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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

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Nordstürme an der deutschen Ostseeküste, 
Wegen der Unsicherheit der dann folgenden Positionen mag die Be- 
wegungsgeschwindigkeit des Minimums auch nur für die Strecke von der Nord- 
see bis Rügenwaldermünde bestimmt werden. Dieselbe betrug von der Nordsee 
bis zum Fehmarnsund durchschnittlich etwa 39 km in der Stunde, von da 
bis zur Insel Rügen etwa 22km, und auf der letzten genauer bestimmbaren 
Strecke bis Rügenwaldermünde sogar nur etwa 11 km. 
Der Umstand, dafs in den Lagen östlich von der Insel Rügen die De- 
pression sich auszufüllen beginnt, hat verschiedene eigenthümliche und von den 
bei dem Märzsturm sich zeigenden abweichende Erscheinungen zur Folge. Diese 
Ausfüllung vollzieht sich, und es wird dies von allgemeinerer Gültigkeit sein, 
in der Weise, dafs zuerst eine Luftdruckzunahme in der Mitte der Depression 
eintritt, welche sich erst allmählich nach Aufsen hin ausdehnt, so dafs also 
eben im Innern jenes besprochene gröfsere Gebiet gleichmäßigen Luftdruckes 
sich bildet. Dies findet seine Darstellung sowohl in den synoptischen Karten 
als auch in den Aufzeichnungen der Barographen an den einzelnen Stationen, 
Je weiter ostwärts die Letzteren gelegen sind, um 80 geringer sind die Aende- 
rungen des Luftdruckes in der Zeit um den Eintritt des niedrigsten Barometer- 
standes an dem betreffenden Orte, wie aus der Tabelle III z. B. für Hamburg, 
Wustrow und Swinemünde sich ergiebt. 
Ganz besonders geringe Veränderung zeigt für entsprechende Zeiten das 
Barogramm zu Neufahrwasser vom 24. Nachmittags 5 Uhr bis zum 25. Morgens 
7 Uhr, in welcher Zeit die Schwankungen des Barometers nur 1 mm betragen. In 
diese Zeit fällt zwar der uiedrigste Barometerstand am Ort, doch nicht die 
gröfste Nähe des Centrums der Depression. Kinerseits nämlich nimmt eben der 
Luftdruck im Innern selbst noch weiter zu, andererseits ist die Bahn des Mini- 
mums vom Morgen des 25. an mehr nordöstlich gerichtet und fällt mit der 
Richtung der aulserordentlich stark hervortretenden grofsen Axe der Depression 
zusammen, somit bildet eine zur Bahnrichtung durch Neufahrwasser gezogene 
gerade Linie einen sehr spitzen Winkel mit den Isobaren. Infolge dessen 
findet von jener Zeit an trotz des Näherrückens des Minimums zu Neufahrwasser 
ein Steigen des Barometers statt. Damit ändern sich aber auch die Beziehungen 
der Luftdruckschwankungen zu den Winden, 
Zu Neufahrwasser sowohl als wie an den östlich davon gelegenen Orten 
findet das Umgehen des Windes aus südwestlicher in nördliche Richtung durchaus 
nicht zu der Zeit statt, zu welcher das Barometer wieder zu steigen beginnt, 
sondern erheblich später. 
So zeigen die barographischen Aufzeichnungen den niedrigsten Luftdruck 
zu Neufahrwasser am 25. Oktober Morgens gegen 6 Uhr, während der Wind 
erst Nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr nach Norden drehte. 
Ferner findet der Eintritt des Sturmes an der ganzen Ostseeküste-nicht 
so plötzlich statt, wie im März desselben Jahres, sondern die Zunahme des 
nördlichen Windes ist eine zwar immerhin schnelle, doch allmählichere als bei der 
zuerst besprochenen Erscheinung. Diese Verschiedenheit wird durch die gröfsere 
Ausdehnung des Gebietes gleichmäfsigeren Luftdruckes in der Mitte der De- 
pression, sowie durch das langsamere Vorrücken der ganzen Erscheinung 
veranla(st. 
Eine andere Eigenthümlichkeit macht sich noch an den westlich von 
Rügen gelegenen Stationen bemerkbar, nämlich zwei Maxima der Stärken der 
nördlichen Winde, zwischen denen ein mehr oder weniger beträchtliches Abflauen 
und ein Zurückdrehen nach Nordwesten eintritt. Es steht dies in Verbindung 
mit einer Ausbuchtung eines Theiles der Isobaren nach Westen zu, so dafs 
zwischen diesen die Gradienten eine Abnahme erleiden und auch die Wind- 
richtung an den südlich von jener gelegenen Orten eine Drehung erfährt. 
Oestlich von Rügen, also schon zu Swinemünde, zeigen die Auemographen- 
aufzeichnungen nur ein Maximum der Windstärke, wenn auch das Zurückdrehen 
nach Westen zu und abermalige Ausschielsen nach Norden an dieser Station 
sich in denselben noch darstellen. 
Dieser Sturm brachte an der pommerschen Küste einen aufserordentlich 
hohen Wasserstand mit sich. Das tiefe Luftdruckminimum, welches am 23. und 
24. im hohen Norden des Erdtheils vorüberzog, hatte in Verbindung mit dem 
hohen Luftdruck des südlicheren Europas im Ostseegebiet stürmische westliche
	        
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