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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte.
östlichen Theile des „Atlantic“ durchstehende NE-Winde, aus welchen später
ohne vorhergehende Störung der Passat entstand. Dieser begleitete die Schiffe
dann fast ungestört bis zu seiner südlichen Grenze. „Richard Rickmers“ legte
damals die Strecke auf westlicher Route in weniger als 23 Tagen zurück. Ihm
zunächst kommt „Paul“ auf östlicher Route mit 24tägiger Fahrt zur Linie. Von
den sieben am 5. und 6. Oktober den Kanal verlassenden, südwärts bestimmten
Schiffen wählte allein „Paul“ die östliche Route. Am Mittag des 5. Oktober
waren „Mimi“, das eine der eben erwähnten Schiffe, und „Paul“ bei Lizard
nur wenige Seemeilen von einander entfernt gewesen. Bei dem während der
nächsten Zeit wehenden frischen Ostwinde gewann die letztere Bark gegen die
erstere in solcher Weise, dafs sie bis zum 16. Oktober nach 22,6° N-Br in
20,9° W-Lg vorrücken konnte, während gleichzeitig „Mimi“ noch in 26° N-Br
und 22,1° W-Lg stand. In Lee in der Nähe der Kapverden litt „Mimi“ später
auch noch zwei Tage unter einem ganz gestörten Passat. Die südliche Grenze
desselben erreichte diese Bark am 26. Oktober in 8,4° N-Br und 266° W-Lg,
während „Paul“ dasselbe zwei Tage früher in 7,8° N-Br und 22,2° W-Lg gethan
hatte. Um von diesen Punkten aus den Aequator zu erreichen, gebrauchte
„Mimi“ noch acht Tage, „Paul“ dagegen nur fünf Tage. Diese letztere Bark
verlor jedoch später wieder mehrere Tage, indem sie ihres westlichen Schnitt-
punktes wegen eben südlich der Linie nach Osten zu kreuzen versuchte.
Von fünf der vorliegenden Schiffe wurde‘ 10° N-Br am 10. Oktober ge-
schnitten. „Hugo“, „Melusine“ und „Juno“ thaten es in 24° W-Lg, „Wega“ in
26° W-Lg und „Richard Rickmers“ in 23° W-Lg. Um von diesen Punkten aus
zur Linie zu gelangen, gebrauchte „Melusine“ neun Tage, „Hugo“ und „Juno“
sechs und „Wega“, wie „Richard Rickmers“, je fünf Tage. Alle hatten nördlich
von 10° N-Br schon an einigen Tagen Mallung und leichte westliche Winde
beobachtet, Südlich von 10° N-Br wurden sie dagegen ausnahmsweise begünstigt.
Sie fanden dort ziemlich beständige Ostwinde. Nur „Melusine“ traf in der
Nähe des Aequators noch wieder leichten Südwind an, durch den der Kapitän
bewogen wurde, für einige Zeit mit St-B.-Halsen zu segeln, Es segelten über-
haupt die meisten von den die Linie weiter westlich als 30° W-Lg schneidenden
Schiffen in südlicher Breite noch wieder mit St-B.-Halsen. „Parnass“ und
„Arcturus“, welche beide in 31° W-Lg über den Aequator gingen, thaten es
jedoch nicht und gewannen dadurch einen bedeutenden Vorsprung gegen ihre
Mitsegler. Wahrscheinlich thun Schiffe, welche zu der in Betracht kommenden
Jahreszeit gezwungen sind, die Linie unerwünscht weit westlich zu schneiden,
wohl daran, in südlicher Breite scharf beim Winde nach Süden zu liegen und
erst zu wenden, wenn sie wirklich der Küste zu nahe kommen. Zur Zeit des
nördlichen Winters, und besonders im November und Dezember, sind die Winde
in der Nähe der brasilianischen Küste östlicher, als weiter seewärts, während
zur Zeit des südlichen Winters das Gegentheil der Fall zu sein pflegt.
Von den von Nord - Amerika zur Linie segelnden Schiffen erreichte
„Jupiter“ den Aequator nach einer Reise von 42 Tagen, „Willy“ nach einer
solchen von 40 Tagen, und „Johann Hinrich“ nach 32 Tagen. Die Reise des
„Jupiter“ wurde verlängert durch jene Störungen, welche die ungewöhnliche
Verschiebung des Maximums nach Osten hin hervorrief (siehe Karten III u. IV).
Denn wenn auch die zwischen 29° und 23° N-Br herrschenden Westwinde günstig
waren, so waren die vorher angetroffenen S- und SE-Winde doch ungünstig
gewesen. Vom Passat wurde man nur auf der zwischen 21° N-Br in 31° W-Lg
und 12,7° N-Br in 29° W-Lg liegenden Strecke begünstigt, und schließlich
waren auch die südlich vom letzteren Punkte gefundenen Verhältnisse ungünstig.
Als „Willy“ auf seiner Reise zum Aequator nach 30° N-Br vorgerückt
war, herrschten seit wenigen Tagen iomitten des Oceans wieder die normalen
Verhältnisse hohen Luftdrucks. Es wurde die Reise dieses Schiffes daher von
32° N-Br an von beständigem Passat begünstigt. Längerer Aufenthalt entstand
erst, nachdem der letztere Wind in 14,8° N-Br und 37,4° W-Lg geendet hatte.
Um von diesem Punkte aus den Aequator zu erreichen, waren nicht weniger
als 19 Tage erforderlich. Die vom Kanal herkommenden Schiffe trafen damals
auf ihrem Wege günstigere Verhältnisse an. So befand sich zur Zeit, als
„Willy“ sich am 1. November schon in 13,2° N-Br und 37° W-Lg befand,
„Melnomene“ noch in 27° N-Br und 20,4° W-Lg. Als aber am 8. November