Reisebericht des deutschen Dreimastschoneirs „Albatrofs“,
433
hohen Maße von dem Winde abhängig zeigte, zurückgetrieben wurde, Am
10. Februar befanden wir uns in der Banka-Strafse, konnten indessen nicht
hindurch kommen, denn der Wind war ungünstig und der Strom setzte stark
in südwestlicher Richtung.‘ Am 13. Februar wäre die Durchfahrt zu ermöglichen
gewesen, aber eintretendes stürmisches Wetter, mit dem ich nicht gerne Menado
anlaufen mochte, hielt mich davon zurück. In den folgenden Tagen war die
Witterung noch sehr unbeständig, der Wind war bald flau, bald stark und es
traten starke Böen mit Regen auf, weshalb wir erst am 16. Februar die Banka-
Strafse passiren konnten. Am Mittag des 18. Februar stand das Schiff ia der
Nähe von Menado Tua, trieb aber, da es windstill wurde und keine Gelegen-
heit hatte zu ankern, wieder. mit der Strömung nordwärts. Am 19. Februar
hatten wir zwar. wieder die Insel Menado Tua erreicht, aber das Wetter war
so dick von Regen, dafs wir das Land in einer Entfernung von 2 Sm nicht
sehen konnten, und sahen wir uns deshalb gezwungen, wieder von der Küste
ab zu stehen. Am 20. Februar endlich konnten wir bei mäfsiger, nördlicher
Briese um 9 Uhr Morgens Menado Tua passiren, darauf an der Nordseite der
Bai entlang segeln und um 3 Uhr Nachmittags das Schift auf seinem Be-
stimmungsplatz, der Rhede von Menado, zu Anker bringen. .
Der in Menado zu Hause gehörende Küstenschoner „Mina Hassa“, welcher
den hiesigen Hafen an demselben Tage als wir erreichte, war acht Tage nach uns
von Banda gesegelt. Der Kapitän desselben theilte mir mit, dafs er dicht an der
Südküste von Ceram entlang gesegelt und nördlich von Amboina passirt sei,
woselbst er eine mitlaufende Strömung vorgefunden habe. Diese Route ist
aber nur von den kleinen Küstenfahrern zu benutzen. Die „Mina Hassa“ ist
ein Fahrzeug von nur 80 Tonnen, mit einer Besatzung von 12 Mann, welche
im Stande ist, bei eintretender Windstille das Schiff durch Rudern vorwärts
zu bringen, Später passirte dieses Schiff ebenfalls durch die Banka-Strafse, in
welcher nach Aussage des Kapitäns, der alle Oertlichkeiten dieser Gewässer
aus jahrelanger Erfahrung kannte, an jeder Stelle Ankergrund zu finden ist.
Menado. Sobald Kap Nord passirt ist, halte man recht auf Menado,
welches von hier aus zu sehen ist, zu und mache sofort einen Anker vor der
Klüse fertig. Nachdem das Fort von Menado ausgemacht ist, bringe man das-
selbe in mw. O0zS bis 0'%4 S und halte es beim Weitersegeln in dieser Peilung,
Unterhalb des Forts stehen am Strande zwei hölzerne, schwarz angestrichene
Schuppen. Die Rhede ist an der Nordseite durch eine schwarze und an der
Südseite durch eine weiße Boje bezeichnet. Der beste Ankerplatz befindet sich
atwa ein. Drittel der ganzen Distanz zwischen den beiden Bojen von der
schwarzen entfernt, und hat man von hier aus den südlicheren der erwähnten
Schuppen mit der Südseite des Forts und dem Flaggenmast in Deckung. Hat
man sich der Rhede bis auf 1! oder 1 Sm genähert, so lasse man den bereits
vor der Klüse hängenden Anker soweit hinunter, dafs der 45 Faden-Schäckel der
Kette am Spill liegt, und schlage eine Bucht der Kette um den Spillkopf, um
ein weiteres Auslaufen derselben zu verhindern. Dann steuere man mit einer
Fahrt bis zu 3 oder 3'% Kn, ruhig seinen Kurs weiter, bis der Anker fest in
den Grund eingreift, wobei nöthigenfalls, wenn zuviel Druck auf die Kette
kommen sollte, noch 20 bis 30 Fad. von derselben ausgesteckt werden können,
nimmt die Segel ein und läfst das Schiff herumschwaien. Die weitere Aufgabe
ist, das Schiff mit dem Achterende vermittelst Trossen nach dem Lande zu ver-
täuen, damit dasselbe nicht durch einen.etwa von dorther eintretenden Wind
wieder von dem sehr abschüssigen Ankergrund abgetrieben wird. Die soeben
beschriebene Einsegelung und Vertäuung ist nur mit der Seebriese gut aus-
führbar. Mit der Landbriese und einem nördlichen oder südlichen Winde hält
es immer sehr schwer, ein Schiff auf der Rhede von Menado gut zu Anker zu
bringen. Unter diesen Verhältnissen ist es durchaus nothwendig, ein Boot mit
zwei vollständigen Trossen voraus ans Land zu schicken und dieselben dort zu
befestigen, um sie dann, sobald der Anker im Grunde ist, an Bord zu nehmen
und hier ebenfalls zu belegen.
Die Strömung setzt in der Bai von Menado längs der Küste und zwar
als Fluth nach N und als Ebbe nach S; der Hub des Wassers beträgt 1,2 bis
1,5 m (4 bis 5 Fufs). Eben nördlich der Hafenbrücke mündet ein kleiner Fluß
in die Bai, aus welchem zur Zeit der Ebbe und dann besonders nach anhaltendem