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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte. 
so dafs die Witterung dieser Tage hier, im Gegonsatz zu den letzten August- 
tagen, wieder einen recht sommerlichen Charakter trug. 
Auf der amerikanischen Seite des Oceans waren diese ersten Tage be- 
merkenswerth durch die Reste einer tropischen Cyklone von sehr geringer 
Ausdehnung, welche rasch in dem grofsen Depressionsgebiet verschwand, das 
über Labrador und nordwestlich davon lag. Zwei Notizen aus Dampferjournalen 
vom 1. September aus dem Meerestheil südlich von Neufundland mögen zum 
Beleg der Intensität dieses kleinen Wirbels dienen: „D. 35. Wind nach 6* a. m. 
durch E nach NE umlaufend und heftig stürmend. — D. 38. Morgens nahm 
der vorher leichte SE allmählich bis zum heftigen Sturme zu. Um 10% a. m. 
wehte ein orkanartiger SE-Wind. Der Wind drehte dann langsam durch S 
nach SW und W. Nach 3* p.m. mäfsigte sich der Sturm ganz, und der Wind 
lief um nach NW. Um 11® a.m, hatte der Luftdruck mit 737,9 mm seinen 
niedrigsten Stand erreicht. Um 8 p.m. zeigte das Barometer bereits wieder 
761,0 mm. Am Abend des 31. August war ein Nordlicht beobachtet worden.“ 
Die Anticyklone der Rossbreiten, welche in diesen Tagen in ihrer nor- 
malen Lage südwestlich von den Azoren verharrt hatte, schrumpfte zum 5. Sep- 
tember, ohne deutlich erkennbare Veranlassung, in ihrem nordwestlichen Theile 
gin und verwandelte sich in ein schmales, von Spanien nach Guiana sich er- 
streckendes Band, in welchem das Druckmaximum nordostwärts sich fortpflanzte, 
bis es am 9. Frankreich erreichte. Hierdurch ist der zweite Zeitabschnitt, 
vom 5.—10. September, charakterisirt, welcher im Uebrigen bezüglich der 
Fortpflanzung barometrischer Depressionen auf dem nördlichen Theile des Oceans 
mit dem ersten übereinstimmte, KEs sind wesentlich zwei hoch nördlich gerichtete 
Bahnen tiefer Depressionen und eine zeitlich dazwischen liegende dazu senk- 
rechte, welche das Bahnennetz dieses Zeitabschnitts bilden. Die Erklärung 
dieser Richtungen ist gewifs eine hochwichtige Aufgabe der Meteorologie. 
Bezüglich des vorliegenden Falles dürfen wir bemerken, dals die Bewegung der 
drei Depressionen vom 4. bis zum 7. mit den bisher erkannten mechanischen 
Bedingungen dieser Ortsveränderungen in Einklang war. Die beiden Cyklonen 
östlich und westlich von den britischen Inseln bewegten sich dabei um einander 
im Sinne „gegen die Uhr“ und hatten beide zugleich die niedrige Temperatur 
auf Island (Berufjord 5—6° C.) zu ihrer Linken und um 10—15° höhere Tem- 
peraturen in ihrer nächsten Nähe zur Rechten. Auffallend und noch nicht wohl 
erklärbar sind dagegen die Vorgänge am 7.—9.: die rasche Ausfüllung der 
Depression in der Nähe von Hamburg und die Umbiegung und große Be- 
schleunigung der Bahn der westlichsten jener drei. Die lange Bahn der letz- 
teren vom 8. zum 9. ist zwar, wegen Mangel an Angaben aus der Zwischenzeit 
von dieser Strecke, mit Ausnahme von Island, nicht als ganz sicher zu be- 
trachten; allein eine andere Auffassung ist aus dem vorhandenen Material nicht 
zu begründen und die rasche Bewegung der Cyklone bei Betrachtung der 
Wetterkarte vom 8. September auch nicht so auffallend, wie bei blofser An- 
sicht der Bahnenkarte. Es zeigte sich nämlich an diesem Tage eine intensive 
Theildepression auf der Baffinsbai, über deren Schicksal die Beobachtungen der 
grönländischen Stationen keinen Aufschlufs geben, welche aber die für eine 
solche rasche Fortpflanzung erfahrungsgemäfs nöthige Asymmetrie der Cyklone 
in um so höherem Grade bedingen mulfste, als letztere für die höheren Luft- 
schichten noch durch einen VTemperatur-Ueberschufs des Südostens über den 
Nordwesten von 15° und mehr verstärkt wurde. 
Abermals sehen wir in diesen Tagen auf der Karte eine langsam von S 
heraufkommende kleine tropische Cyklone auf dem Ocean. Auf dem Dampfer 53 
veränderte sich in der zweiten Hälfte des 6. September der Mittags aus S 
wehende Wind nach ESE und nahm allmählich bis zur Stärke 5 zu. Am 7. 
war um 1a der Wind SE7, um 58a E9, um 10a E12, um 11’% a plötzlich 
ganz flauer Zug und im Zenith aufklarender Himmel; um 12* a. m. Wind plötz- 
lich aus WNW in Stärke 12 einsetzend und dann allmählich an Stärke ab- 
nehmend. Um 6" p.m. Wind WNW 8. Niedrigster Barometerstand 747,5. 
Wie auf der letzten Karte des August mehrere, so sieht man auch auf 
der beiliegenden Karte I eine Depression von bedeutender Tiefe im Südosten 
des europäischen Russlands eine im Ganzen ost- und nordostwärts gerichtete 
Bahn nach Westsibirien verfolgen. Die Besserung des Wetters in Centraleuropa
	        
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