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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

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Aus dem Reisebericht der deutschen Brigg „Bertha“. 
mit ziemlicher Regelmäfsigkeit aus nordwestlicher Richtung weht, nie steif wird; 
wenigstens war dieses während der sieben Wochen meiner Anwesenheit hier- 
selbst, vom 29. Juli bis 15. September 1886, nicht der Fall. Die äufsere Rhede 
kann zu jeder Zeit, wenn Briese vorhanden ist, verlassen werden; die innere 
jedoch nur am Morgen mit der Landbriese. Vielleicht liefse sich bei Wind- 
stille oder ganz leichtem Winde hinaus warpen; allein dann müfste man auch 
von hinten einen Wurfanker mit Leine aushaben, um das Schiff stetig zu halten, 
weil nirgends Raum vorhanden ist, mit einer langen Leine aus schwaien zu 
können, Ebbe und Fluth ist kaum zu bemerken; der Hub des Wassers beträgt 
0,3—0,4 m (1—-1'/2 Fuß) — jedenfalls nicht mehr — und der Gezeitenstrom 
ist äufserst schwach. 
Eine regelmäfsige Postverbindung ist nicht vorhanden; die Briefe werden 
gelegentlich mit einem Küstenfahrer oder über Land durch eine reitende Privat- 
person befördert. An Schiffsbedarf ist aufser frischem Fleisch in Barahona 
nichts zu haben; nur ab und zu kann man einige Früchte, süße Kartoffeln und 
Maniok bekommen. Mehl wird über St. Domingo von den Vereinigten Staaten 
eingeführt und ist sehr theuer, nämlich 15, zeitweise sogar 20 Doll. pro Barrel. 
Trinkwasser kann man sich selbst vom Lande holen; es münden dort zwei 
kleine Bäche, die sehr gutes Wasser liefern, namentlich der südliche. Mit einem 
Boot kann man jedoch nicht in dieselben hineinfahren, vielmehr mufs das 
Wasser etwa zehn Schritte bis zum Strande, wo das Boot liegt, über Land 
bIransportirt werden, 
Die Charter enthält gewöhnlich die Klausel: „Laden nach Platzusance“, 
d. h. der Schiffer hat das Holz selbst vom Strande zu holen. Während meiner 
Anwesenheit gab es hier nur zwei Boote von je etwa 4 Tonnen Tragfähigkeit, 
welche aber beide von Schiffen in Petit Trou und Punta Palmas benutzt wurden 
und von denen das eine sich in einem sehr lecken Zustande befand. Für die 
Benutzung eines dieser Boote sind täglich 2% Doll. zu zahlen. Wir hatten 
also den Ballast, der ans Land geschafft werden mulste, und etwa 285 Tonnen 
Ladung — der Rost wurde durch einen Küstenfahrer von Punta Palmas ge- 
oracht — mit dem Schiffsboote zu transportiren. Es dürfte sich daher für ein 
von Europa nach Barahona bestimmtes Schiff, wenn es nach Platzusance zu 
laden hat, empfehlen, ein grofses gutes Boot eigens zu diesem Zweck mit- 
zunehmen, denn die Bootmiethe beträgt hier unter Umständen mehr, als ein 
Boot bei uns kostet, und aufserdem ist es, wie gesagt, nicht einmal sicher, 
dafs man selbst gegen hohen Lohn immer ein Boot miethen kann. Kin Eng- 
lisches Schiff hatte an Bootmiethe allein 130 Doll. zu bezahlen. Das landläufige 
Geld ist der Mexikanische Dollar, Die Leute müssen beim Beladen der Boote 
bis an den Hals im Wasser stehend arbeiten. Leute vom Lande können dieses 
besser vertragen und wissen auch besser mit der Arbeit umzugehen, als die 
Schiffsmannschaft. Sie erhalten einen Taglohn von 1'/« Doll. nebst Beköstigung. 
Das Klima von Barahona wird als das gesundeste an der ganzen Küste gerühmt, 
doch ist das Wechselfeber nicht selten. . 
Punta Palmas liegt 4 Sm nördlicher und hat ganz ähnliche Verhältnisse 
in Bezug auf Ankerplatz und Laden, wie Barahona, nur steht dort mitunter 
etwas mehr See. Leute wohnen dort nicht; man mufs daher die Arbeiter von 
Barahona mitnehmen und beständig an Bord behalten, während sie dort des 
Abends ans Land gehen. Aufserdem mufs für Punta Palmas (ebenso wie für 
Petit Trou) nebst den gewöhnlichen Abgaben noch für ein Coastpermit gezahlt 
werden, im Betrage von 1 Doll. für die Registertonne, was in Barahona, wo- 
selbst ein Zollhaus ist, nicht verlangt wird. | 
Petit Trou sollte, nach dem was mir drei englische Kapitäne, die dort 
geladen hatten, darüber mitgetheilt, in keiner Charter als Ladeplatz aufgenommen 
werden. Der Ankerplatz ist dem Seegang völlig ausgesetzt, und am Strande 
steht eine solche Brandung, dafs man tage-, mitunter wochenlang nicht mit dem 
Boote landen, viel weniger Ladung abbringen kann. Selbst bei gutem Wetter 
mu[s jedes einzelne Stück Holz an einer Leine 20 Schritte weit durch die 
Brandung nach dem Boot gezogen werden. Es stranden dort viele Schiffe; ein 
französischer Kaufmann erzählte, dafs in den letzten vier Jahren 22 Schiffe in 
Petit Trou verloren gegangen sein sollten, theils infolge von Brechen der 
Ketten, theil8s durch Aufstofsen beim Ein- oder Aussegeln. Die englischen
	        
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