accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

Nordstürme an der deutschen Ostseeküste. 
307 
Arittes Minimum südwestlich bis südlich von dem Centrum des die Stürme in 
Begleitung habenden Phänomens, so dafs dieses die Mitte einer Furche 
niedrigen Luftdruckes bildet. Indem nun das Minimum des Luftdruckes in sehr 
grofser Nähe die deutsche Ostseeküste passirt, Sotzt der Wind plötzlich aus 
südwestlicher Richtung in nördliche und nordöstliche um. Mit dem Umspringen 
des Windes bricht meist ebenso plötzlich der Sturm los, während vorher viel- 
fach fast Windstille herrschte. Naturgemäfs tritt dem Fortschreiten der. De- 
pression entsprechend nach Osten zu der Sturm um 80 später ein, je östlicher 
die Küstenorte gelegen sind, und diese Thatsache, sowie das Plötzliche 
geines Erscheinens sind für diese zweite Klasse der Nordoststürme charakteristisch, 
im Gegensatz zu der an der ganzen Küste gleichzeitigeren allmählicheren Zu- 
nahme der Windstärke bei der zuerst besprochenen Klasse jener Phänomene. 
Die zweite Klasse dieser Erscheinungen ist noch weniger zahlreich als 
die erste, es gehören derselben die an diesem Orte‘) besprochenen Stürme vom 
21. und 22. Öktober und theilweise auch vom 27. bis 30, Oktober 1880, ebenso 
wie die in der Ueberschrift genannten an. 
Dabei zeigen bei eingehenderer Bearbeitung in den Einzelheiten, sowie 
vor Allem in der Entwickelung der bezüglichen Minima, diese Stürme solche 
Verschiedenheiten, daß die Schilderung der bereits in diesen Publikationen be- 
handelten nicht in Bezug auf die letzteren übertragbar ist. Durch die überaus 
gütige Bereitwilligkeit des Königl. preufsischen meteorologischen Instituts, des 
Grofsherzoglich mecklenburgischen statistischen Bureaus, des Königl. dänischen 
und des Königl. schwedischen meteorologischen Institutes, sowie des Herrn 
Prof. Börnstein zu Berlin steht dem Verfasser über den Sturm vom 12. und 
13. März v. J. aufser den in den verschiedenen Wetterberichten publicirten 
Beobachtungen neben den Aufzeichnungen an den Normalbeobachtungsstationen 
und Signalstellen der Scewarte noch ein reichhaltiges Material zur Verfügung 
uud bietet somit die Gelegenheit, besonders auf die Kinzelheiten dieser Er- 
scheinung einzugehen. Die Luftdruck- und Windverhältnisse im ‚südlichen Ost- 
seegebiet, sowie der Seegang sind in den beigegebenen Tafeln für die vier 
Beobachtungstermine vom Morgen des 12. bis Morgen des 13. dargestellt, und 
zwar dor Luftdruck durch die Isobaren, die Winde durch mit demselben fliegende 
Pfeile, deren Fiederung die Stärke in halber Beaufort-Skala angiebt, der See- 
gang durch beigeschriebene römische Zahlen. 
1. Der Sturm vom 12. und 13. März 1887. 
Das Depressionsphänomen, welches diesen Sturm zur Folge hatte, ent- 
wickelte sich aus sehr bescheidenen Anfängen, In den Tagen vom 8. bis 
9. März war eine Depression im Norden Skandinaviens ostwärts nach dem 
Weiflsen Meere zu vorübergezogen, während ein am 8. über der westlichen Ost- 
see lagerndes Luftdruckmaximum gleichzeitig eine sehr schnelle Verschiebung 
nach dem Schwarzen Meere zu erfahren hatte. Zur selben Zeit findet sich etwa 
über der Mitte des Atlantischen Oceans ein sehr ausgedehntes Depressions- 
gebiet, dagegen tritt vom 9. an ein zweites Gebiet hohen Luftdruckes über dem 
Meere im Norden der britischen Inseln in Erscheinung, welches am 10. einen 
eigenthümlich schmalen keilförmigen Ausläufer nach Süden zu vorschiebt. An 
der Grenze dieser Gebiete hohen und niedrigen Luftdruckes bildet sich an- 
scheinend an der Nordküste Irlands ein Minimum des Luftdruckes aus, welches 
am 10. Abends und auch noch am 11. Morgens nur die Windverhältnisse auf 
sehr kleinem Gebiete beeinflufst,. Sowohl während seiner Entwickelung als 
auch während seiner östlichen Bewegung nach der Ostküste Schottlands finden 
über dem nördlichen Irland und über Schottland schr, ergiebige Regen- und 
Schneefälle statt. Im Laufe des 11. überschreitet nun diese räumlich sehr wenig 
ausgedehnte Depression die Nordsee unter etwa 55° N-Br, an Tiefe stetig 
zunehmend. Im Rücken derselben entwickelt sich am selben Tage ein anderes 
ebenfalls an sich wenig bedeutendes Minimum, welches sehr langsam südwärts 
nach dem Kanal zu fortschreitet, und es bildet sich so jene, oben bereits für 
diese Klasse der Nordoststürme als charakteristisch bezeichnete Luftdruckver- 
) „Ann, d, Hydr.“ 1880, pag. 609 u. ff. u. 1881 pag. 9 u. £.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.