Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte.
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Fahrt ab Gibraltar Philadelphia erreichte, kreuzte den Ocean, indem er sich
in der Nähe von 36° N-Br hielt, und die übrigen Schiffe suchten sich ihren
Bestimmungshäfen von Lizard oder Fair Island ab auf möglichst kürzestem
Wege zu nähern. Die Reisen der letzteren wurden durch stürmische Winde
sehr beunruhigt, dagegen wurden .die von „Godefroy“ und „Friedrich“ durch
das Passatgebiet ausgeführten durch dort angetroffene westliche Winde und
Mallung bedeutend verlängert. Am meisten begünstigt durch Richtung und
Stärke der angetroffenen Winde wurde die Fahrt des „J. W. Wendt“. „Columbus“
wurde schon bald, nachdem er den Atlantic erreicht hatte, durch Weststürme
in solcher Weise zurückgehalten, dafs man in 10 Etmalen nur von 60° N-Br in
21° W-Lg nach 56° N-Br in 25° W-Lg vorrücken konnte. Auch der übrige
Theil der Reise dieses den Ocean in verhältnifsmäfßig hoher Breite über-
schreitenden Schiffes nahm einen .stürmischen Verlauf. Trotzdem wurde die
Reise mit 41 Tagen in etwas kürzerer Zeit, als es die Mitsegler „Cleopatra“
und „Niagara“ auf direkter Route vom Kanal aus vermochten, vollendet. Der
Gewinn wurde erzielt auf dem westlich von 30° W-Lg liegenden Theile der
Reise, Am Morgen des 6. Oktober herrschten bei diesen drei Schiffen stürmische
SE-Winde, die eine Folge einer grofsen von WNW hergekommenen, mit dem
Centrum etwa bei 45° N-Br in 49° W-Lg gelegenen Depression waren, (Siehe
Karte III.) Bei „Cleopatra“, in 43° N-Br und 45° W-Lg, wehte bei auf 751 mm
gesunkenem Luftdruck ein orkanartiger Sturm aus SSE, der dieses Schiff zum
Beidrehen zwang. Bei der gleichzeitig in 43,5° N-Br und 43° W-Lg stehenden
„Niagara“ trat der SE-Wind, wenn auch das Barometer ebenso tief wie bei
„Cleopatra“ sank, weniger stürmisch auf, so dafs derselbe. voll ausgenutzt wer-
den konnte, Bei beiden Schiffen trat jedoch noch an demselben Tage ein Um-
Jaufen des Windes nach West ein, worauf man während der folgenden Tage
wieder nur geringen Fortschritt erzielen konnte. „Columbus“ dagegen, bei dem
am 6. Oktober in 51° N-Br und 37° W-Lg der Wind trotz des mehr als 770 mm
betragenden Luftdruckes kräftig aus SSE wehte, konnte an diesem Tage, wie
auch am 7. und 8. Oktober, noch befriedigenden Fortschritt nach Westen er-
zielen. Am Mittag des 14. Oktober befand sich „Columbus“ in 45,2° N-Br und
54,5° W-Lg, „Niagara“ in 44,5° N-Br und 55° W-Lg und „Cleopatra“ in
42,5° N-Br und 55,5° W-Lg. Am 26. Oktober, 41 Tago später als Fair Island
verlassen worden war, erreichte „Columbus“ den Hafen von New-York. An
demselben Tage, 42 Tage nach der Abreise vom Kanal, hatte dies anch
„Niagara“ gethan, und nach drei Tage längerer Fahrt gelangte „Cleopatra“ am
29, Oktober zur Mündung des Delaware.
Der „J. W. Wendt“, welcher die Straße von Gibraltar am 26. September
durchsegelt hatte, verfolgte im offenen Ocean einen recht nach Westen ge-
richteten Kurs. Da er auf demselben Winde antraf, die vorherrschend aus
östlicher Richtung wehten, konnte eine solch rasche Fahrt erzielt werden, dafs
man sich am 17. Oktober schon in 36° N-Br und 66° W-Lg befand. Westlich
von diesem Punkte wurden ungünstigere Verhältnisse angetroffen, bis schliefs-
lich am 25. Oktober der Delaware-Flufs erreicht wurde. Die Fahrt über den
Ocean war von dem, freilich sehr rasch segelnden Schiffe in der kurzen Zeit
von 29 Tagen vollendet worden. Kinen weniger günstigen Verlauf nahmen,
wie schon erwähnt, dio auf der Passatroute ausgeführten Reisen. „Amelia“,
die, gezwungen durch die im Atlantic angetroffenen NW-Winde, das Passat-
gebiet aufsuchte, verlor auf dem Wege zu demselben zunächst ziemlich viel Zeit,
fand später aber doch einen beständigen, mäfsig starken Passat und erreichte
schliefslich den Delaware am 17. Oktober nach einer ungewöhnlich ruhigen
Reise von 39 Tagen, Bedeutend verlängert durch gestörten Passat wurden
dagegen die Reisen von „Godeffroy“ und „Friedrich“, Das erstere Schiff,
welches sich am 12, September bei Lizard befunden hatte, steuerte von dort
aus bei frischem NE-Winde Kurs für den Passat, während „Cleopatra“ und
„Niagara“, zwei andere den Kanal zwei Tage später verlassende Mitsegler, den
noch anhaltenden günstigen Wind dazu benutzten, um auf direkter Route vor-
zurücken. Die Reisen nahmen dann einen derartigen Verlauf, dafs nicht nur
„Godeffroy“, sondern auch der schon am 16. September vom Kanal abgegangene
„Friedrich“ erst an demselben Tage mit „Cleopatra“ und „Niagara“ am
28. September den Meridian von 30° West erreichten. „Cleopatra“ und
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