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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

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Kleine Notizen. 
Wir sind in der Lage, von diesen interessanten Versuchen, deren Resultate 
die genannte Gesellschaft in ihrem Organ „Von den Küsten und aus See“, Heft 
1 und 2 d. J. veröffentlicht hat, Einiges mitzutheilen. 
Die ersten Versuche wurden im Dezember v. J. mit Oelraketen, welche 
von Herrn W. Meissel, Offizier des Norddeutschen Lloyd, konstruirt waren, 
am Nordstrande der Insel Norderney ausgeführt. Die Raketen enthielten aufser 
einem Pulversatz von 0,4 kg, in einem besonderen Blecheylinder 0,3 kg Rüböl, 
welchem etwas Glycerin zugesetzt war, um ein Gefrieren zu verhindern. Zur 
Zeit des Versuches herrschte ein flauer Nordostwind, der nur geringe Brandung 
erzeugt hatte. Von 12 abgefeuerten Raketen wurde nur bei einer der erwartete 
Erfolg beobachtet; diese hinterliefs einen vom Lande aus sichtbaren, etwa 75m 
langen und 15m breiten Oelstreifen, welcher sich mit dem westlichen Strome 
am Strande hinzog, sich eben aufserhalb der Brandung befand und entschieden 
beruhigend auf dieselbe wirkte. Wie sich herausstellte, war der mangelhafte 
Ausfall dieser Versuche dem Umstande zuzuschreiben, dafs die Oelcylinder aus 
zu starkem Blech bestanden und eine zu kleine Sprengkammer besafsen, so dafs 
die meisten gar nicht zur Explosion kamen. 
Nachdem diesem Uebelstande abgeholfen war, wurden die nächsten Ver- 
suche am 27, und 28. Januar d. J. in der Mündung der Elbe nahe dem Scharhörn- 
Riff von dem Dampfer „Neuwerk“ aus angestellt. Am ersten Tage wurden bei 
frischem NNW-Winde, mäfßigem Seegange und mäfsiger Brandung 7 Raketen 
abgefeuert, von denen die erste nicht explodirte, die zweite innerhalb der 
Brandung, die dritte und vierte in der Brandung und die drei letzten aufser- 
halb der Brandung in der Luft zur Explosion gelangten. Es bildeten sich eben 
außerhalb der Brandung zwei Oelflächen, von denen jede etwa 90m lang und 
30m breit war und welche die See bedeutend schlichteten. Auch die beiden 
Raketen, welche in der Brandung explodirt waren, übten auf dieselbe eine be- 
ruhigende Wirkung aus. Am folgeuden Tage, an welchem bei stürmischem 
Nordostwinde ziemlich hohe Brandung beim Leuchtthurm von Cuxhaven stand, 
wurden 4 Raketen abgefeuert. Die erste Rakete explodirte im Wasser und er- 
zeugte eine kreisförmige Oelschicht von etwa 15m Durchmesser, die drei übrigen 
explodirten in der Luft und hinterließen lange schmale Oelstreifen auf dem 
Wasser. Auch hier beruhigte das Oel die aufserhalb der Brandung laufende 
See bedeutend, hatte aber auf die Brandung selbst keinen merklichen Einflufs, 
Aus diesen Versuchen wurde der Schlufs gezogen, dafs die Raketen bei 
starkem auflandigen Winde am zweckmäfsigsten im Wasser zur Explosion ge- 
bracht werden, da dann der Wind keinen Einflufßs auf das ausfliefsende Oel 
haben kann und infolge davon eine mehr abgerundete Fläche des Wassers mit 
Del bedeckt wird; dafs ferner die Raketen stets vom Lande abgefeuert werden 
sollten, und nicht aus dem Rettungsboot bei starkem Sturm und hoher Brandung, 
denn schon bei den Bewegungen des 100 Fufs langen Dampfers „Neuwerk“ bei 
mäfsigem Seegange konnte den Raketen nicht annähernd eine bestimmte Direktion 
gegeben werden. 
Weiteren Versuchen mit Oelraketen wurden solche mit Oelbomben, von 
demselben Erfinder konstruirt, angereiht. Die letzteren wurden aus einem 
Gewehre von derselben Konstruktion, wie das auf den Rettungsstationen zum 
Leinenschiefsen auf kurze Distanzen gebräuchliche Corde’sche Gewehr, nur von 
größerem Kaliber, geschossen. Ueber die Ergebnisse dieser Versuche möge 
folgender Bericht des Iuspektors Pfeifer, welcher in der obengenannten Zeit- 
schrift der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger veröffentlicht ist, Auf- 
schlufs geben: 
„Am Nachmittage des 13. April liefsen wir das Rettungsboot der am 
Nordende der Insel Sylt liegenden Station List zu Wasser, um zunächst auf 
dem weiten Wattenmeer die Wirkung der Oelbomben zu erproben, da bei dem 
zur Zeit herrschenden stürmischen Südostwinde am Aufsenstrande der Insel 
nur sehr geringe Brandung lief, | 
Wind und See waren unruhig, so dafs das Boot ziemlich heftig arbeitete 
und wir viel Spritzwasser übernahmen. Das Laden des zum Schiefsen der 
Bomben mitgenommenen Gewehrs war unter diesen Umständen beschwerlich, 
auch konnte das Pulver im Rohr vor Nässe nicht bewahrt werden, da kein
	        
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