Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Pallas“.
deshalb abermals um 9 Uhr Vormittags am 7. Oktober westlich der eben ge-
nannten Insel, zwischen Seaforth- und der kleinen Sydney-Insel, in 23 m (13 Fad.)
Tiefe über Muddgrund. Seit 3 Uhr Nachmittags kreuzten wir bei frischem
SE-Winde und schönem klarem Wetter wieder auf und erreichten am Abend
um 9'% Uhr, zur Zeit des Hochwassers, einen Ankerplatz im Nordwesten von
Kap Hiülsborough auf einer Tiefe von 1lm (6 Fad.) und Muddgrund, - Am
8. Oktober wurden um 4 Uhr Morgens wieder Segel gesetzt; wir kreuzten an-
fänglich mit der Fluth weiter und gelangten am Abend mit einsetzender nord-
östlicher Briese in Sicht von Mackay-Feuer, Damit war die Fahrt durch die
Whitsunday-Passage vollendet. Ich muls gestehen, dafs mir dieselbe, abgesehen
von der einen Nacht, in der wir auf tiefem Wasser vor Anker lagen, recht gut
gefallen hat. Ankerplätze finden sich hinter jeder gröfseren Insel und auch in
der Nähe des Festlandes. Ebbe und Fluth wechseln regelmäfsig alle 6 Stunden,
wobei ein Stillwasser von einiger Dauer nicht eintritt. Die Zeit, während
welcher das Schiff vor Anker liegt, bietet den Leuten Gelegenheit, sich einige
Ruhe zu gönnen. Zur Durchsegelung der inneren Passage bedarf es aber eines
gut manövrirenden Schiffes mit geübier Besatzung und einem guten Ankerspill,
womit der Anker schnell aufgenommen werden kann. Aufserhalb der Inseln
hat man zwar wenig und zum Theil gar keinen Strom, aber auch keinen Anker-
grund, und im Osten von sich das gefährliche Riff, dessen Grenze in den
Admiralitäts-Karten noch sehr ungenau niedergelegt ist. Bei meiner Anwesen-
heit in Townsville waren zwei englische Kanonenboote damit beschäftigt, das
Riff genau zu vermessen, und wurde die Publikation der neuen Karte in baldige
Aussicht gestellt.
Am 9. und 10, Oktober kreuzte „Pallas“ zwischen den Inseln Prudhoe
und Penrith bei einer leichten Briese, die um 10 Uhr Abends auf NNE lief
und es so ermöglichte, die Insel Percy an Backbordseite frei zu passiren. Von
hier setzten wir bei auffrischender nordöstlicher Briese den Kurs auf die Insel
High Peak, welche um 8 Uhr Morgens den 11. Oktober in einer Entfernung
von etwa 6 Sm passirt wurde. Kine Stunde später lief der Wind bei an-
haltendem Regen auf WSW, worauf bei wieder abklarender Luft Windstille
eintrat. Um 12 Uhr Mittags am 11. Oktober war der Schiffsort 21° 54‘ S-Br
und 150° 48‘ O-Lg. Am Mittage des 21. Oktober hatten wir 33° 3‘ S-Br und
153° 21‘ O-Lg erreicht, worauf am Abend bei frischer nordwestlicher Briese
die australische Küste in Sicht kam. Während der Nacht steuerten wir dem
Lande zu, konnten aber weder das Feuer von Sugarloaf Point noch Port Stephens
in Sicht bekommen. Gegen Morgen lief der Wind auf N bis NNE, und gegen
Mittag fanden wir uns unter der Küste, eben nördlich von Broken-Bai und mit-
hin 40 Sm südlich von New-Castle, so dafs uns die Strömung im letzten Etmal
wenigstens 40 bis 50 Sm nach SSW versetzt hatte. Bald nachdem das Schiff
gewendet war, näherte sich uns ein Schleppdampfer, mit dem ich nach vielem
Hin- und Herreden zu dem Uebereinkommen gelangte, dafs er das Schiff nach
New-Castle schleppen sollte, weil ich anderenfalls wahrscheinlich noch einige
Tage hätte kreuzen müssen. Um 1 Uhr Nachmittags begann der Dampfer uns
zu schleppen. Um 6 Uhr Abends erhielten wir bei Nobby Head einen Lootsen
und legten um 7 Uhr am Dyke, dem gewöhnlichen Ballast-Löschplatze der
Schiffe, an. Die Reise von Townsville bis New-Castle hatte demnach die Dauer
von 20 Tagen. Dem Dampfer hatte ich für das Einschleppen und spätere
Verholen und nach See Schleppen zusammen nur 10 d. pro Registertonne oder
25 Lstrl. 1 sh. zu zahlen.
IIL Einiges über New-Castle N. 8. W.
„Pallas“ lag vom 22. Oktober bis zum 4. November 1886 in New-Castle,
beschäftigt, den Ballast zu löschen und eine Ladung Steinkohlen, welche, wie
schon bemerkt, für Mazatlan bestimmt war, wieder einzunehmen. Während
dieser Zeit waren wenige Schiffe im Hafen, so dafs wir nicht nöthig hatten,
mit dem Löschen und Laden auf den Turnus zu warten, Von meinen Leuten
ist keiner desertirt, aus dem einfachen Grunde, weil New-Castle von Seeleuten
überfüllt war, die alle mit den grofsen englischen Schiffen gegen 1 sh. den
Monat hier angekommen und abgemustert waren und sehr gern eine Heuer von
3 Lstrl. 10 sh. bis 4 Lstrl. den Monat wieder angenommen hätten.
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