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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte. 
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Eismeere kommenden Wirbel am 20.—25. nach Osten gefolgt war. Die rapide 
Fortpflanzung dieser Wirbel auf einer nach Südost oder selbst Süd gerichteten 
Bahn würde zweifelhaft erscheinen müssen, wenn es nicht durch: die Beobach- 
tungen vom Nachmittag und Abend bestätigt würde, welche in den Jahrbüchern 
der meteorologischen Institute von Christiania und Petersburg veröffentlicht 
sind; die durch Punkte auf den Bahnen angedeuteten Zwischenpositionen dieser 
Minima sind nach den erwähnten Publikationen ermittelt. Bahnen dieser Natur 
sind im Winter nicht selten; Bedingung dafür ist, dals im Nordosten des 
europäischen Russlands und .in Westsibirien sowohl niedriger Luftdruck als 
niedrige Temperatur herrschen, während beide in Skandinavien hoch sind. 
Diese: Bedingung war diesmal ungewöhnlich früh im Jabre erfüllt. Die Iso- 
therme von 0° C. verlief schon vom 16. September an (um 7* a, m.) durch das 
Weifse Meer und den mittleren Ural, während im Gebiete hohen Druckes im 
Süden von Skandinavien die Temperatur fast stets über 10° C. lag. 
Der Umschwung in der Wetterlage, welcher den Eintritt dieses neuen, 
etwa vom 19. bis zum 25. September reichenden Zeitabschnitts be- 
gleitete, drückte sich aufser im Weichen dieses Maximums aus Westeuropa auch 
in der Fortpflanzung einer starken Depression aus, die, vom Ostabhange des 
Felsengebirges über Labrador herkommend, beim Fortschreiten auf dem Ocean 
nicht, wie die vorhergehenden, sich ausglich, sondern bei Island bedeutende 
Intensität gewann und von da unter allmählicher Abschwächung nach Nowaja 
Semlja weiterzog.!) Das subtropische Maximum auf dem Ocean war stärker 
und lag bedeutend nördlicher in diesem Zeitraum, als im vorhergehenden; sein 
Centrum verschob sich langsam ostwärts, während aus Amerika zwei Maxima 
mit viel gröfserer Geschwindigkeit heranzogen und mit ihm verschmolzen. In 
Mitteleuropa herrschte während dessen ruhige normale Herbstwitterung, Die 
rapide Fortpflanzung von Cyklonen vom Kismeere über Osteuropa südostwärts 
hörte mit dem 21. auf, als der Druck bei Island niedrig geworden war und das 
Maximum aus Westeuropa mit abnehmender Höhe sich ostwärts verschoben 
hatte. Auch der Temperatur-Unterschied zwischen Central- und Nordosteuropa 
hatte dabei etwas nachgelassen. 
Vom 21. September an sehen wir einen tropischen Wirbel auf der Mitte 
des Oceans sich nordwestwärts bewegen, am 23. in 35° N-Br umbiegen, mit 
grofser Geschwindigkeit nach Nordost sich fortpflanzen und am 25. als Satellit 
einer isländischen Depression sein Leben enden. Es ist nicht ausgeschlossen, 
dafs es die direkte Fortsetzung des Wirbels war, welcher am 13.—16. bei den 
Kapverden beobachtet wurde; aus dem Zwischenraum fehlen Beobachtungen, 
es würde, wenn diese Lücke sich ausfüllen liefse, eine der längsten und regel- 
mäfsigsten Orkanbahnen sein, welche bisher mit Sicherheit festgestellt worden 
sind. Beobachtungen vom 13.—16. haben wir oben bereits beigebracht; vom 
21.—25. mögen die bemerkenswerthesten Notizen hier folgen. 
21. September. D. 19 (50° W-Lg). In der zweiten Hälfte des Tages der Wind rasch 
zum Orkanartigen Sturme zunehmend und dabei durch N nach NW umlaufend. Um 10h p.m. 
niedrigster Luftdr. = 744,0 mm und Wind NNW 12, Um 10%4h p,m. nahm der Orkan für kurze 
Zeit bis zum ganz flauen Zuge ab. 
22. September. D. 19. Um Ob a.m. Wind WNW 11, Bar. 745,0. 
24. September. D. 41. Um Ob a.m. Wind ENE6, um 2a NES8, um 4a NNE 10—11 
und um 6a N 9; um 43 niedrigster Luftdr. = 748,3. — S. 39. Um 12p Wind W 1, Bar. 771,5. 
1) An der Ost- und Südseite dieser Depression bewegten sich als Satelliten im gewöhnlichen 
Jinksläufigen Sinne mehrere Theilminima, aus deren Bereich die folgenden Schiffsnotizen von Inter- 
esse sein dürften: . 
17. September. S. 44. Um 2a Wind SEzS5, um 4a N9; starker Regen. — (Abends 
wurde auf S. 40 und S. 11 Nordlicht beobachtet.) . 
18. September. S. 20. Um 12a Wind S10, Bar. 759,5. — S. 34. Um 12p Bar. 752,2; 
Wind um 6p SzW 7, um 10p S1 und um 12p N8. — S. 43. Während der letzten Wache dieses 
Tages heftiges Gewitter, Elmsfeuer. — S. 42. Zwischen 0b und 4b a. m. Nordlicht. 
19. September. S. 48. Um Oh a.m. Wind SSE 7 und Luftdr, = 744,7 mm. Blitz und 
Danner, Um 2b a. m. Wind plötzlich ENE 11 und niedrigster Luftdr. = 735,8 mm. Wind dann 
rasch umlaufend nach NNW. — S. 38. Um Ol a. m. Luftdruck = 757,5 mm und Wind S7; um 
4b a. m. niedrigster Luftdr, = 739,3 mm und Wind S11. Um 21% a. m. orkanartiger Sturm. Um 
6b a.m. Wind W11; um 4b p.m. N5 und um 12 p.m. NE2. Luftdruck zur letzteren Zeit 
769,0 mm. — 5S. 839. Um 2b p.m. niedrigster Luftdruck = 745,4 mm und Wind SSW 11. Um 
8h p.m. Wind N9, — S. 40. Um 12% a. m. niedrigster Luftdruck = 754,8 mm und Wind SSW 9. 
Um 4b p.m. Wind W7 und um 12h p. m. NNW 3. 
Ann, d, Hydr, eto., 1888, Heft VIII.
	        
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