180
Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Pallas“.
haben, dorthin zu kommen, Die Mannschaften zweier englischen Schiffe, welche
den Dienst verlassen wollten, legten einfach die Arbeit nieder und verlangten,
vor den Magistrat geführt zu werden, um eventuell gefänglich eingezogen zu
werden. Es blieb den Kapitänen natürlich nichts Anderes übrig, als polizeiliche
Hülfe in Anepruch zu nehmen und die Leute verhaften zu lassen. Sobald die-
selben festen Boden unter ihren Füßen hatten, eutwischte ein Theil derselben
der Polizei, die anderen wurden vor Gericht freigesprochen und die Kapitäne
verpflichtet, sie abzuzahlen. Es scheint den Behörden in Queensland daran zu
liegen, möglichst viele Arbeiter heranzuziehen, für die sie nicht nöthig haben,
Passagegelder zu zahlen,
Die Stadt besteht zum gröfsten Theile aus hölzernen Häusern, die unregel-
mäfsig umher gebaut sind, doch findet man auch einige stattliche, aus Ziegel-
steinen aufgeführte Gebäude und zwei breite, gerade Strafsen., Townsville macht
ganz den Eindruck einer sich rasch entwickelnden Stadt und verspricht in
einigen Jahren von grofser Bedeutung zu werden, eine Annahme, die um so
berechtigter ist, als die Stadt der Haupt-Ein- und Ausfuhrplatz von Queensland ist,
Während meiner Anwesenheit wurde sämmtliche Wolle in Dampfern verladen,
und die Segelschiffe mufsten den Hafen in Ballast verlassen, Trockendocks
oder Patentslips, um gröfsere Schiffe einer Reparatur zu unterziehen, sind bis
jetzt noch nicht hier angelegt.
Als Segelanleitung für die Cleveland-Bai kann ich die Anweisungen im
„Australia Directory“ der britischen Admiralität, die ich als richtig befunden
habe, empfehlen.
Auf der Rhede von Townsville wechseln Fluth und Ebbe regelmäßig
jede 6 Stunden mit einander ab; erstere setzt südwärts, letztere nordwärts, und
zwar in beiden Fällen mit einer Geschwindigkeit von 1 bis 1'/a Sm, die sich
aber zur Springzeit auf 3 Sm steigert.
II. Die Reise von Townsville nach New-Castle N. 8. W.
Auf erhaltene Ordre, eine Ladung Steinkohlen von New-Castle nach
Mazatlan zu bringen, verliefen wir am 2. Oktober 1886 um 8 Uhr Morgens
bei östlichem Winde und unter Benutzung des nördlichen Fahrwassers die Rhede
von Townsville. Um 8 Uhr Abends konnten wir über Steuerbord Magnetic
Island klaren und dann bei dem nördlich holenden Winde raumschots der Küste
entlang segeln. Am Abend des 3. Oktober passirten wir die Insel Holborn,
woselbst der bis dahin nordwestliche Wind in einer Böe mit Regen auf SW
lief. Während der Nacht steuerten wir bei hefıigem südwestlichem Winde längs
der Küste an der Whitsunday-Insel vorbei; hier aber stand eine hohe südwest-
liche See, die ein Aufkreuzen mit einigem Erfolg nicht zulielßs, was mich ver-
anlafste, um 4 Uhr am folgenden Morgen wieder umzukehren, um in der Bai
zwischen diesem Kap und der Insel Whitsunday zu ankern und besseres Wetter
abzuwarten. Beim Versuch, in die Whitsunday-Passage einzukreuzen, versagte
das Schiff unter gerefften Segeln die Wendung, und ich beabsichtigte schon,
nach Kap Gloucester abzuhalten, als der Wind etwas abflaute, und wir mehr
Segel setzen konnten, und das Schiff anfing Fortschritte zu machen. Um 3 Uhr
Nachmittags konnte dann auch ein guter Ankerplatz am Nordende der Whit-
sunday-Passage, eben westlich von Pioneer Point und etwa '!/a Sm von dem-
selben entfernt, auf einer Wassertiefe von 10,8 m (6 Fad.) über Muddgrund
erreicht werden, woselbst das Schiff trotz des harten Windes, der in heftigen
Stöfsen von dem hohen Lande herunterfiel, sicher und geschützt lag. Nachdem
der Wind am 6. Oktober wieder mäfsiger geworden war, lichteten wir um 10 Uhr
Vormittags, eben vor dem Eintritt der Fluth, den Anker, kreuzten in die Passage
hinein und konnten dieselbe, begünstigt durch einige gute Schlagbugen und die
Fluthströmung, um 7 Uhr Abends klariren. Um dieselbe Zeit setzte aber auch
die Ebbe ein, und ich hatte nur die Wahl, entweder mit derselben wieder nach
Norden zurückzutreiben oder irgendwo zu ankern. Ich zog Letzteres vor und
liefs auf einer Tiefe von 40m (22 Fad.) den Anker fallen, Auf dieser Stelle
lag das Schiff bis zum folgenden Morgen 3 Uhr, von welcher Zeit wir wieder
südwärts aufkreuzten. Allein mit einem geringen Erfolg; in die Nähe der Insel
Lindeman gelangt, erhielten wir schon die Ebbe wieder entgegen und ankerten