Vierteljahrs-Wetter-Rundschan der Deutschen Seewarte,
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einstellte, wurde ein Theil dieser Schiffe sogar so weit wieder nach Westen ver-
drängt, dafs der Aequator in 31° W-Lg geschnitten und später in südlicher
Breite noch wieder gewendet werden mufste. Der am 15. September bei den
Kapverden wehende Orkan kommt für die Reisen der in unserer Liste ent-
haltenen Schiffe nicht mehr in Betracht.
Von den 48 vorliegenden Reisen vollendete „Richard Rickmers“ die Fahrt
zur Linie .in der kurzen Zeit von 23 Tagen. „Paul“ gebrauchte einen Tag
länger, und „Wega“, „Parnass“, „Meipomene“ und „Deutschland“ legten die
zwischen Kanal und Aequator liegende Strecke in 25 Tagen zurück. Die
längste, 49 Tage in Anspruch nehmende Reise war die vom „Hermann“ aus-
geführte. Dieses Schiff, wie auch der „Apoll“, war schon nördlich von 30° N-Br
durch leichte unbeständige Winde zurückgehalten worden und wurde dann
später, nebst vielen Mitseglern, durch die in der südlichen Hälfte der erwähnten
Herbstdepression kräftig wehenden Westwinde nach Osten gedrängt. Passat traf
dieses Schiff nur auf der zwischen 16,5° und 7,5° N-Br liegenden Strecke an.
Aufser „Hermann“, „Joseph Haydn“, „Arcturus“ und „Malvina“, welche durch
die Verhältnisse dazu gezwungen wurden, führten noch verschiedene andere
Schiffe der Liste in diesem Herbst ihre Fahrt zur Linie auf Ost von den Kap-
verden liegender Route freiwillig aus. Zu diesen gehörte auch die „Charlotte“,
Als diese Bark sich am 2. September in 26,8° N-Br und 20,7° W-Lg befand,
steuerte sie von dort ab einen nahezu rechtweisenden Südkurs, während die
gleichzeitig in 28° N-Br und 20,3° W-Lg stehende „Ellen Rickmers“ ihren Kurs
westlich von San Antonio richtete. Am 8. September war „Charlotte“ bis zu
der in 14,8° N-Br und 22,3° W-Lg liegenden äquatorialen Passatgrenze vor-
gerückt, uud am selben Tage, nur etwa acht Stunden später, endete auch bei
der in 14,1° N-Br und 264° W-Lg stehenden „Ellen Rickmers“ der NE-Passat.
Südlich von letzterem wurden dann beide Schiffe zunächst längere Zeit durch
leichte Mallung zurückgehalten, bevor es ihnen gelang, den später nur unbeständig
wehenden SW-Monsun anzutreffen. Bei „Charlotte“ geschah dies in 6,1° N-Br
und 20,2° W-Lg am 19. September, während derselbe Vorgang bei der sich in
6,4° N-Br und 24,6° W-Lg befindenden „Ellen Rickmers“ einen Tag vorher
stattgefunden hatte. Als jene Bark am 23. September in 3,7° N-Br und
15,4° W-Lg wendete, befand sich diese in 1,6° N-Br und 24,7° W-Lg. Am
28. September ging „Charlotte“ in 23,2° W-Lg von nördlicher in südliche Breite
über, dagegen hatte „Ellen Rickmers“ den Aequator in 26,2° W-Lg schon am
24. September überschritten. Ein günstigeres Resultat für die östliche Route
argiebt die Vergleichung der Fahrten der beiden Mitseglerpaare „Mimi“ und
„Paul“ und „George“ und „Industrie“. Bei letzteren wird dasselbe indessen
wohl zum Theile durch die wahrscheinlich viel gröfsere Schnelligkeit der grofsen
eisernen „Industrie“ verursacht worden sein. Nachdem „George“, welcher Lizard
am 29. August verlassen hatte, auf dem nördlich von 30° N-Br liegenden Reise-
abschnitt durch weiter von der portugiesischen Küste ab herrschende leichte
ungünstige Winde unverhältnilsmäfsig lange aufgehalten worden war, erreichte
dieses Schiff am 18. September in 29° N-Br und 21,6° W-Lg das Passatgebiet,
zu einer Zeit, als die schon seit zwei Tagen vom Passat begünstigte „Ändustrie“,
welche sich am 4. September bei Lizard befunden hatte, sich schon in 24,3° N-Br
und 21° W-Lg befand. Auf der westlichen Route war der „George“ dann trotz
der geringeren Segelfähigkeit im Stande, von dem gegen den Mitsegler Verlorenen
etwas wieder zu gewinnen; denn bis zum 28, September konnte er nach 9,2° N-Br
in 25,1° W-Lg vorrücken, während gleichzeitig „Industrie“ nach 7,7° N-Br in
22,8° W-Lg segelte. Nach dieser Zeit blieb der „George“ aber wieder in ganz
aufserordentlicher Weise zurück, Er traf vom SW-Monsun fast keine Spur an.
Erst nachdem er bis zum 10. Oktober gegen leichte Mallung gekämpft hatte,
gelang es ihm, den in 2° N-Br und 23,8° W-Lg einsetzenden SE-Passat zu er-
feichen, der die Bark am nächsten Tage zu der in 24° W-Lg überschrittenen
Linie führte. „Industrie“, die dagegen am 27, September bei 8,8° N-Br in
23,4° W-Lg SW-Monsun gefunden, hatte schon am 3. Oktober in 22,2° W-Lg
die nördliche Halbkugel verlassen.
Einen sehr günstigen Verlauf nahmen die Reisen derjenigen Schiffe;
welche in der ersten Woche des Oktobers ihre Reise antraten, Das schon
erwähnte, in so ungewöhnlicher Weise gelagerte Maximum schuf damals im