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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

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Windgeschwindigkeit und Windrichtung auf der Insel Lesina, 
Der tägliche und jährliche Gang der Windgeschwindigkeit und 
der Windrichtung auf der Insel Lesina. 
Mit einem Beitrag zur Charakterisirung der Bora und des Scirocco. 
Von J. Hann. 
Erste Mittheilung. 
Seit Juni 1870 funktionirt auf der Insel Lesina ein registrirendes Anemo- 
meter. Bis zum Januar 1872 hatte Herr Gregor Bucchich, Telegraphenamts- 
leiter zu Lesina, welcher seit April 1858 für die Kaiserl. meteorol, Central- 
Anstalt in Wien die regelmäfsigen meteorologischen Aufzeichnungen daselbst 
mit wahrhaft musterhafter Sorgfalt, Eifer und Sachkenntnifs besorgt, ein 
registrirendes Anemometer eigener Konstruktion aufgestellt. Seit Februar 1872 
funktionirt ein registrirendes Anemometer von Hipp, dessen Beschreibung sich 
im II. Berichte der ständigen Kommission für die Adria (Wien 1871) vorfindet 
(Anhang S. 7 ete.). Durch vielfältige Vergleichungen fand Herr Bucchich 
das Verhältnifs der von beiden Apparaten angegebenen Windgeschwindigkeiten 
zu 1,24, d. h. das Anemometer Hipp giebt fast genau um ein Viertel gröfsere 
Windgeschwindigkeiten, als das Anemometer von Bucchich, Die Aufstellung 
des Anemometers ist eine sehr günstige. Dasselbe befindet sich in ganz freier 
Lage auf einem Hügel am westlichen Ufer des Hafens von Lesina. Das 
Robinson’sche Schalenkreuz befindet sich in einer Höhe von 31,4 m über dem 
mittleren Wasserstande. Der natürliche Boden (Gipfel des Hügels) hat die 
Seehöhe von 20,2 m, der Anemometer-Thurm ist 9,1 m hoch, und das Schalen- 
kreuz selbst erhebt sich noch 2,1 m darüber. Herr Bucchich äußert sich sehr 
lobend über die Thätigkeit des Hipp’schen Anemographen, Er fand aber doch 
Gelegenheit, einige Verbesserungen an demselben anzubringen. 
" Da Herr Bucchich selbst bisher keine Zeit fand, seine nun mehr als 
16jährigen Reduktionen der Anemographen-Zeichnungen zu bearbeiten, so schien 
es mir zweckmäfsig, wenigstens zu einer theilweisen Verwerthung dieser langen 
Reihe von Windregistrirungen zu schreiten. Herr Bucchich hat mich dabei 
mit manchen dankenswerthen Mittheilungen unterstützt. Die Bearbeitung er- 
folgte im Allgemeinen in ähnlicher Weise, wie ich selbe vor nahe 10 Jahren 
für die Windregistrirungen zu Wien geliefert habe („Die tägliche Periode der 
Geschwindigkeit und der Richtung des Windes“. Sitzungsbericht der Wiener 
Akademie, Jan.-Heft 1879, LXXIX. B., II. Abth.). Zur Ableitung des täglichen 
Ganges der Windgeschwindigkeit wurden die 15 Jahrgänge 1871—85 verwendet. 
Die Registrirungen sind nicht lückenlos, meist fehlen aber nur 1 bis 2 Tage 
in einzelnen Monaten. (Mehr als 4 Tage fehlen im: Nov. 1871 (6), Sept. 1873 (10), 
Aug. 1874 (18), Okt. 1875 u. Dez. 1877 (je 5), Dez. 1881 (7), Sept. 1882 (5), 
Aug. 1885 (7) und Dez. 1885 (9), im Ganzen fehlen innerhalb 15 Jahren nur 
130 Tage, ohne den August 1874, für welchen der August 1870 eingesetzt 
wurde.) Es ist dies für einen elektrisch registrirenden Apparat ein sehr 
günstiges Ergebnis, 
Die Reduktion der Windgeschwindigkeit erfolgte nach der Robinson’schen 
Regel, und es wurde stets der innerhalb einer Stunde zurückgelegte Windweg 
in Kilometern eingetragen. Ich hielt es für das Vortheilhafteste, die mittleren 
Windwege pro Stunde in Kilometern beizubehalten, da es sich hier überall 
eigentlich nur um Relativzahlen handelt. Die Reduktion auf Meter pro Sekunde 
geschieht durch Multiplikation mit dem Faktor 0,2778 (log. Faktor = 9,4457). 
Ich habe nur einige der Haupt-Resultate auf Meter pro Sekunde reducirt, 
Die folgende Tabelle enthält zunächst die einzelnen Monatsmittel der 
stündlichen Windwege von 1871—85 und den daraus abgeleiteten jährlichen 
Gang der Windgeschwindigkeit auf Lesina.
	        
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