wind um 0a SzE 10,
um 2a WNWS. Um 423 Luftdr. == 739,7 mm. Als die Windveränderung erfolgte, wurde der
Wind für kurze Zeit ganz schwach, doch nahm er bald wieder bis zum vollen Sturme zu. —
S. 73. Wind um 10a E6, um 12a WNW7, um 4p SW7 und um 10p NNW6. Böen mit
EN gl Hagel. — S. 22, Wind um 12a SSW5, um 4p WSW 4, um 6p N3 und um
p NNE 3.
Am 19. Januar. S. 64 (42° W, 42° N). Wind in der zweiten Hälfte des Tages durch
W nach SSW umlaufend. Heftiges Blitzen.