Säkulsre Variation der magnetischen Deklination in Rio de Janeiro. 493
müssen alle Angaben immer unsicherer werden, je weiter sie sich, im Verhältnifs
zum Zeitraum der Beobachtungen, von diesen Grenzen entfernen, weil es dann
nur noch extrapolirte Resultate sind, denen immer eine gewisse Unsicherheit
anhaftet, um so mehr hier, wo man das Naturgesetz der Veränderungen nicht
kennt und sich von ihrem Ursprunge noch keine plausible Vorstellung machen
kann. Aber durch die fortgesetzten Beobachtungen werden sich jene Grenzen
nicht nur einerseits für die Zukunft von selbst immer mehr erweitern, sondern
damit auch zugleich für die Vergangenheit einen verhältnifsmäfsig gesicherten
ferneren Rückschluß gestatten. Eine immer vollständigere Herstellung solcher,
die Vergangenheit und Zukunft umfassenden Tabellen für die verschiedenen
Beobachtungsörter ist also nicht aussichtslos und darum wohl der Bearbeitung
werth, die auch das Material zur Untersuchung über die Veränderungen der
ijsogonischen Linien darbieten würde, ohne dabei auf den späten Anfang der
wirklichen Beobachtungen beschränkt zu sein. Woher könnte diese mit der
Zeit immer dringender werdende Untersuchung auch noch eine bessere Unter-
stützung erhalten? Die alten Theorien des Erdmagnetismus, welche mit Hülfe
ihrer Hypothesen von der fingirten Bewegung der magnetischen Pole schon,
wie in der Astronomie, über den vergangenen und künftigen Zustand Aufschlufs
zu geben vermeinten, sind beseitigt, weil sie sich nicht bewährten, und die
neue hypothesenfreie Theorie von Gauss umfalst zwar die gesammten magne-
tischen Wirkungen bezüglich der Veränderungen im beliebigen Raume, läfst
aber alle Veränderungen in Beziehung auf die Zeit unberücksichtigt, die erst
empirisch geliefert werden sollen,
Durch Tabellen dieser Art wird die Reduktion von Beobachtungen auf
gegebene Zeitpunkte sehr erleichtert. Die jährliche Veränderung der Deklination
läfst sich daraus meistens sicherer entnehmen, als aus den Beobachtungen selbst,
die oft einander zu nahe liegen, als dafs nicht gewisse periodische Schwankungen,
auch abgesehen von den Beobachtungsfehlern, dabei störend eingreifen könnten,
oder zu weit von einander entfernt sind, um die jährliche Veränderung noch
als eine konstante Gröfse zu behandeln, während sie eine sehr veränderliche
sein kann,
Eine Vergleichung mit größeren magnetischen Karten der späteren Zeit
ergab zunächst für die Karte von P. Barlow (Phil. Tr. 1833), dafs darin die
magnetische Deklination zu Rio de Janeiro mit 4° östlich, etwa 2° zu grofs
angenommen ist. Barlow mufs also die derzeitigen Beobachtungen von Erman
(1830) und Laplace (1832) noch nicht gekannt haben. Dagegen stimmt die
Karte der Deutschen Seewarte für 1880,0 und ebenso die Britische Admiralitäts-
Karte, welche auch den „Azimuth Tables“ von Davis, London 1882, beigegeben
ist, noch ganz gut mit der letzten, durch Herrn Direktor Cruls bekannt
gewordenen Beobachtung von 1885 überein, wenn die in der Tafel gegebene
Jährliche Aenderung berücksichtigt wird.
Kiel, im November 1888,
G. D. E. Weyer.
Ann. d. Hydr. etc., 18858, Heft XI.