Reisebericht des deutschen Dreimastschoners „Albatrofs“,
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ständigem, nordwestlichem Zuge den Kurs auf Makassar setzen konnten, wo-
selbst wir um 3 Uhr Nachmittags ankerten. ;
Die Ansegelung von Makassar. Hinsichtlich dieser habe ich zu
bemerken, dafs es für ein von Süden kommendes: Schiff schwer fällt, die Feuer-
thürme auszumachen, da selbst der Hauptthurm nicht über die Häuser und
Bäume der Stadt hinwegragt. Dagegen hebt sich die flache Landzunge nördlich
der Einfahrt, welche sich von der Stadt aus erstreckt und auf welcher die
Kohlenlager der Marine und der Dampfergesellschaften befindlich sind, deutlich
ab. Hat man die Spitze dieser Landzunge in mw. NOzN gebracht, so steuere
man direkt auf dieselbe zu und in den Hafen hinein. Beim Näherkommen wird
man bald die schwarze Bake mit einem Dreieck auf der südlichen Spitze der
Bank. bei der Insel Gr. Lely an B-B. und aufserdem die vor derselben aus
Holzfendern hergestellte, ebenfalls schwarz angestrichene Boje zu schen be-
kommen. Die Boje an B-B. haltend, steuere man längs der Bank, welche aus
weifßsem Korallensand besteht, steil abfällt und gut zu erkennen ist, auf dem
gegebenen Kurse weiter, woselbst man. überall Ankergrund findet, Da die See-
briese oftmals recht schral ist, ziehe ich die eben beschriebene Einsegelung der
weiter südwärts gelegenen, bei welcher man den Feuerthurm von Makassar in
mw. NOzN hält, vor, weil es bei der letzteren Mühe kostet, von dem sich vom
Feuerthurm aus erstreckenden Riff, dessen Ende durch eine Stange mit einer
rothen Kugel gekennzeichnet ist, frei zu kommen.
Unser Aufenthalt in Makassar, dessen Rhede die beste von ganz Celebes
ist, dauerte bis zum 10. Dezember 1886. Die Strömung war daselbst im All-
gemeinen nicht sehr stark. Der Nordwestmonsun hebt die Fluth, welche nord-
wärts setzt, oftmals ganz auf. Der Hub des Wassers beträgt höchstens 1,5 bis
2,0m (5 bis 6 Fuß). Der Nordwestmonsun ist immer böig und von Gewittern
mit Regenschauern begleitet, In dieser Beziehung sollen nach Aussage der
Bewohner von Makassar die Monate Dezember und Januar die, schlechtesten
sein. Während unserer Anwesenheit hier schwankten die Barometerstände
zwischen 760 und 763 mm (unred.).: ;
Reise von Makassar nach Banda. Am 10. Dezember um 4 Uhr
Morgens verliefs „Albatrofs“ mit der Landbriese die Rhede von Makassar. Bei
südwestlichem Winde wurde längs der Küste von Celebes aufgekreuzt, bis es
infolge des HEintretens von Windstille am Abend des 11. Dezember nöthig
wurde bei den Glinong-Inseln auf einer Wassertiefe von 21,6m (12 Fad.) zu
ankern. Um 5'/2 Uhr am folgenden Morgen gingen wir bei schwacher südsüd-
westlicher Briese Anker auf; da es jedoch gegen 8 Uhr wieder stille wurde,
mufsten wir, um nicht auf die Satangd-Insel getrieben zu werden, auf einer
Wassertiefe von 27m (15 Fad.) abermals ankern. Um Mittag gingen wir bei
durchkommender nördlicher Briese unter Segel und segelten zwischen Tanah
Keke und Celebes hindurch. In dieser Passage liegen zwei spitze, kegelförmige
Bojen mit Stange und Kugel, von welchen diejenige an der Tanah Keke-Seite
einen schwarzen, diejenige unter Celebes einen weilsen Anstrich hat. Man hat
überall guten Ankergrund mit Wassertiefen' von 11 bis 18m (6 bis 10 Fad.).
Längs der Südküste von Celebes weiter segelnd, wurde am 13. Dezember die
Salayer-Strafse passirt. Inzwischen war der Wind westlich geholt und das
Wetter schauerig geworden, weshalb ich es vorzog, nicht durch die Buton-
Passage zu. gehen, sondern die kleinen Inseln und Riffe im Süden zu umsegeln
und etwa bis auf 6° 50‘ S-Br herunterzugehen, um dann auf nördlichem Kurse
Amboina in Sicht zu laufen. Am 14. und 15. Dezember war der Wind sehr
unbeständig zwischen SSW und NNW, bei böigem, regnerischem Wetter. Am
Vormittage des 16. traten aufserdem noch Gewitter auf, bis am Nachmittage
das Wetter aufklarte, während welcher Zeit wir in Sicht und Peilung von
Amboina die Reise fortsetzten. Am Mittage des 17. Dezember erblickten wir
Goenong-Apt, eine Insel der Banda-Gruppe. Da es aber gegen Abend diek von
Regen wurde, .so waren wir genöthigt beizudrehen und dies hatte zur Folge,
dafs wir erst am 18. Dezember um 3 Uhr Nachmittags unsern Ankerplatz im
Hafen von Banda erreichten.
Banda. Zur Zeit des NW-Monsuns und von Westen kommend, bringe
man den Goenong Api (Feuerberg) der Banda-Gruppe, welcher bei klarem
Wetter schon in. einer Entfernung von etwa 60 Sın in Sicht kommt und Aehn-