accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

Nordstürme an der deutschen Ostseeküste. 
309 
des Windes eine allmählichere, dabei folgt die Drehung desselben dem allge- 
meinen Gesetz, nach welchem bei Vorübergang des Minimums auf der linken 
Seite der Bahn dieselbe im entgegengesetzten Sinne, auf der rechten Seite der 
Bahn in gleichem Sinne wie der Uhrzeiger sich vollzieht; vergl. Tabelle II, 
Kopenhagen und Memel, sowie Borkum, Hamburg und Berlin, am letzteren Orte 
geht diese Drehung dabei nicht über Nordwest hinaus. 
Auch fällt an diesen Orten das Umlaufen des Windes nach Norden 
nicht mit dem Beginn der Luftdruckzuuahme am Ort zusammen, wie bei den 
dem barometrischen Minimum im Verlaufe der Erscheinung zunächst gelegenen 
Stationen, sondern tritt erst etwas nach diesem ein. In Wandrup und Kopen- 
hagen und demnach wohl an allen nördlich vom Minimum gelegenen Orten hat der 
Wind die gröfste Stärke bei östlicher und nordöstlicher Richtung und nimmt mit 
der Drehung nach Norden zu ab. ; 
Am 12. Morgens 8 Uhr also lag das Minimum des Luftdruckes in der 
Gegend von Düppel; von dort aus schritt. dasselbe in ostsüdöstlicher Richtung 
über die Kieler Bucht und die Insel Fehmarn nach der Neustädter Bucht zu, wo 
es sich am frühen Nachmittag findet. Alsdann rein ostwärts sich wendend, be- 
tritt es beim Fischlande zwischen Darsserort und Wustrow das Festland und 
erreicht, quer über Rügen hinwegziehend, am.Abend die Pommersche Bucht. 
Nunmehr nimmt die Bahn des Minimums eine etwas nördlichere Richtung über 
dem Meere die hinterpommersche Küste entlang an, betritt gegen Mitternacht 
wiederum das Festland zwischen Rirhöft und Leba nach der Danziger Bucht 
sich wendend, dann südlich von Pillaw die Frische Nehrung überschreitend und 
verläuft in der Folge über Ostpreufsen und das russische Gourernement Wilna 
weiter ostwärts nach Grofsrufsland zu. Während dieser östlichen Bewegung 
vertieft sich das Minimum des Luftdruckes zwar sehr langsam, aber doch stetig; 
am 13. Morgens ist der niedrigste Luftdruck in der Gegend von Insterburg 
etwa 740 mm. ; ; 
Die Ausbildung des voranschreitenden sekundären Luftdruckminimums hat 
zur Folge, dafs die dem gemeinsamen Depressionsgebiet angehörenden Isobaren 
eine langgostrecktere Gestalt annehmen, die gröfste Längenausdehnung dieser 
geschlossenen Linien ist am 12. von Westen nach Osten gerichtet, am Morgen 
wm Q verläuft diese grofse.Axe jedoch in der Richtung von Südwest nach 
ordost. n 
Gerade auf der Rückseite des Luftdruckminimums, also nahezu in senk- 
rechter Lage zur Bahn, liegen die Isobaren der synoptischen Karten am dichtesten, 
d. h. für eine gleiche Entfernung sind die Luftdruckdifferenzen in der Richtung 
dieser Bahn am gröfsten. Da nun besonders in der näberen Umgebung des 
Minimums des Luftdruckes die ganze Erscheinung während der Ostwärtsbewegung 
entlang dor deutschen Ostseeküste nur geringere und vor Allem sehr langsame Ver- 
änderungen erleidot, so kann man in diesem Falle die zeitlichen Aufzeichnungen 
der Barographen auch wenigstens für kürzere Strecken als Darstellungen der 
räumlichen Druckvertheilung auffassen und zwar in einer Richtung, welche mit 
der. Bewegungsrichtung des Minimums zusammenfällt. An Stelle der Stunden im 
Barogramm ist dann nur eine Entfernung gleich der stündlichen Fortpflanzungs- 
geschwindigkeit der Depression zu setzen, selbstverständlich in der Art, dafs 
den späteren Stunden eine westlichere Lage entspricht, Danach erhält man 
im Rücken des Minimums eine Druckdifferenz bis zu 5 mm auf den Meridiangrad. 
Aus der Tabelle I der stündlichen Barometerstände ergiebt sich in den 
der Zeit des örtlichen Luftdruckminimums unmittelbar folgenden Stunden ein 
schnelleres Steigen des Barometers zu Neufahrwasser als den westlicher ge- 
legenen Orten, z.B. in Wustrow. Es folgt daraus aber kein stärkerer räumlicher 
Gradient zu der Zeit, wo das Minimum Neufahrwasser passirt, als zu der, zu 
welcher es in sehr grofser Nähe nördlich von Wustrow vorüberschreitet, sondern 
es ist dieser Umstand nur eine Folge ungleicher Bewegungsgeschwindigkeit.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.