Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte.
der Passat bei diesem in 9,8° N-Br und 25° W-Lg stehenden Schiffe endete,
hatte „Willy“ noch nicht weiter als nach 9° N-Br in 32° W-Lg vorrücken
können. Beide Schiffe gingen dann am 17. November von nördlicher in güd-
liche Breite über. Auch dort verlor infolge des westlichen Schnittpunktes der
sonst so segeltüchtige „ W:lly“ noch derart, dafs, als er sich am 22. November
in 7,7° S-Br und 34,3° W-Lg befand, der Mitsegler „Melpomene“ schon bis
nach 16,2° S-Br in 33° W-Lg hatte vorrücken können. In kürzester Zeit wurde
die Fahrt zwischen Nord-Amerika und Aequator vom „Johann Hinrich“ vollendet.
Zu Anfang seiner Reise begünstigt von kräftigen Winden, die an der Südwest-
seite weiter nordwärts auftretender Depressionen wehten, gelang es diesem
Schiffe schon in 33,6° N-Br und 51° W-Lg den NE-Passat zu erreichen. Indem
dessen Gebiet diırchsegelt wurde, blieb man auch unberührt von den westlichen
Winden der damals weiter ostwärts auftretenden Herbstdepression. Südlich von
12,5° N-Br in 29,3° W-Lg wehte der Passat nur noch unbeständig. Den SE-
Passat traf auch dieses Schiff, wie so viele andere Mitsegler in diesem Spät-
herbste, verhältnifsmäfsig weit nördlich vom Aequator an. Als am 13. Dezember
Jie Linie überschritten wurde, waren 32 Tage seit der Abfahrt von New-York
verflossen.
413
4. Reisen von Süd nach Nord.
Die während des Herbstes 1884 vom Aequator nach Norden ausgeführten
Reisen nahmen im Allgemeinen einen langsamen Verlauf. Am kürzesten waren
die Reisen derjenigen Schiffe, welche in der zweiten Hälfte des Augüst den
Aequator überschritten. Unter diesen befinden sich der „Amaranth“ und der
„Stephan“, welche nach je 29- und 30tägiger Fahrt die Strecke Linie—Lizard
am schnellsten von allen Schiffen der Liste zurücklegten. Reisen von über
40 Tagen Dauer waren sonst nicht ungewöhnlich, die in der zweiten Hälfte des
Oktober beginnenden nahmen der gröfseren Zahl nach mehr als 40 Tage in
Anspruch. Die längsten Reisen waren die des „Paul Rickmers“ und der „Maria“,
Beide dauerten 46 Tage, und bei beiden waren der Grund der Verzögerung die
nördlich von 30° N-Br angetroffenen ungünstigen Verhältnisse. Die in der
letzten Hälfte des August und zu Anfang September den Aequator überschreiten-
den Schiffe konnten die ersten zehn Grad Breite in befriedigend rascher Fahrt
zurücklegen. Sie wurden dort begünstigt von dem sich bis nach 12° N-Br er-
streckenden Südwest-Monsun, den nördlich ein Gürtel der Mallung und Stille
begrenzte. Die südliche Grenze des Nordost-Passats wurde von einigen dieser
Schiffe erst erreicht, nachdem sie 15° N-Br überschritten hatten. Als Folge
dieses so weit nach Norden verschobenen Stillengürtels war in demselben schon
während der ersten Woche des September eine Neigung zu Wirbelbildungen
vorhanden. Es scheinen dort, wie Karte I zeigt, schon damals mehrere un-
bedeutende Depressionen entstanden zu sein. Nachdem jene Schiffe den Nordost-
Passat einmal erreicht hatten, trat er bei den meisten derselben auch in ziemlich
kräftiger Weise auf. Auf dem letzten Reiseabschnitt wurden „Nubia“, „Amaranth“,
„Stephan“ und „Alma“ von durchstehenden südwestlichen und südlichen Winden
begünstigt, die eine Folge der grofsen Depressionen waren, welche vom 4. bis
zum 9. September im nördlichen Theile des Atlantie nach NO und Ost zogen;
Die Reisen der drei Schiffe „Fortuna“, „Elisabeth Rickmers“ und „Suaheli“ sind
dadurch bemerkenswerth, dafs dieselben durch einen südlich von der äquatorialen
Passatgrenze auftretenden Orkan beunruhigt wurden. Dieser Orkan, der süd-
östlich von den Kapverden entstanden zu sein scheint, wehte am 15. September
in der Nähe dieser Inselgruppe mit ziemlicher Heftigkeit. Als sich „Elisabeth
Rickmers“ und „Suaheli“ am 8. September bei 7,5° N-Br und 25,5° W-Lg be-
fanden, endete dort der bis dahin wehende frische Südwest-Monsun plötzlich,
und es folgte längere Zeit anhaltende leichte Mallung. Nachdem man bei der-
selben bis zum 14, September nach etwa 12,5° N-Br in 25,5° W-Lg vorgerückt
war, stellte sich Wind aus WNW ein, der bei dunklem, stark regnerischem
Weiter und wildem Seegange bald stürmisch wurde. Am Abend dieses Tages
gelangte „Elisabeth Rickmers“ schon in Sicht von drei beigedreht liegenden
Anz. d. Hydr. ete., 1888, Heft IX.