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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

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Säkulare Variation der magnetischen Deklination in Rio de Janeiro. 
Arbeit °) Gebrauch davon macht, so dafs diese Beobachtung daher den Herren 
Schott und Cruls ebenfalls entgangen ist. Die Beobachtung lautet: „1751, 
Februar 9, östliche Abweichung 9° 22‘ auf 22° 54’ S-Br und 45° 0‘ W-Lg von 
Paris“, Das ist also 42° 40’ West von Greenwich, und da nun Rio de Janeiro 
auf 22° 55‘ Süd und 43° 10’ West von Greenwich liegt, so kann es nicht 
zweifelhaft sein, dafs Lacaille damals ganz in der Nähe von Rio de Janeiro 
beobachtet hat, wie denn auch Hansteen®) unter der Rubrik „Rio de Janeiro“ 
eine Inklinationsbeobachtung Lacaille’s vom 4. Februar 1751 mit der Orts- 
angabe 22° 54‘ Süd und 317° 15‘ Ost von Greenwich anführt. . 
Ferner giebt Bouguer’s Karte”) bei Rio de Janeiro 10° östliche 
Deklination für das Jahr 1744, und ebenso Hansteen’s ®) Karte für 1744. 
Dann ist noch aus Halley’s Karte *) für das Jahr 1700 eine östliche 
Deklination von 11° für den, Rio de Janeiro entsprechenden Ort zu entnehmen, 
und in Uebereinstimmung damit sind die Karten von Bouguer und Hansteen 
für 1700, 
Endlich hat Halley '°) eine Beobachtung am Kap Frio von 12° 10‘ 
östlicher Deklination für 1670 angegeben, und da die Lage dieses Kap Frio 
23° 1‘ Süd und 41° 58‘ West von Greenwich ist, so kann die Angabe einer 
80 alten, durch Halley verbürgten Beobachtung für die Nachbarschaft von 
Rio de Janeiro nur als sehr schätzbar betrachtet werden. 
Mit Rücksicht auf diese älteren Beobachtungen hatte ich schon früher, 
bevor mir die Arbeiten von Schott und Cruls bekannt waren, mich gezwungen 
gesehen, eine Periode von 900 Jahren für Rio de Janeiro anzunehmen, nachdem 
die Versuche mit kleineren Perioden ungenügend ausgefallen waren. Die Ein- 
führung der von Herrn Schott veröffentlichten, durch die Güte des Herrn 
Dr. B. A. Gould mir übersandten neuen Beobachtungen diente dann zur Ver- 
besserung der übrigen Konstanten der Formel, und endlich stimmte die letzte, 
von Herrn Cruls bekannt gemachte Beobachtung des Herrn Indio do Brazil 
noch so gut mit meiner Rechnung überein, dafs vorläufig keine weitere 
Aenderung der Formel vorzunehmen nöthig schien. Dieselbe ist, nach Ueber- 
tragung auf die hier gewählte Bezeichnungsform, !!) folgende: 
D = +28,16° + 20,32° sin (0,4 m — 22,28°), 
worin also, wie vorher, m die geit 1850 verflossenen Jahre bezeichnet, und die 
westliche Deklination als positiv angenommen ist. 
Die Vergleichung der Rechnung nach dieser Formel mit sämmtlichen 
mir bekannt gewordenen magnetischen Deklinationsbeobachtungen zu Rio de 
Janeiro ergiebt folgende Zusammenstellung: 
Poggendorff’s Annalen, Bd, XXI, Leipzig 1831, pag. 384. 
Hansteen 1. c. pag. 39. 
Bouguer, Traite de Navigation. Edit. 1781, pag. 350. 
, Hansteen, Magnetischer Atlas, Tab. III. 
% Halley’s Karte, photographirt nach dem einzigen noch vorhandenen und durch Professor 
Airy’s Nachforschungen endlich im Britischen Museum aufgefundenen Originalexemplare, welches die 
isogonischen Linien von Grad zu Grad enthält, wurde wieder veröffentlicht als lithographische Bei- 
lage zu den Beobachtungen der Königlichen Sternwarte zu Greenwich im Jahre 1869. Verkleinerte 
Kopien der Halley’schen Karte von Musschenbroek (1729), Swedenborg (1734), Zegollström (1755) 
a. A. geben die Isogonen nur von 5 zu 5 Graden. Aufserdem ist die Karte von Halley selbst mit 
gröfster Sorgfalt konstruirt, wovon die Kopien weit entfernt sind. 
10) Halley, Phil. Transactions, 1683, pag. 211. 
11) Wie bei allen Rechnungen auf der Erdoberfläche, wo gewöhnlich Norden oben, also 
Osten rechts liegend gedacht wird, habe ich es sonst zweckmäfsiger gefunden, in Uebereinstimmung 
mit Euler’s Bezeichnung, die östliche Deklination positiv zu nehmen. Es ist mir nicht bekannt, warum 
Burckhardt, Hansteen und Gauss nach einander das Entgegengesetzte vorgezogen haben, welches 
seitdem fast allgemein geworden ist, vielleicht weil jetzt in Europa die westliche Deklination vor- 
herrscht, Eine Nachahmung davon würde aber in unsere nautischen Rechnungen nur Verwirrung 
bringen, wo man jetzt allgemein gewohnt ist, die östliche Deviation als positiv zu rechnen, mithin 
auch die Deklination. Uebrigens ist in den Berichten der „Internationalen Polarforschung“ doch 
auch schon angefangen worden, die Deklination von Norden durch Osten bis 360° zu zählen, also 
die westliche Deklination negativ zu setzen,
	        
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