Ableitung wahrer Tagesmittel.
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Ueber die Ableitung wahrer Tagesmittel aus den Beobachtungs-
stunden 8b a, m., 2% p. m. und 8% p. m.
Von Dr. W., Köppen. ;
/‘Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
Bei der Organisation ihres Beobachtungsnetzes im Jahre 1875 hat die
Seewarte bekanntlich die oben genannten Termine für die drei täglichen
Beobachtungen angenommen. Es geschah dieses aus Rücksichten auf die
Wettertelegraphie und auf die synoptische Verfolgung der Witterungserschei-
nungen nach den Einzelbeobachtungen. Die Nachrichten aus dem Nordwesten
Europas sind in der Regel die hierfür wichtigsten; den britischen und den
skandinavischen Beobachtungsnetzen sind aber die Termine 8a, m. und 2*p.m.
gemeinsam, während die dritte Beobachtung zwischen 6? p. m. (England) und
jh p. m. (Dänemark und Schweden) schwankt. Für diese erschien es am
zweckmäfsigsten, wie in Norwegen und an einem Theil der holländischen
Stationen, die Stunde 8" p. m. zu wählen, weil auf diese Weise die für die
richtige Beurtheilung der Aenderungen so wünschenswerthe Aequidistanz der
Termine am meisten erreicht wurde. Ein fernerer bedeutsamer Vortheil der
Stunden 8* a. m. und 8'p.m. ist das Zusammenfallen mit zwei von den sechs
an Bord gebräuchlichen Beobachtungsterminen, welche ja durch die allen See-
schiffen der Welt gemeinsame Eintheilung des Tages in Wachen festgelegt sind.
Dem Programm der Seewarte auf dem Gebiete der Landmeteorologie ent-
sprechend mufste diesen Erwägungen gegenüber die Frage nach der Bildung
von Mittelwerthen zurücktreten, Als sich aber weiterhin, in den Jahren 1879
bis 1884, auch einige neugegründete Institute, deren Aufgabe vorzugsweise
in der Pflege der binnenländischen Klimatologie liegt, durch das Beispiel der
Seewarte und die bequeme Lage ihrer Beobachtungsstunden veranlafst sahen,
gleichfalls diese Termine zu wählen — nämlich die Institute zu München,
Magdeburg, Chemnitz und Bukarest mit ihren bezüglichen Beobachtungsnetzen —
wurde die Klage laut, dafs diese Stunden für die Bildung klimatologischer
Mittelwerthe sehr ungünstig seien. Wir wollen diese Frage, die jetzt noch
dringender geworden ist, weil auch eine Reihe von überseeischen Stationen,
welche für die Seewarte beobachten, diese Termine einhalten, im Folgenden
einer Untersuchung unterwerfen,
Für die Termine 8 a, m., -2® p: m., 8*p. m. ist vom Wiener meteoro-
logischen Kongrefs die Ableitung der Mitteltemperatur nach der Formel
'/4 (8a +2 p-+ 8 p + Min.) vorgeschlagen worden. Da indefs die so berechneten
Mittel erheblich zu niedrig sind, namentlich im Winter, so hat die Seewarte
auf Vorschlag. des Verfassers dieses seit Beginn ihrer Publikationen einen
anderen Weg eingeschlagen. Ein Vergleich für eine Reihe von Stationen
mit stündlichen Beobachtungen in unseren Breiten zeigte nämlich, dafs von den
drei Kombinationen a) !/s (8a +2 p +38p), b) !ı (8a +8 p), c) Yı (Max.-+4- Min.)
in den Wintermonaten das wahre Mittel zwischen a) und b), im Sommer aber
zwischen b) und c) fällt, so dafs durch paarweise Kombination dieser Mittel
man hoffen kann, in allen Monaten den wahren Mitteln sehr nahe kommende
Werthe erhalten zu können. Für die Monate September bis April wird der
Durchschnittswerth aus a) und b), für Mai bis August jener aus b) und ec) von
der Seowarte verwendet, wie dieses auch allmonatlich in der als Beilage zu
den „Ann, d. Hydr. etc.“ erscheinenden Tabelle der Mittel, Summen und
Extreme für die Normalbeobachtungsstationen derselben erklärt wird.!) Die
Motive für die Wahl dieser Berechnungsweise finden sich diesseits in einem
._ 4) Die in der werthvollen Studie von Herrn Erk über die Bestimmung wahrer Tagesmittel
der Temperatur (Abh. d. K. bayer, Akad., IL. Cl., XIV. Bd., 1883) ausgesprochene Annahme, dafs
die Seewarte sich der Formel 1/4 (8 a +2 p +8 p 4- Min.) bediene, beruht auf Irrthum.