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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

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Reisebericht der deutschen Bark „Auguste“. 
nung entgegengesetzter und verschieden temperirter Strömungen hervorgerufen 
wird, gefährlich zu werden drohte. An Deck wurde manches Stück zertrümmert, 
so Treppen und Thüren, die Kombüse wurde wiederholt ausgeräumt, so daf(s 
an Kochen nicht zu denken war, u. 8. w. Der etwas unsichere Schiffsort war 
am Mittage des 6. Dezember 45,9° S-Br und 62,9° O-Lg. 
Bezüglich des Umgehens des Windes von N beziehungsweise NW auf W 
oder SW, worauf wir bei stürmischem Wetter durch die Beobachtung des 
Barometers stets sorgfältig vorbereitet waren, machten wir überraschender 
Weiso fast jedesmal die Erfahrung, dafs derselbe nach mehreren tüchtigen, von 
heftigem Regen begleiteten Böen nicht ausschofs, sondern bei regnerischer 
nebeliger Luft ganz abflaute, so einige Stunden blieb und dann allmählich nach 
W oder SW drehte, um erst nach einiger Zeit aus dieser Richtung kräftig oder 
stürmisch zu werden, 
Am 10, Dezember passirten wir um ungefähr 8 Uhr Morgens 80° O-Lg auf 
42° S-Br, hatten also von 0° bis hierher 18 Tage und 2 Stunden, den Zeitunter- 
schied in Rechnung gebracht, aber nur 17 Tage und 21 Stunden gebraucht, 
wobei wir nur wenig von einer östlichen Strömung begünstigt worden waren. 
Beim allmählichen Aufluven nach dem Gebiete des Südostpassates im 
Indischen Ocean, wobei 40°. S-Br in etwa 86° O-Lg und 35° S-Br in 97° O-Lg 
geschnitten wurde, führten uns die westlichen Winde bis nach etwa 31,5° S-Br 
und 101° O-Lg, wo sie in der Nacht vom 17. zum 18. Dezember, ohne eine 
Unterbrechung durch Mallung oder Stille, in den Passat übergingen. Derselbe 
wehte bereits am 18, und 19. stürmisch und war auch am 20. noch so steif, 
bei ungestümer See, dafs wir, zumal es den Anschein hatte, dafs er östlicher 
holen könnte, schon bedauerten, im Süden nicht noch mehr Ost gutgemacht zu 
haben. Indessen flaute der Passat nördlich von 25° S-Br ab und lief südlicher, 
war am 21. Dezember auf 22,3° S-Br und 107,5° O-Lg bereits S3--4 und hielt 
sich in den nächsten Tagen zwischen SSE und SSW. Nördlich von 15° S-Br 
hatte der Wind die Richtung SW bei einer Stärke von durchschnittlich 3—4, 
anscheinend den Uebergang in den Nordwestmonsun andeutend. Das Wetter 
hielt sich während der Zeit gut und trocken. Das Barometer, welches nach 
dem Einsetzen des Südostpassates einen Stand von 770,5 mm (unred.) ein- 
genommen hatte, begann sehr bald und beständig zu sinken, so dafs nördlich 
von 21° S-Br das tägliche Maximum höchstens 762,0 mm, das Minimum aber 
öfters unter 760,5 mın war und ich befürchtet hätte, ein Orkan wäre im Anzuge, 
wenn nicht die tägliche Periode des Luftdrucks sich so regelmäfsig gezeigt 
hätte. Später fiel das Barometer indefs noch tiefer, so am 27. Dezember um 
4 Uhr Nachmittags, auf etwa 9,5° S-Br und 115° O-Lg, auf 759,4 um und in 
der folgenden Nacht, südlich von der Lombok-Strafse, bei stürmischem NW- 
Winde, sogar auf 758,0 mm. 
Es war meine Absicht, die Mitte der Insel Lombok anzusteuern und dann, 
je nachdem wir infolge von unrichtiger Länge oder Stromversetzung das Land 
machen sollten, entweder die Lombok- oder Allas-Strafse zu durchsegeln. Als 
wir jedoch von 17° S-Br in 111° O-Lg an einen beträchtlichen östlichen Strom 
fanden, setzten wir den Kurs auf die Südspitze von Bali, ein Vorgehen, das 
sich später als zweckmäfsig erwies, besonders deshalb, weil wir 29‘ in Länge 
östlicher standen, als wir nach unserem Chronometer sein sollten. 
In der Nacht vom 26. zum 27. Dezember, auf ungefähr 12° S-Br und 
113,5° W-Lg, ging der bis dahin leichte bis mäfsige SW-Wind nach W und 
NW, wurde steif und erzeugte eine polternde See. Am Sonntag den 27. De- 
zember sahen wir gegen 6 Uhr Nachmittags Land, leider zu spät, um uns noch 
orientiren zu können, denn es wurde sehr bald, besonders über dem Lande, 
wo sich Gewitterschauer zusammenballten, ganz dunkel. Der Wind flaute bald, 
westlich holend, bis Stärke 3 ab, womit wir zunächst noch bis 11 Uhr Abends 
NzW auflagen, da wir wegen der sich bald einstellenden Blitze das Land 
einigermafsen im Auge behalten konnten. Als das Gewitter jedoch näher kam, 
halsten wir und lagen südwestlich vom Lande ab. Im Norden von uns glaubten 
wir Table Hoek und Pandita-Eiland zu sehen, doch konnten wir uns hierüber 
keine Gewifsheit verschaffen; denn nachdem wir um 2 Uhr Morgens bei nun- 
mehr frischem beständigem WNW-Winde gehalst hatten, um mit Tagesanbruch 
licht unter der Küste zu stehen, begann es eine Viertelstunde später plötzlich