Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums. — 60. Band. Nr. 6/7.
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abkühlenden Strahlungseffekt überlagert. Machte sich die Überquerung des Bottenbusens im Wolkenfeld nicht be
merkbar, so bereits klar im Temperaturfeld. Der Bottenbusen bewirkt entlang seiner Küsten, vornehmlich der luv-
seitigen, eine Temperaturerhöhung. Aland, am weitesten küstenentfernt, zeigt sogar + 5°. Das Maximum der Tem
peraturerhöhung durch die Wasserfläche der nördlichen Ostsee liegt an der Baltischen Küste, wo Filsand + 6° ver
zeichnet. Nach dem Binnenlande zu sinkt die Temperatur dann wieder, um auf der Linie Dorpat—Kowno den
Gefrierpunkt erneut zu überschreiten.
Der geschilderte Fall zeigt eindeutig die als Kaltluftachse beschriebene Tatsache der Tem
peraturerniedrigung am Gebirgsostfuß bei maritimer Luftzufuhr, die vielleicht auch durch
ältere Kaltluft verstärkt sein kann, welche im Schutze des Gebirges nicht weggeräumt, sondern
überweht bzw. vermischt wird. Das Beispiel ist daher eine Erläuterung des in Fig. 77 gegebenen
Schemas. Gleichzeitig ist es ein Beleg für den erwärmenden Einfluß cler Ostsee bei dieser
Wetterlage.
Das vorige Beispiel ging aus von einem vorerst noch sehr geringen selbständigen Kaltluft
block über Lappland, cler eine vollständige Überwehung mit NW-Luft zuließ. Anders wird es.
wenn der Kaltluftblock bereits im Aufbau begriffen ist. Wir greifen das Beispiel cles
Nsk-KE vom 19. November 1930 heraus (Fig. 80).
Ein flaches Tief liegt über Kola und reicht bis Estland. Vom Eismeer strömt polare Kaltluft ein. die Tempera-
tureu an der Küste sind wenig unter 0°. Jedoch im Innern Lapplands herrscht stärkerer Frost trotz gleicher Wind
richtung. Auch in Finnland herrscht in dieser Luftströmung starker Frost, mit Ausnahme cles Südwestens, der infolge
der Überwehung cler Bottensee geringeren Frost aufweist. Das thermische Querprofil von Ingö am Nordkap nach
Kajaani iu Mittelfinnland zeigt (am 17. November 1950): Ingö —1°, Inari —8°, Sodankylä —-7°*, Haparanda - -12°,
Fig. 80. Nsk-KE vom 19. November 1950 in Lappland Fig. 81. Allseitiger Kaltluftabflufi in Lappland,
bei entwickeltem lappischen Kaltluftblock (n. Bad. Wetterber.). Wurzclzone eines NO-KE (18. Dezember 1950).
(Nach Bad. Wetterber.)
Kajaani —12°. Mit nachlassender Strömung verschärft sich der Frost am nächsten Tage (18. November 1950): Ingö
— 1°, Inari — 12°, Sodankylä — 24°, Haparanda — 15°, Kajaani — 9°, wobei Sodankylä und Kajaani Windstille
melden. Am darauffolgenden Tage (siehe Fig. 80) bleibt das Profil von ähnlicher Gestaltung: Ingö —2°, Inari — 10°,
Sodankylä —25° (bei C), Haparanda —17°, Kajaani —9°. An der Küste trifft die Luft also mit geringem Frost ein,
im Inneren liegt sie fast still bei scharfem Frost, und am Bottenbusen frischt sie bei mäßiger Kälte erneut auf. Daß Inari
bei dieser Lage meist westliche Luftströmung hat, deutet auf einen gewissen Stau vor dem südlich vorgelagerten Höhen
rücken und Kältekissen (Sodankylä) hin, wodurch die von Norden zuströmende Kaltluft schwach abgelenkt wird. Es ist
möglich, daß auch hierbei ein Uberfließen cler ruhenden innerlappisdien Kaltluft stattfindet, ähnlidi wie es bei Fig. 78
angenommen wurde. Die Grenze zwisdien Eismeerluft und der Binnenluft ist demnach nicht scharf ausgeprägt. Das
entspricht auch unserer Vorstellung, daß die Eismeerluft allmählich beim Übertritt auf das Festland in den lappischen
Kaltluftblock einbezogen wird. Die bei Inari, oft auch weiter nördlich beiVardö, auftretenden Westwinde sind demnach
nach lokal bedingt, durch die Orographie und Kaltluftproduktion des Inneren, und nicht durch Einflüsse vom Meere her.
Das Wiederaufleben der nördlichen Luftströmung jenseits des lappischen Kaltluftblockes in Finnland setzt dann also kon
tinentale bzw. gründlich kontinental umgeformte Kaltluftmassen in Bewegung. Inwieweit dabei Eismeerluft nach einem
Überfließen der binnenländischen Kaltluft absteigt und miteinbezogen wird, sei hier wie gesagt nicht entschieden; der An
stieg der Temperatur nach dem Wiederauffrischen cler Nordströmung südöstlich cles lappischen Kaltluftblocks könnte