Nordstürme an der deutschen Ostseeküste.
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des Windes eine allmählichere, dabei folgt die Drehung desselben dem allge-
meinen Gesetz, nach welchem bei Vorübergang des Minimums auf der linken
Seite der Bahn dieselbe im entgegengesetzten Sinne, auf der rechten Seite der
Bahn in gleichem Sinne wie der Uhrzeiger sich vollzieht; vergl. Tabelle II,
Kopenhagen und Memel, sowie Borkum, Hamburg und Berlin, am letzteren Orte
geht diese Drehung dabei nicht über Nordwest hinaus.
Auch fällt an diesen Orten das Umlaufen des Windes nach Norden
nicht mit dem Beginn der Luftdruckzuuahme am Ort zusammen, wie bei den
dem barometrischen Minimum im Verlaufe der Erscheinung zunächst gelegenen
Stationen, sondern tritt erst etwas nach diesem ein. In Wandrup und Kopen-
hagen und demnach wohl an allen nördlich vom Minimum gelegenen Orten hat der
Wind die gröfste Stärke bei östlicher und nordöstlicher Richtung und nimmt mit
der Drehung nach Norden zu ab. ;
Am 12. Morgens 8 Uhr also lag das Minimum des Luftdruckes in der
Gegend von Düppel; von dort aus schritt. dasselbe in ostsüdöstlicher Richtung
über die Kieler Bucht und die Insel Fehmarn nach der Neustädter Bucht zu, wo
es sich am frühen Nachmittag findet. Alsdann rein ostwärts sich wendend, be-
tritt es beim Fischlande zwischen Darsserort und Wustrow das Festland und
erreicht, quer über Rügen hinwegziehend, am.Abend die Pommersche Bucht.
Nunmehr nimmt die Bahn des Minimums eine etwas nördlichere Richtung über
dem Meere die hinterpommersche Küste entlang an, betritt gegen Mitternacht
wiederum das Festland zwischen Rirhöft und Leba nach der Danziger Bucht
sich wendend, dann südlich von Pillaw die Frische Nehrung überschreitend und
verläuft in der Folge über Ostpreufsen und das russische Gourernement Wilna
weiter ostwärts nach Grofsrufsland zu. Während dieser östlichen Bewegung
vertieft sich das Minimum des Luftdruckes zwar sehr langsam, aber doch stetig;
am 13. Morgens ist der niedrigste Luftdruck in der Gegend von Insterburg
etwa 740 mm. ; ;
Die Ausbildung des voranschreitenden sekundären Luftdruckminimums hat
zur Folge, dafs die dem gemeinsamen Depressionsgebiet angehörenden Isobaren
eine langgostrecktere Gestalt annehmen, die gröfste Längenausdehnung dieser
geschlossenen Linien ist am 12. von Westen nach Osten gerichtet, am Morgen
wm Q verläuft diese grofse.Axe jedoch in der Richtung von Südwest nach
ordost. n
Gerade auf der Rückseite des Luftdruckminimums, also nahezu in senk-
rechter Lage zur Bahn, liegen die Isobaren der synoptischen Karten am dichtesten,
d. h. für eine gleiche Entfernung sind die Luftdruckdifferenzen in der Richtung
dieser Bahn am gröfsten. Da nun besonders in der näberen Umgebung des
Minimums des Luftdruckes die ganze Erscheinung während der Ostwärtsbewegung
entlang dor deutschen Ostseeküste nur geringere und vor Allem sehr langsame Ver-
änderungen erleidot, so kann man in diesem Falle die zeitlichen Aufzeichnungen
der Barographen auch wenigstens für kürzere Strecken als Darstellungen der
räumlichen Druckvertheilung auffassen und zwar in einer Richtung, welche mit
der. Bewegungsrichtung des Minimums zusammenfällt. An Stelle der Stunden im
Barogramm ist dann nur eine Entfernung gleich der stündlichen Fortpflanzungs-
geschwindigkeit der Depression zu setzen, selbstverständlich in der Art, dafs
den späteren Stunden eine westlichere Lage entspricht, Danach erhält man
im Rücken des Minimums eine Druckdifferenz bis zu 5 mm auf den Meridiangrad.
Aus der Tabelle I der stündlichen Barometerstände ergiebt sich in den
der Zeit des örtlichen Luftdruckminimums unmittelbar folgenden Stunden ein
schnelleres Steigen des Barometers zu Neufahrwasser als den westlicher ge-
legenen Orten, z.B. in Wustrow. Es folgt daraus aber kein stärkerer räumlicher
Gradient zu der Zeit, wo das Minimum Neufahrwasser passirt, als zu der, zu
welcher es in sehr grofser Nähe nördlich von Wustrow vorüberschreitet, sondern
es ist dieser Umstand nur eine Folge ungleicher Bewegungsgeschwindigkeit.